Tour-Ausschluss nach Rangelei Tour-Ausschluss nach Rangelei: Tony Martin bittet im Video erfolglos um zweite Chance
Gap - Reumütig saß Tony Martin neben Luke Rowe und bat um „eine zweite Chance“ bei der Tour de France. „Lasst uns im Rennen. Lasst es uns in den nächsten Tagen besser machen. Wir können nicht zeigen, dass es uns leid tut. Auf diese Art zu gehen, ist ein falsches Zeichen“, appellierte der viermalige Zeitfahr-Weltmeister in einem gemeinsamen Video mit Rowe an die Rennjury, nachdem die beiden Fahrer wegen einer Rangelei auf der 17. Etappe vom wichtigsten Radrennen der Welt ausgeschlossen worden waren.
Die beiden Radrennställe Jumbo-Visma und Ineos hatten Einspruch gegen den Ausschluss eingelegt. „Ich fühle mich schlecht und traurig“, betonte Martin und fügte hinzu: „Ich möchte mich bei Luke, dem Team Ineos und der Radsport-Welt entschuldigen.“
Der Vorfall sei im Eifer des Gefechts passiert. „Es war ein großer Kampf vor dem letzten Anstieg, um die Kapitäne in Position zu bringen. Wir sind über fünf Stunden gefahren bei rund 35 Grad. Wir waren alle am Limit.“
Einspruch abgewiesen: Tour de France für Tony Martin beendet
Am Donnerstagvormittag vor der 18. Etappe zwischen Embrun und Valloire (208 km) wurde ein gemeinsamer Einspruch beider Mannschaften gegen die Disqualifikation wie erwartet abgewiesen. Martin und Rowe gingen infolgedessen nicht an den Start.
„Ich hatte Zeit, mich darauf einzustellen, aber klar hatte ich auch noch Hoffnung auf die kleine Chance, dass dem Einspruch stattgegeben wird. So kurz vor dem Ziel in Paris aus dem Rennen genommen zu werden, ist nicht schön“, sagte Martin in Embrun, nachdem sein Tour-Aus endgültig feststand. Sein Team Jumbo-Visma hatte zuvor auch noch vergeblich den Internationalen Sportgerichtshof CAS angerufen.
Tony Martin zu Tour-Ausschluss: „Wir waren alle am Limit“
Was war genau passiert? Auf Videos ist zu sehen, wie Martin dem Briten gut 15 Kilometer vor dem Ziel ziemlich heftig den Weg abschneidet. Dieser hebt danach die Hand und scheint nach Martin schlagen zu wollen. Die Rennjury untersuchte den Fall und traf schließlich eine harte Entscheidung: Beide Fahrer wurden zu einer Geldstrafe von 1000 Schweizer Franken und dem Abzug von 50 Punkten in der Weltrangliste verurteilt, wie der Radsport-Weltverband UCI mitteilte.
Die Teams reagierten mit Unverständnis auf die Entscheidung. „Die Vorfälle verdienen eine Geldstrafe und eine Verwarnung, aber nicht einen Ausschluss. Eine Gelbe Karte und keine Rote Karte“, teilten beide Teams in einer Erklärung mit. Die Rangelei habe keinen anderen Fahrer beeinflusst und sei nicht zu einem Nachteil von irgendeinem Team gewesen. Diese Ansicht vertrat auch Rowes Teamkollege und Tour-Champion Geraint Thomas: „Die Jungs machen alle den gleichen Job. Sie versuchen, ihren Kapitän in Position zu bringen. Da kommt es zu Rangeleien, nichts wirklich Schlimmes.“
Der frühere Toursieger Bradley Wiggins sah als Eurosport-Experte Martin in der Rolle des Schuldigen. „Er ist ein netter Junge. Ich habe einige Jahre mit ihm in einem Team verbracht. Er kann sehr wütend werden. Ich weiß nicht, was Tony da tut“, sagte der Brite. Keiner im Peloton verdiene es, so behandelt zu werden. (dpa)