Gut zu wissen

Das sind die Sieben Weltwunder der Neuzeit

Die Christus-Statue in Rio de Janeiro, das Kolosseum in Rom und die Inka-Ruinenstadt Machu Picchu gehören dazu.

05.12.2016, 16:36
Die Felsenstadt Petra in Jordanien.
Die Felsenstadt Petra in Jordanien. EPA FILES

Die Sieben Weltwunder der Antike waren nicht genug. Das dachte sich der Schweizer Abenteurer, Filmemacher, Hobbyflieger und Millionär Bernard Weber und initierte im Jahr 2000 eine Wahl für die Sieben Weltwunder der Neuzeit.

Während vor zwei Jahrtausenden Philosophen die Weltwunder bestimmten, hatte zu Beginn des 21. Jahrhunderts jeder Mensch per Internet-Abstimmung die Möglichkeit dazu, einer Jury Vorschläge für die Sieben Weltwunder der Neuzeit zu unterbreiten.

Bis 2005 konnte man der Jury, bestehend aus sieben internationalen Architekten unter Vorsitz des ehemaligen UNESCO-Generaldirektors Federico Mayor, jedes beliebige Bauwerk als Weltwunder vorschlagen, das vor dem Jahr 2000 gebaut wurde.

Die Sieben Weltwunder der Neuzeit sind:

Christus-Statue auf dem Corcovado in Rio de Janeiro (1931)
„Der Erlöser“, die Statue in Rio de Janeiro, zählt zu den bekanntesten Abbildern von Christus. Die 38 Meter hohe Statue mit den ausgebreiteten Armen steht auf dem 700 Meter hohen Berg Corcovado und blickt über die Stadt.  Der Bau wurde zunächst aus Spenden finanziert, später unterstützten verschiedene Staaten bis zum Vatikan das Projekt. 1931 wurde „Der Erlöser“ eingeweiht. Heute kommen jährlich etwa 2 Millionen Gäste, um die Statue zu besichtigen und den Ausblick zu genießen.

Pyramide von Chichén Itzá in Mexiko (vor 800 n. Chr.)
Noch immer umgibt die Maya-Kultur ein großes Geheimnis. Bis zu Beginn des 16.Jahrhunderts prägte sie die Kultur im östlichen Mexiko. Dann eroberten die Spanier das Land und zerstörten die meisten Kunstwerke und Schriften der hoch entwickelten Zivilisation.

Täglich bis zu 4 000 Touristen besuchen die Pyramidenstadt Chichén Itzá, deren Besonderheit der größte Ballspielplatz der Maya ist. Ein Areal, auf dem zwei Teams einen Kautschukball durch einen Ring in acht Meter Höhe treiben mussten. Ein rituelles Spiel: Für die Priester symbolisierte der Ball die Sonne; aus seiner Flugbahn trafen sie Voraussagen für die Zukunft. Das Ende des Pok Ta Pok war blutig, wie Reliefs an den Seiten zeigen: Der Kapitän einer Mannschaft wurde enthauptet. Ob als Ehrentod für den Sieger oder Schmach für den Verlierer - darüber streiten sich Experten noch.

El Castillo, die von den Spaniern „Das Schloss" getaufte Pyramide, ist dem Gott Kukulkán geweiht. Sie ist kein Grabmal wie die ägyptischen Pyramiden, sondern ein steinerner Sternenkalender, der auf geniale Weise die indianische Kosmologie abbildet.

Ebenfalls mehr als 1 000 Jahre alt ist der "Tempel der Krieger" mit der wohl bekanntesten Szenerie des Alten Mexiko: Zwei Säulen mit weit aufgerissenen Schlangenmäulern rahmen eine Figur, die Maya-Kennern Schauder über den Rücken jagt - auf dem Chac Mool nämlich brachten die Priester den Göttern ihre blutigen Opfer dar, darunter auch menschliche Herzen.

Kolosseum in Rom (72-80 n. Chr.)

Das größte Amphitheater der Antike für weit mehr als 50.000 Zuschauer wurde zwischen 72 und 80 nach Christus unter Kaiser Vespasian erbaut. Die Einweihung mit blutigen Spielen übernahm im Jahr 80 nach Christus dessen Sohn, Kaiser Titus.

Über Jahrhunderte blieb das sogenannte „Amphiteatrum Flavium“ der Schauplatz grausamster Gladiatorenkämpfe und auch inszenierter Seeschlachten. Heute gehört es mit über vier Millionen Besuchern jährlich zu den meistbesuchten Attraktionen Roms.

