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Start der Tour de France Start der Tour de France: Bora-hansgrohe mit Peter Sagan auf Rekordjagd

Von Martin Henkel 05.07.2019, 07:25
Sprintstar Peter Sagan (r.) hat mit dem deutschen Team Bora-hansgrohe viel vor bei der Tour de France.
Sprintstar Peter Sagan (r.) hat mit dem deutschen Team Bora-hansgrohe viel vor bei der Tour de France. AFP

Leipzig - Aufgeregt? „Nein“, sagt Ralph Denk und zählt in Gedanken die letzten Jahre durch, an denen er an der Tour de France teilgenommen hat. Er kommt auf sechs. Routine also. „Alles ist gut und entspannt.“

Denk (45) ist Teamchef des deutschen Rennstalls Bora-hansgrohe. Den Druck, spätestens bei den Alpenüberquerungen über die legendären Gipfel Col d’Izoard, Col du Galibier und dem Col d’Iseran im Rampenlicht zu fahren, haben andere. „Ineos“ etwa. Das englische Team geht mit Vorjahressieger Geraint Thomas (33) an den Start und schickt zudem Tour-de-Suisse-Sieger Egan Bernal (22) ins Rennen, von dem Denk meint, er sei besser in Form als der Waliser: „Der Kolumbianer ist der Gejagte.“

Tour de France: Team Bora-hansgrohe setzt auf Sprinter

Denk hat deshalb keinen Puls über 60. Bei Bora-hansgrohe fährt niemand, der für das Gelbe Trikot in Frage kommt, was ohnehin keine deutsche Spezialität mehr ist, seit der einzige Tour-Sieger Jan Ullrich 2007 wegen Dopingverdachts seine Karriere beendete. Die Anfälligkeit der Gesamtklassement-Fahrer für die Einnahme und Anwendung unerlaubter Mittel hat der Spezies hierzulande weitgehend den Garaus gemacht. Andreas Klöden, früher Ullrichs Edelhelfer und nachweislich ebenso gedopt, war der Letzte, der 2006 aufs Podium fuhr. Er wurde Zweiter.

Bora-hansgrohe setzt aus diesem Grund vornehmlich auf Sprinter und Eintagesfahrer. Und mit denen ist das oberbayerische Team bestens ausgestattet. Allen voran mit Peter Sagan. Der 29-jährige Slowake ist der unumstrittene Kapitän des Teams: dreifacher Weltmeister, Gewinner von Paris-Roubaix und der Flandernrundfahrt sowie elffacher Etappensieger und sechsfacher Träger des Grünen Trikots für den sprintbesten Fahrer bei der Tour.

„Dass Peter sein siebtes Trikot gewinnt“, sagt Denk im Gespräch mit der MZ, „ist unser Hauptziel.“ Der mit kolportierten vier Millionen Euro Jahresgehalt bestbezahlte Fahrer im Team würde damit „ein Novum“ schaffen. Sieben Mal, so oft hat das Maillot vert noch kein Fahrer in der Geschichte der Tour gewonnen. Der Deutsche Erik Zabel war der letzte, der dem Rekord nahekam. Mehr als sechs schaffte der heute 48-Jährige aber auch nicht.

Maximilian Schachmann soll auf Tagessieg-Jagd gehen

Ansonsten fährt Bora-hansgrohe auf Tagessiege. Dafür will Denk den Deutschen Meister Maximilian Schachmann ab und zu von der Leine lassen. Der 25 Jahre alte Berliner ist eigentlich als Helfer vorgesehen. „Aber Peter braucht keine klassische Sprintvorbereitung“ mit vielen Anfahrern. Schachmann darf deshalb „bei mittelschweren Etappen sein Glück versuchen“.

Damit hat es sich. Zumindest trifft das auf die Erwartungen an Tagessiegen zu. So ganz kann aber auch Denk die Tour nicht angehen, ohne das Gesamtklassement im Blick zu haben. Emanuel Buchmann würde er mindestens gern unter den besten Zehn sehen. Der 26-Jährige ist eigentlich Kletterspezialist, sein Teamchef hat ihn aber peu a peu umfunktioniert und mit dessen dritten Platz bei der Dauphiné Liberé, die den Fahrern neben der Tour de Suisse traditionell als Vorbereitungsrennen dient, sieht sich der Teamchef bestätigt, dass Buchmann mehr kann, als nur Serpentinen hochspurten.

Der Ravensburger schultert Denks Hoffnungen allerdings nicht allein. Auch Österreichs Meister Patrick Konrad fährt aufs Gesamtklassement. Der 27-Jährige war Dritter bei der Schweiz-Rundfahrt und 2018 Siebter beim Giro d’Italia. Konrad also oder Buchmann - Denk lässt offen, wer frei fahren darf und wer wen unterstützen muss. „Beide sind gleichstark. Wir müssen schauen, wie sich das Rennen entwickelt.“

Chris Froome verpasst die Tour de France

Dass einer der beiden aufs Podium fährt, glaubt er freilich nicht. Aber man weiß ja nie. Der vierfache Tour-Sieger Chris Froome ist nach einem schweren Trainingssturz erst gar nicht dabei und Thomas, der die Tour de Suisse wegen eines Sturzes vorzeitig verließ, nicht in bester Form. Macht vielleicht schon mal minus Zwei. „Und mehr als zehn Fahrer“, so Denk, fahren nicht um den Gesamtsieg mit.

Für den deutschen Rennstall, der sich mit seinen Frühjahrssiegen und dem Gewinn des Punktetrikots beim Giro durch Pascal Ackermann hinter Deceuninck-Quick-Step zum zweitbesten Team des Jahres entwickelt hat, ist die Tour deshalb auch die Möglichkeit, erstmals auszutesten, ob es sich lohnt, die teaminternen Prioritäten in Zukunft zu verschieben. Denn eines, so Denk, ist klar: „Der Ritterschlag im Radsport ist immer noch, in Gelb nach Paris zu fahren.“ (mz)