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Schwerer Sturz beim Giro „Wie ein Halbschlaf“: Radprofi beschreibt Nahtoderfahrung

Drei Monate im Rollstuhl, Blutklumpen in der Lunge und eine Dopingkontrolle: Radprofi Juri Hollmann redet erstmals über seinen Überlebenskampf nach seinem Sturz beim Giro.

Von dpa 01.03.2026, 13:20
Juri Hollmann (l) im Trikot seines früheren Teams Movistar. (Archivbild)
Juri Hollmann (l) im Trikot seines früheren Teams Movistar. (Archivbild) David Pintens/Belga/dpa

Köln - Der im vergangenen Mai schwer gestürzte Radprofi Juri Hollmann hat erstmals detailliert über seinen Leidensweg gesprochen und von Nahtoderfahrungen berichtet. Der 26-Jährige war auf der sechsten Etappe des Giro d'Italia mit fast 70 km/h ungebremst mit einem Straßenschild kollidiert. „Die Wahrscheinlichkeit, dass zu überleben ist nicht so hoch. Also habe ich das Schild ziemlich gut getroffen. Man kann von Glück im Unglück reden“, sagte Hollmann im Gespräch mit Ex-Profi Rick Zabel.

Hollmann erlitt einen Armbruch und einen Trümmerbruch des Beckens. „Die Vermutung der Ärzte ist, dass ich mit dem Oberschenkel gegen das Schild bin und der Oberschenkelknochen in das Becken rein ist und es gesprengt hat“, sagte Hollmann. Er wachte erst im Krankenhaus von Neapel auf, wurde zügig mit einem Privatjet in eine Spezialklinik ins belgische Herentals gebracht.

Lunge mit Blutklumpen zu

Dort wurde zunächst der deformierte Arm operiert. Einen Tag später erlitt Hollmann aufgrund einer Thrombose eine Lungenembolie, musste per Nottransfer ins Uniklinikum Antwerpen. „Blutklumpen hatten die ganze Lunge zugesetzt. Das war ganz schön knapp“, sagte der Berliner.

Hollmann berichtete, dass die Operationen dort nicht unter Vollnarkose durchgeführt wurden. „Das Verrückte war, dass ich den Schmerz, den ich gespürt habe, von mir wegfahren konnte. Es war wie ein Halbschlaf“, sagte Hollmann. Im späteren Gespräch mit Therapeuten erfuhr der Radprofi, dass dies wohl eine klassische Nahtoderfahrung war. „Diese Wärme zu spüren, obwohl man Schmerzen hat, ist sehr typisch dafür.“

Dopingkontrolle im Rollstuhl

Erst nach überstandener Embolie konnte das zertrümmerte Becken operiert werden. Vier Platten und 24 Schrauben waren zur Rekonstruktion notwendig. Fünf Wochen lag Hollmann in Belgien, danach acht Wochen in der Reha in Berlin. In der Anfangszeit durfte er sich nicht bewegen, insgesamt saß er drei Monate im Rollstuhl. „Der Arzt meinte, ich müsse mich gedulden. Mein Bein war nervlich tot“, erinnerte sich Hollmann.

Trotzdem stand in der Reha etwa sechs Wochen nach dem Unfall plötzlich ein Dopingkontrolleur vor der Tür. „Ich habe über drei Liter Blut verloren bei der Becken-OP, ich war in Belgien dauerhaft mit einer Morphinpumpe unterwegs. Ich weiß nicht, was ich alles bekommen habe. Die Dopingkontrolle muss dreifach positive gewesen sein“, sagte Hollmann. In solchen Fällen gelten für Sportler Ausnahmeregeln. Hollmann hatte Mitleid mit dem Kontrolleur: „Der macht nur seinen Job, für ihn war es extrem unangenehm.“

Noch immer kämpft Hollmann um eine Rückkehr als Profi. Aktuell dürfe er aufgrund der Nervenschäden nur maximal zwei Stunden auf dem Rad sitzen. „Wenn ich allerdings vollständig gesund werde und es trotzdem nicht zurückgeschafft habe, bin ich trotzdem happy“, sagte Hollmann.