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"Hey ich bin hier in Weißenfels..." Syntainics MBC: Trainer Silvano Propat mit Brandrede nach Heimniederlage gegen Ulm

Von Olaf Wolf 01.02.2021, 16:25
MBC-Trainer Silvano Poropat findet klare Worte.
MBC-Trainer Silvano Poropat findet klare Worte. www.imago-images.de

Weißenfels - Der Mitteldeutsche Basketball Club (MBC) bleibt in diesem Jahr auf heimischem Boden auch weiterhin sieglos und kassiert zugleich die dritte Heimpleite in Folge. Mit dem 92:104 gegen Ratiopharm Ulm verlieren die Wölfe zudem erst einmal den Kontakt zu den Playoff-Plätzen.

Ob es nach dem Abpfiff in der Kabine laute Worte vom Trainer gab, ließ sich nur erahnen. Etwa 15 Minuten dauerte es, ehe die Spieler mit gesenkten Köpfen nochmals das Spielfeld betraten, um ihre Muskulatur zu lockern. Head-Coach Silvano Poropat selbst platzte wenig später ob der gezeigten Leistungen seines Teams allerdings der Kragen.

„Ich habe meiner Mannschaft gesagt, dass ich enttäuscht bin. Und zwar erstmals in dieser Saison richtig enttäuscht von der Einstellung und der Art und Weise, wie wir unsere Verteidigung spielen, von der Art und Weise, wie wir auf dem Spielfeld zusammenstehen und kämpfen, auch dann, wenn der Gegner auf dem Feld schwächelt und mit seiner zweiten Formation spielt“, erklärt er nach dem Abpfiff.

MBC zeigt gegen Ulm keine Moral

Wieder einmal hat der Syntainics MBC zwei Gesichter gezeigt. Bereits nach dem ersten Viertel lagen die Wölfe mit 26:34 zurück. Silvano Poropat fand in der kurzen Pause vor dem zweiten Abschnitt offensichtlich die richtigen Worte an seine Mannschaft. Vorübergehend zumindest.

Denn das Team um Top-Scorer Michal Michalak, der nach überstandener Verletzung wieder im Aufgebot stand, übernahm im zweiten Viertel die Initiative und arbeitete sich wieder heran, ging sogar mit einer knappen 52:51-Führung in die Halbzeitpause. Bahnte sich da eine Überraschung an?

Keinesfalls, denn statt an das zweite Viertel anzuschließen, zeigten die Wölfe plötzlich wieder alte Muster. Ulm konnte nach Belieben punkten, während die Hausherren unter dem eigenen Korb oftmals nur eine Art Begleitschutz für die Gästespieler darstellten und die mit nicht wenigen Dreiern glänzten.

Hallenser Andreas Obst mit starker Leistung gegen den MBC

Von echter Defensivarbeit war der Syntainics MBC an diesem Abend, zumindest ab dem dritten Viertel, weit entfernt. Hinzu kam, dass das Team eigene Chancen liegen ließ. Und so konnte sich beispielsweise der Hallenser Andreas Obst ungehindert entfalten und war am Ende mit 21 Punkten zweitbester Gästewerfer hinter seinem Teamkollegen Dylan Osetowski (25).

„Es passiert zu oft, dass wir plötzlich mit 15 oder 20 Punkten zurückliegen. Es liegt nicht nur an der Verteidigung. Im zweiten Abschnitt hatten wir zu viele Ballverluste, die echt unnötig waren“, bringt es der Coach auf den Punkt.

Was Silvano Poropat nach dem Spiel aber vor allem missfiel, war die fehlende Moral, das Steuer noch herumzureißen. „Ich weiß, die Leute werden sagen: Das war gegen Ulm, da kann man verlieren, das kann passieren, das ist ein guter Gegner – das stimmt alles. Aber nicht die Art und Weise, wie wir verloren haben. Wir waren zweimal fast 20 Punkte hinten. Als kleiner Verein haben wir nur dann eine Chance, wenn wir stolz sind und kämpfen. Ich bin überzeugt, dass wir heute viel besser hätten spielen können. Wir hatten viel Zeit zur Vorbereitung, wir haben die Mannschaft auch gut vorbereitet. Aber die Mannschaft hat heute keinen Charakter gezeigt und nicht zusammengespielt“, findet er klare Worte. Und: „Es kann nicht sein, dass der Gegner immer dann einen Korb macht, wann er will. Das geht nicht auf diesem Level. Das ist der Arbeit, die wir unter der Woche machen, nicht würdig.“

MBC verliert zu viele Spiele trotz Siegchancen

Deutliche Worte vom Head-Coach, der sich den Saisonverlauf sicher anders vorgestellt hatte. Ulm war an diesem Abend durchaus bezwingbar. Auch Ludwigsburg und Frankfurt waren keinesfalls unbezwingbare Kontrahenten. Doch statt zu punkten, gaben die Wölfe ihren Gegnern die Punkte mit auf den Heimweg.

Angesichts der Heimpleite ging am Samstagabend fast unter, dass David Brembly mit 22 Scorerpunkten nicht nur bester Werfer beim Syntainics MBC war, sondern dass er die Marke von 1000 Punkten in seiner Bundesliga-Karriere knackte. Gleiches gelang übrigens auch Gästespieler Andi Obst.

Brembly selbst wollte davon später wenig wissen „Wir haben heute viele kleine mentale Fehler gemacht. Wir haben ein überragendes zweites Viertel gespielt, haben das Momentum an uns gerissen. Doch dann hat Ulm mit 30 Punkten gescort. Dann hatten die wieder das Momentum“, erklärt 27-Jährige zum Spielverlauf.

MBC ist schon am Mittwoch gegen Bamberg gefordert

Viel Zeit, ihre Wunden zu lecken, haben die Wölfe nicht. Bereits am Mittwochabend steht die Auswärtspartie gegen Bamberg auf dem Programm. Die unterlagen Göttingen am Freitagabend mit 80:87. Der Syntainics MBC muss nun schnellstens wieder zu seiner DNA finden.

„Die Jungs müssen jetzt anfangen zu kämpfen. Sie müssen die MBC-Tugenden zurück bekommen. Wir haben meistens Spiele gewonnen, in denen wir weniger als 90 Punkte zugelassen haben“, fordert Silvano Poropat. Und er fügt hinzu: „Was wir jetzt tun können? Man kann trainieren, man kann sich aber auch an die eigene Nase fassen und sich sagen, Hey, ich bin hier in Weißenfels und die Tugenden in Weißenfels sind Kampf und Zusammenhalt und nicht schön spielen. Spielereien gehören nicht zu Weißenfels. Jeder Spieler muss sich jetzt hinterfragen. Wir müssen zu unseren Tugenden zurückkehren und anfangen, zu beißen.“

Die Sätze des Silvano Poropat werden in der Kabine sicher angekommen sein. Auch die erste Trainingseinheit nach dem Spiel wird er nochmals zur ausführlichen Analyse nutzen. Doch es liegt jetzt allein an der Mannschaft, eine Reaktion auf die Niederlagen zu zeigen. Gelingt ihnen das, wird die Pleite gegen Ulm schnell vergessen sein. Wenn nicht, dürften auf die Spieler ungemütliche Wochen warten. (mz)

David Brembly (2.v.l.) überzeugte gegen Ulm mit 22 Punkten.
David Brembly (2.v.l.) überzeugte gegen Ulm mit 22 Punkten.
Imago/Eibner