Forscher haben auch Überreste einstiger Geschäfte und Wohnungen auf dem Gelände der Arena freigelegt. „Die Funde zeigen genau das, was wir aus anderer Quelle schon wussten: Dass das Kolosseum im 12. und 13. Jahrhundert als Wohn-,Einkaufs- und Arbeitsraum genutzt wurde“, erläuterte der italienische Archäologieprofessor Riccardo Santangeli Valenzani.

Chinesische Mauer (214 v. Chr. und 1368-1644 n. Chr.)
Die gigantische, über 6.000 Kilometer lange Chinesische Mauer war ursprünglich eine militärische Verteidigungslinie und diente dazu, das chinesische Kaiserreich vor den Angriffen nomadischer Reitervölker aus dem Norden zu schützen. Laut einer landläufig weit verbreiteten Meinung soll die große Mauer das einzige Bauwerk auf der Erde sein, das vom Weltraum aus erkennbar ist. Bisher konnte jedoch weder ein Astronaut noch ein Kosmonaut oder gar ein Taikonaut diese Behauptung bestätigen. Ihrer Bedeutung als Touristenattraktion hat dies bisher keinen Abbruch getan. Und so besuchen jedes Jahr Millionen Menschen dieses Relikt vergangener Zeiten und längst vergessener Konflikte.

Taj Mahal im indischen Agra (1631-1648 n. Chr.)

Das Taj Mahal gilt vielen als das Wahrzeichen Indiens. Der Großmogul Shah Jahan baute das Denkmal für seine Lieblingsfrau Mumtaz Mahal, die 1631 im Alter von 38 Jahren verstarb. Rund um das Gebäude wimmeln die Besucher aus aller Welt wie Ameisen herum.

Die Anlage bietet zum Glück ausreichend Platz, und wer keinen Wert darauf legt, das marmorne Mausoleum frontal abzulichten, tut gut daran, sich einen Weg abseits der ausgetretenen Pfade zu suchen.

Ursprünglich hatte Shah Jahan vor, für sich selbst auf der anderen Seite des Flusses ein ebensolches Mausoleum in schwarzem Marmor zu erbauen. Doch sein Sohn, der ihn stürzte, verfrachtete ihn ins nahe Rote Fort, wo der Gefangene sich auf Blicke zum Taj Mahal beschränken musste.

Steinstadt Petra in Jordanien (9 v. Chr.-40 n. Chr.)
Petra ist heute eine verlassene Felsenstadt und in der Antika Hauptstadt des Reiches der Nabatäer. Hunderttausende Touristen besuchen heute die wegen ihrer Grabtempel und aus dem Fels gemeßelten Fassaden einzigartige Stadt heute. Viele kennen das Kulturdenkmal auch aus anderem Zusammenhang: im Film "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" spielt Petra eine entscheidende Rolle.

Inka-Ruinenstadt Machu Picchu in Peru (um 1450) 
Die im 15. Jahrhundert vom Inka-Herrscher Pachacútec erbaute Inkastätte war im Juli 1911 vom US-Archäologen Hiram Bingham für die Wissenschaft entdeckt worden; die Existenz der Ruinen war der örtlichen Bevölkerung längst bekannt. Es waren aber Binghams Veröffentlichungen, die Machu Picchu zu dem machten, was sie heute sind: eine der bekanntesten archäologischen Stätten der Welt. 1983 wurde die auf einem Bergrücken in 2500 Meter Höhe gelegene Inka-Stadt in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.
Der Name Bingham ruft bei den Peruanern aber gemischte Gefühle hervor, weil er rund 44.000 Fundstücke mit an die US-Universität Yale nahm. Bislang wurden erst 366 davon an Peru zurückgegeben. Fast 2000 Besucher kommen täglich in die Stadt.

Die übrigen Kandidaten für die Wahl eines der Weltwunder der Neuzeit waren der Alhambra-Palast in Granada (13. Jahrhundert), der Tempelkomplex von Angkor in Kambodscha (12. Jahrhundert), die Moais-Steinstatuen auf Chiles Osterinsel (10.-16. Jahrhundert), der Eiffelturm in Paris (1887-1889), die Akropolis von Athen (450-330 v. Chr.) und die Hagia Sophia-Moschee in Istanbul (532-537 n. Chr.).

Darüber hinaus wurden der Kiyomizu-Tempel im japanischen Kyoto (798-1633), Kreml und Roter Platz in Moskau (1156-1850), Schloss Neuschwanstein im Allgäu (1869-1886), die Freiheitsstatue in New York (1886), die Stonehenge-Anlage im britischen Amesbury (3000 v. Chr.-1600 v. Chr.), die Oper von Sydney in Australien (1959-1973) und die Oasenstadt Timbuktu in Mali (12. Jahrhundert) vorgeschlagen.