Verdreifachung

Hühnerfarm Winningen bei Aschersleben rüstet auf: Wimex will 60.000 Tiere aufziehen

Winningen - In Winningen sollen neben den drei kleinen bald auch zwei größere Ställe genutzt werden. Tierschützer sind gegen das Vorhaben.

Von Detlef Anders

Als vor eineinhalb Jahren auf Spiegel Online und im ZDF-Magazin Frontal über Massentierhaltung in der Hühneraufzucht in Sachsen-Anhalt berichtet wurde, war der mediale Aufschrei groß.

Schockierende Beschreibungen der Zustände in Großställen eines der europaweit führenden Mastkükenproduzenten, der Wimex Agrarprodukte Import und Export GmbH aus Baasdorf bei Köthen, sind noch heute bei Spiegel Online zu lesen. Die Bilder entstanden nicht im Ascherslebener Ortsteil Winningen, doch auch der Betrieb dort gehört zur Firma Wimex.

Bis 26. November sind Einwände möglich

Vor 20 Jahren wurde der Firma die Aufzucht von bis zu 20.000 Hühnern in drei kleinen und zwei großen Ställen genehmigt. Demnächst sollen hier dreimal so viele Tiere aufgezogen werden. Die Antragsunterlagen für die Erweiterung auf 60.600 Elterntiere lagen bis 25. Oktober im Landesverwaltungsamt in Halle und im Rathaus Aschersleben aus.

Bis 26. November können Einwände eingereicht werden, informierte Sandra Franz vom Bündnis Tierfabriken-Widerstand. Trotz der Verdreifachung der Tierzahl soll das Gedränge in den Ställen nicht größer werden. „Wir wollen die zwei großen, bislang leeren Ställe nutzen“, teilte ein Wimex-Sprecher auf Anfrage der MZ mit, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Wimex-Erweiterung ist seit 2013 ein Thema

Über die Erweiterung wird seit 2013 beraten. Im Ortschaftsrat war im Juli 2015 über die Pläne informiert worden. Das Bündnis Tierfabriken-Widerstand hatte zuvor in Aschersleben zu einer Veranstaltung eingeladen. Der Betriebsleiter informierte dort über die Pläne in Winningen und ein zweites damals für Cochstedt geplantes Vorhaben.

Stadträte, Ober- und Ortsbürgermeister äußerten sich neben Tierschützern zum Projekt. In Cochstedt verhinderten Bürgerproteste den Bau. „Jetzt gilt es, auch dieses Projekt zu stoppen“, ruft Sandra Franz zum Widerstand auf.

Bürgermeister Pich: Im Ort gibt es keinen Widerstand

180 Meter sind es zur nächsten Wohnbebauung. Der Tierschutz, heißt es in der Vorhabenbeschreibung, werde durch die Auswahl der Stallausrüstung und betriebliche Maßnahmen gewahrt. Gesundheitsgefahren und die Überschreitung von Grenzwerten würden nicht erwartet.

Ortsbürgermeister Axel Pich (Wählergemeinschaft Winningen) hat zwar vor zwei Jahren von Geruchsbelästigungen erfahren, doch heute sei alles ruhig. Im Ort gebe es keinen Widerstand, obwohl die Verdreifachung der Belegung „schon eine Hausnummer ist“.

„Es ist alles so, wie es sein muss“, stellt Pich nach Gesprächen mit den beiden Farmern fest. Neben dem Ehepaar sehe er nur den Tierarzt auf dem Gelände. „Alle Jubeljahre fährt ein Transporter rein“, hat er beobachtet. Wie es in der Anlage aussieht, weiß er nicht.

Tierschützer: Hühner haben keinen Auslauf

Laut Tierschützer wachsen die Hühner ohne Auslauf auf und sind extremen Belastungen ausgesetzt. Sie werden gezüchtet, um Eier für die Mastkükenproduktion zu legen, so Sandra Franz. Wie ihre Nachkommen, die Masthühner, würden sie unnatürlich schnell an Gewicht zunehmen. Um monatelang reproduktionsfähig zu sein, werde ihnen dann Futter vorenthalten.

Das ständige Eierlegen führe zu Entzündungen der Legeorgane. Der Hungerstress und die enge Haltung machten die Tiere aggressiv und bedingten gegenseitige Verletzungen. „Die Eltern der Masthühner werden genau wie diese als bloße Produktionseinheiten und nicht als Lebewesen angesehen“, meint Franz. Die Zukunft sollte einer rein pflanzlichen Ernährung gehören, findet sie.

Oberbürgermeister Michelmann will sich nicht äußern

Der Unternehmenssprecher betont, dass in Winningen alles nach Recht und Gesetz ablaufe und alle Vorgaben erfüllt würden. Im Rahmen des rechtsstaatlichen Verfahrens werde die Öffentlichkeit beteiligt. Gerüche würden nur auftreten, wenn alle paar Wochen die Entmistung erfolge. Das sei normal. In Winningen seien immer schon Tiere gewesen. Ascherslebens Oberbürgermeister Andreas Michelmann (Widab) wollte sich nicht äußern. (mz)