Zweimal Weltmeister am 27. August

Merseburg/Berlin/MZ. - Aus solchem Holz werden Helden geschnitzt. Klaus Grünke wurde Weltmeister und Olympiasieger im 1000-Meter-Zeitfahren auf der Bahn. Und schließlich Weltmeister auf der Straße. Doch das ist schon eine Geschichte von ...

Von Birger Zentner 12.11.2004, 17:48

Aus solchem Holz werden Helden geschnitzt. Klaus Grünke wurde Weltmeister und Olympiasieger im 1000-Meter-Zeitfahren auf der Bahn. Und schließlich Weltmeister auf der Straße. Doch das ist schon eine Geschichte von 2004.

Der 27. August ist für den einstigen Klobikauer Jungen, der heute als 53-jähriger in Stolzenhagen nördlich von Berlin lebt, ein Glückstag. Nicht nur, weil seine Frau Sieglinde an dem Tag Geburtstag hat. Am 27. August 2004 fuhr Klaus Grünke genau 29 Jahre nach seinem ersten Weltmeistertriumph erneut ins Regenbogentrikot - als Weltmeister der Senioren im Straßenrennen von St. Johann in Österreich.

Davor lagen vier Jahre, in denen er genau so hart trainierte, wie einst in der ersten aktiven Zeit. "Ich hatte 1978 das Fahrrad endgültig an den Nagel gehängt, mich nicht mehr um Sport gekümmert und wog vor vier Jahren 106 Kilogramm", plaudert der Busfahrer der Berliner Verkehrsgesellschaft unbekümmert. Wie siehst du denn aus? frotzelten Freunde damals. Und Bruder Peter setzte noch eins drauf: "Mein Hinterrad bekommst du nie wieder zu sehen."

Dabei war es Klaus, der in der aktiven Zeit im Familiensport vornweg fuhr. Während er Weltmeister und Olympiasieger wurde, Bruder Dieter - heute in Halle lebend - beizeiten mit dem Radsport wieder aufhörte, schaffte Peter aber immerhin einige DDR-Meistertitel und 1979 bei der Weltmeisterschaft in Amsterdam Platz vier, ebenfalls auf der 1000-Meter-Strecke.

Peter hörte nie auf mit dem Radfahren, nimmt seit Anfang der 90er Jahre an den Seniorenweltmeisterschaften teil, gehört der Senioren-Nationalmannschaft an. Für den Älteren war das die Herausforderung. "Die ersten Kilo habe ich mir abgehungert." Dann ging es ins knallharte Training mit der Gruppe des jüngeren Bruders.

"Das war für Klaus von Vorteil , dass er mit uns jüngeren trainiert hat", sagt Peter Grünke. Klaus behielt das Hinterrad des kleinen Bruders in Sichtweite. "Vor dem Rennen in Österreich habe ich von Peter noch viele Tipps bekommen. Der entscheidende vielleicht war, auf dem letzten Kilometer ganz links zu fahren, das habe ich auch gemacht", erzählt Klaus.

Erst mit 14 Jahren kam der Klobikauer zum Radsport. Inspiriert von Vater und Bruder Dieter. Der hatte übrigens im Schuppen jenes Rad entdeckt und für sich genutzt, mit dem der Vater Ende der 40er Jahren regelmäßig zu seiner späteren Frau von Merseburg nach Freyburg gefahren ist.

In der Betriebssportgemeinschaft Buna Schkopau begann der Radweg von Klaus Grünke. Bei Harry Brass und Hannes Schober. Peter begann als Elfjähriger 1969 mit dem Radsport. Beim TSC in Berlin holte sich Klaus die nötigen "Körner", um 1975 auf den Weltmeister- und 1976 in Montreal auf den Olympiathron zu klettern.

Als Klaus schon ans Aufhören dachte, folgte Peter nach Berlin. "Ich habe dann noch zwei Jahre mit ihm trainiert, um ihm zu helfen, an die Weltspitze heranzukommen", sagt Klaus. Doch immer wieder stand dem Bruder dann Lothar Thoms im Weg, gegen den Peter zum Beispiel eine dubiose Olympiaausscheidung für Moskau verlor, "obwohl ich mich als DDR-Meister und mit der Olympianorm dafür qualifizierte hatte".

80 Kilometer hatten die Senioren der Altersklasse 53 bis 55 Jahre an jenem 27. August 2004 zu absolvieren. Einen Massensturz nach 800 Meter überstand Klaus unbeschadet, dann blieb er an der Spitze dran, auch als auf den letzten acht Kilometern die Tachonadel nicht mehr unter 50 Kilometer pro Stunde fiel. Nach einer Stunden und 50 Minuten raste er als Erster durchs Ziel. Dann lagen sich alle in den Armen - Klaus und Peter, der im Zeitfahren Platz sieben belegt hatte, und die beiden Eherfrauen Sieglinde und Verena, "ohne die solche Erfolge gar nicht möglich wären", sagen beide.

Abends auf dem Siegerpodest und als seine frühere Erfolge noch einmal genannt wurden, hüpfte Klaus wie ein Gummiball umher. "Ich hatte den Sieg gewollt, aber konnte es lange gar nicht fassen, dass es auch geklappt hat."