Profiboxen

Profiboxen: Markus Beyer siegt nach Punkten gegen Danny Green

Zwickau/dpa. - Profi-Boxer Markus Beyer ist im Kampf gegen dieeigenen Nerven die kaum mehr für möglich gehaltene Wende gelungen.Dank des Punktsiegs gegen den Australier Danny Green am Samstagabendin Zwickau verteidigte der 33-Jährige nicht nur seinen WBC-Weltmeistertitel, sondern widerlegte zugleich den Ruf, inentscheidenden Momenten an seiner labilen Psyche zu scheitern. «DieSicherheit ist wieder da. Ich lasse mich nicht mehr aus dem Konzeptbringen», sagte der Supermittelgewichtler, der über die zwölf Rundeneine taktische Glanzleistung bot und die 4000 Zuschauer ...

Von Christian Kamp 13.03.2005, 16:13

Profi-Boxer Markus Beyer ist im Kampf gegen dieeigenen Nerven die kaum mehr für möglich gehaltene Wende gelungen.Dank des Punktsiegs gegen den Australier Danny Green am Samstagabendin Zwickau verteidigte der 33-Jährige nicht nur seinen WBC-Weltmeistertitel, sondern widerlegte zugleich den Ruf, inentscheidenden Momenten an seiner labilen Psyche zu scheitern. «DieSicherheit ist wieder da. Ich lasse mich nicht mehr aus dem Konzeptbringen», sagte der Supermittelgewichtler, der über die zwölf Rundeneine taktische Glanzleistung bot und die 4000 Zuschauer begeisterte.

Ganz ohne Schrecksekunde ging es allerdings auch diesmal nicht. ZuBeginn der letzten Runde drohte dem zuvor überlegenen Beyer der Last-Minute-K.o., als er schwer getroffen durch den Ring taumelte undangezählt werden musste. «Überleben, einfach nur überleben»,schilderte der Kölner seine Gedanken in der Schlüsselszene. Dochanders als in früheren Kämpfen riss er sich noch einmal zusammen.Green konnte keinen weiteren Treffer landen und präsentierte sichanschließend als fairer Verlierer. «Er war der bessere Mann undverdient meinen ganzen Respekt. Es war nicht meine Nacht», sagte er.

Feiern lassen durfte sich allein der Titelverteidiger. «Das warder beste Beyer, den ich je gesehen habe», schwärmte der frühereWeltmeister Sven Ottke. Auch Beyers Trainer Ulli Wegner war stolz aufseinen Schützling. «Markus hat sich in einer kritischen Situation alsPersönlichkeit gezeigt», sagte er im Hinblick auf den Druck, der vordem Kampf auf dem gebürtigen Sachsen gelastet hatte.

Dass Beyer daran nicht zerbrach, ist auch der Verdienst desPsychologen Eckard Winderl, mit dem Beyer seit einem guten halbenJahr zusammenarbeitet. «Das hat mir sehr viel gebracht. Er hat michals Mensch und als Boxer geformt», meinte Beyer. Winderl beschriebden Champion als «sehr sensiblen und sehr intelligenten Mann». «Esgeht darum, dass man seine Fähigkeiten durch innere Rituale abrufenkann. Und man muss auch Niederschläge gut verkraften», sagte derHamburger Mental-Trainer, der schon in der Formel 1 gearbeitet hatund selbst über Kampfsport-Erfahrung verfügt.

Die stabile Psyche war die Basis für den 32. Erfolg im 34.Profikampf Beyers. Dazu kam eine beeindruckende Stärke in derDeckung. Obwohl der bewegliche Green alles versuchte, konnte erBeyers Bollwerk nur selten durchbrechen. Beim ersten Duell vor 19Monaten hatte Green den Deutschen noch überrumpelt und gleichmehrmals auf die Bretter geschickt, ehe er wegen zweier Kopfstößedisqualifiziert wurde. Nun darf sich der einzige deutsche Profi-Weltmeister Hoffnung auf weitere lukrative Duelle machen. «Wenn ichverloren hätte, wäre es mein letzter Kampf gewesen. Aber mit derLeistung von heute kann ich noch ein paar Kämpfe machen», sagteBeyer.

Für eine große Enttäuschung aus deutscher Sicht sorgte derSchwergewichtler Timo Hoffmann aus Polleben, der gegen den AustralierBob Mirovic nur durch ein Skandalurteil den Kampf um die so genannteInterkontinental-Meisterschaft der IBF gewann. Die Zuschauerquittierten die einstimmige Wertung der Kampfrichter mit gellendenPfiffen und feierten den klar überlegenen Mirovic als wahren Sieger.«Ich habe in der zweiten Runde einen Daumen ins Auge bekommen undlinks nur noch verschwommen gesehen», rechtfertigte sich Hoffmann.