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Ski Alpin Zweiter Coup von Ski-Juwel Aicher: Nun Jagd auf Kristall

Emma Aicher bleibt auch nach den Winterspielen in Topform. In Andorra deklassiert sie die Konkurrenz und legt tags darauf noch ein Podest nach. Holt sie nach zwei Olympia-Medaillen auch Kristall?

Von Manuel Schwarz, dpa Aktualisiert: 01.03.2026, 13:57
Emma Aicher jubelt über Platz zwei im zweiten Super-G von Soldeu.
Emma Aicher jubelt über Platz zwei im zweiten Super-G von Soldeu. Marco Trovati/AP/dpa

Soldeu - Emma Aicher grinste breit und ließ sich erneut auf Schultern tragen. Ihren zweiten Platz im Super-G von Soldeu feierte die derzeit so famose deutsche Skirennfahrerin fast wie den Triumph nur 24 Stunden zuvor an selber Stelle. „Das war ein sehr gutes Wochenende“, resümierte die 22-Jährige in Andorra. 

So pfeilschnell Aicher aktuell die Skipisten hinunterrast, so zurückhaltend gibt sich die zweimalige Olympia-Silbermedaillengewinnerin in Interviews. Dabei zeigt sie wie noch nie zuvor ihre Topform und vor allem ihr beeindruckendes Potenzial als größte Alpin-Hoffnungsträgerin Deutschlands.

Beflügelt von den beiden OIympia-Plaketten aus Norditalien ist Aicher endgültig in die Weltspitze vorgestoßen. Die zwei Super-G in Soldeu waren Statements: Jeweils fast eine Sekunde Vorsprung fuhr Aicher am Samstag auf die zweitplatzierte Alice Robinson aus Neuseeland und die Schweizerin Corinne Suter heraus. Tags darauf war nur Siegerin Sofia Goggia aus Italien etwas schneller als die Deutsche (+0,24 Sekunden). Dritte wurde Kajsa Vickhoff Lie aus Norwegen.

Keine verbalen Muskelspiele

Dass Aicher selbst nach derart dominanten Vorstellungen wie am Samstag auch verbal nicht die Muskeln spielen lässt, ist typisch für die Tochter eines Deutschen und einer Schwedin. „Ich finde jetzt nicht, dass es voll durchgezogen war“, sagte sie in der ARD. „Ich habe mir während der Fahrt gedacht: Ein bisschen konsequenter fahren! Aber vielleicht hat es ja ganz gut gepasst.“ Aicher konzentriert sich auf das Skifahren - forsche Ansagen sind nicht ihr Ding. Am Freitag in der Abfahrt war sie Vierte geworden.

Bevor es aus den Pyrenäen heim ging, brüllte Aicher also gleich zweimal auf den Schultern von Betreuern ihre Freude in die Kamera, mit Ski und Schampusflasche in der Hand. Auch die Teamkolleginnen Kira Weidle-Winkelmann - die am Samstag Siebte und am Sonntag wegen eines großen Fehlers 14. geworden war - und Fabiana Doriga jubelten mit. 

Aicher steht nun bei fünf Weltcup-Siegen, drei davon gelangen allein in diesem Winter. Insgesamt raste sie in der Saison siebenmal unter die Top drei im Weltcup - in drei verschiedenen Disziplinen. Bei den Olympischen Winterspielen in Cortina holte das deutsche Ski-Juwel Silber sowohl in der Abfahrt als auch in der Team-Kombination an der Seite Weidle-Winkelmann. Derartige Erfolge führen zwangsläufig zur Frage, wann Aicher den Gesamtweltcup angreift. 

Showdown um Kristallkugel?

Vorerst nimmt sie eine kleine Kristallkugel ins Visier, die es traditionell für die Jahresbesten in den Disziplinwertungen gibt. Goggias Sieg sorgte zwar dafür, dass die Chancen auf einen Aicher-Coup im Super-G nur noch klein sind. Bei noch zwei ausstehenden Rennen liegt die Deutsche als Drittplatzierte 116 Zähler hinter der führenden Goggia. Dazwischen rangiert noch Robinson.

In der Abfahrt aber hat Aicher gute Chancen auf den Kristall-Gewinn. Sie liegt dort als Zweitplatzierte zwar 94 Zähler hinter Lindsey Vonn. Die führende Amerikanerin aber kann nach der schweren Unterschenkel- und Knieverletzung von Olympia in diesem Winter kein Rennen mehr bestreiten.