Formel 1 Piastri-Triumph in Zandvoorts Dünen vor Verstappen
Auch nach der Formel-1-Sommerpause ist McLaren zu stark für Max Verstappen. Beim Heimspiel in den Niederlanden holt der Weltmeister noch das Maximum raus. Der Sieg geht an Oscar Piastri.

Zandvoort - Oscar Piastri breitete die Arme aus und genoss für einen kurzen Moment in vollen Zügen den wichtigen Sieg auf dem Dünenkurs von Zandvoort. Im Kampf um seinen ersten WM-Triumph in der Formel 1 machte der 24 Jahre alte Australier mit seinem siebten Saisonerfolg und einem Wiederbeginn nach Maß nach der Sommerpause einen großen Schritt.
„Ich habe das Rennen kontrolliert, wenn ich musste“, sagte Piastri: „Mit einem Sieg wieder anzufangen ist super.“ Derartige Glückseligkeit machte sich bei Teamkollege Lando Norris nicht breit. Untröstlich saß der 25 Jahre alte Brite neben der Strecke.
Statt zumindest als Zweiter den nächsten Doppelerfolg von McLaren auf dem Podium zu feiern, kam Norris nicht mal ins Ziel. Sieben Runden vor dem Ende rauchte es aus seinem Wagen - ein Öl-Leck stoppe den WM-Verfolger. 34 Punkte hat er nun weniger als Piastri auf dem Konto. „Wenn ich deswegen die WM verliere, dann wäre das hart. Das war einfach nicht mein Wochenende“, sagte Norris bei Sky.
Ein Neuling sorgt für eine Überrschung
Die großen Profiteure des Norris-Pechs in Zandvoort hießen Max Verstappen und Isack Hadjar. Verstappen rettete im Red Bull Platz zwei. „Es ist ein großartiges Ergebnis, hier auf dem Podium zu stehen“, sagte der viermalige Champion, gab aber auch zu: „Wir hatten etwas Glück, dass einer ausfiel.“
Hadjar schaffte es in seinem Rookie-Jahr aufs Podest. Zu den ersten Gratulanten gehörte auch Piastri. „Es fühlt sich ein bisschen unwirklich an“, sagte der 20 Jahre alte Franzose. „Das ganze Team feiert, lacht, weint vor Freude“, sagte Teamchef Peter Bayer von Red Bulls zweitem Team Racing Bulls.
So sind nun die Chancen für einen erneuten Verstappen-Triumph
Titelverteidiger Verstappen wartet seit mehr als drei Monaten auf einen Sieg. WM-Triumph Nummer fünf in Serie ist für den 27 Jahren alten Niederländer Piastri längst unwahrscheinlich geworden. Bei neun ausstehen Saisonläufen liegt der einstige Dauersieger 104 Punkte hinter Piastri. Auch Norris verlor vor dem Grand Prix in einer Woche im italienischen Monza weitere Zähler.
Vor zehntausenden Landsleuten riskierte Verstappen am Start alles. Als einziger der Top Ten legte er mit den weicheren Soft-Reifen los und wollte auf den 161 Metern bis zur ersten Kurve unbedingt am McLaren-Duo vorbei. Nach einem wilden Angriff inklusive kleinem Ausrutscher schnappte er sich kurz danach zumindest Norris und vermied dabei gerade so einen Abflug.
Piastri behielt die Spitzenposition und enteilte Verstappen schnell, dahinter wiederum verlor Norris auf dem spektakulären Dünenkurs an der Nordsee kurzzeitig an Boden auf den viermaligen Champion. Norris hatte im Vorjahr in den Niederlanden gewonnen, Verstappen die drei Jahre zuvor. Was sie eint: Die Grand-Prix-Triumphe auf der engen Piste unweit von Amsterdam gelangen ihnen jeweils von der Pole Position.
McLaren schon wieder „in einer eigenen Welt“
In der neunten von 72 Runden überholte Norris Verstappen recht mühelos und stellte die Startreihenfolge wieder her. Schon in den Tagen zuvor hatte McLaren im ersten Rennen nach der dreiwöchigen Sommerpause den besten Eindruck hinterlassen. „Sie fahren in einer eigenen Welt“, sagte Sky-Experte Ralf Schumacher früh im Rennen.
Fehlerlos spulte Piastri an der Spitze sein Programm ab, als langsam nur leichter Regen einsetzte. Die Sorge vor dem Start war groß, dass nasse Bedingungen für Chaos sorgen könnten. Ohnehin war es durch recht starken Wind schon schwierig zu fahren, allerdings hielt sich der Niederschlag sehr in Grenzen.
Hamilton kracht nach Fahrfehler in die Bande
Trotzdem verlor Lewis Hamilton in der 24. Runde die Kontrolle, krachte nach einer Steilkurve in die Begrenzung und konnte nicht mehr weiterfahren. „Tut mir leid, Jungs“, funkte der 40-jährige Brite an sein Team. Der Rekordweltmeister schied erstmals seit seinem Wechsel von Mercedes im Auto der Scuderia vorzeitig aus. Die folgende Safety-Car-Phase nutzte die Konkurrenz für einen problemlosen Reifenwechsel, das Feld rückte zudem wieder dicht zusammen.
Nach dem Re-Start änderte sich an der Spitze nichts. Piastri verwaltete mühelos die Führung vor Norris, Verstappen kam weiter nicht näher heran und musste von hinten keine große Gefahr fürchten. Dafür schlitzte Carlos Sainz im Williams seinem Kontrahenten Liam Lawson den Reifen auf und ruinierte sich zudem noch sein eigenes Rennen. Beide fielen ans Ende des Feldes zurück, Sainz bekam sogar noch eine Zehn-Sekunden-Strafe.
Auch der zweite Ferrari scheidet aus
Während auch im Mittelfeld hart um die Plätze gekämpft wurde, herrschte ganz vorn Langeweile. Der 24 Jahre alte Piastri behauptete seinen Vorsprung mit etwas mehr als einer Sekunde, gute zehn Sekunden dahinter folgte Verstappen. Auch der zweite Reifenwechsel brachte keine Spannung, weil die nächste Safety-Car-Phase dafür genutzt werden konnte.
Charles Leclerc im Ferrari und Kimi Antonelli im Mercedes kollidierten, auch für Leclerc war der Grand Prix vorbei. Der Fehler lag beim 19 Jahre alten Antonelli, Ferrari brachte eine Woche vor dem Heimspiel kein Auto ins Ziel. Beim anschließenden Re-Start wollte Verstappen Norris attackieren, scheiterte jedoch und musste die WM-Führenden ziehen lassen. Doch dann rauchte es im Wagen von Norris und der Grand Prix nahm noch einmal eine Entscheidung mit Einfluss auf den WM-Kampf, während weiter hinten Nico Hülkenberg im Sauber als 14. ins Ziel kam.