RBL-Sportdirektor wird 60

RBL-Sportdirektor wird 60: Ralf Rangnick: Konsequenter denn je

Leipzig - Ralf Rangnick steht der Sinn nicht nach einer großen Feier. Seinen 60. Geburtstag an diesem Freitag feiert RB Leipzigs Sportdirektor in kleinem Kreis. Mit seinen Söhnen und seinen betagten Eltern begeht Rangnick den runden Geburtstag in seiner schwäbischen Heimat ...

Von Ullrich Kroemer
Ralf Rangnick treibt die Planungen bei RB Leipzig im Stillen voran. dpa-Zentralbild

Ralf Rangnick steht der Sinn nicht nach einer großen Feier. Seinen 60. Geburtstag an diesem Freitag feiert RB Leipzigs Sportdirektor in kleinem Kreis. Mit seinen Söhnen und seinen betagten Eltern begeht Rangnick den runden Geburtstag in seiner schwäbischen Heimat Backnang.

Dass er den Tag anders als seinen 50. Geburtstag, den er mit 160 Gästen in einem Biergarten feierte, eher zurückgezogen verlebt, passt auch zu den vergangenen Wochen, in denen sich der Manager komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hat. Seit sechs Wochen - dem Sonntag vor der Trennung von Ex-Trainer Ralph Hasenhüttl - hat der sonst sendungsbewusste Manager kein Interview mehr gegeben.

Zum einen, weil die Klubspitze und Hasenhüttl Stillschweigen vereinbart haben. Zum anderen brauchte Rangnick jede Ressource, um seinen Wunschtrainer Julian Nagelsmann zu verpflichten. Angesichts der Konkurrenz, die um den Trainer-Jungstar buhlte, eine der größten Leistungen in Rangnicks langer Karriere überhaupt.

RB Leipzig: Trainerlösung nächste Woche

Sein Schweigen wird der studierte Pädagoge nach Lage der Dinge spätestens Ende nächster Woche brechen. Rund um die am 5. Juli beginnenden Leistungstests will er vorstellen, mit welchem Trainer das Team in das schwere Übergangsjahr gehen wird.

An den personellen Überlegungen hat sich nichts geändert: Entweder übernimmt Rangnick wie bereits 2015 unterstützt von Nachwuchstrainern aus dem Verein für ein Jahr selbst. Oder der New Yorker Jesse Marsch lässt sich überzeugen. Noch ist laut MZ-Informationen keine Entscheidung gefallen.

Und auch in Sachen Spielertransfers arbeitet Rangnick weiter auf Hochtouren. In Zusammenarbeit mit dem neuen Scoutingchef Paul Mitchell hat Rangnick entgegen des Trends, im WM-Jahr spät einzukaufen, bereits drei Spieler nach Leipzig geholt, die beispielhaft für Rangnicks riskante und visionäre Transferpolitik stehen.

RB Leipzig: Rangnick setzt weiter auf riskante und visionäre Transfers

Nach dem französischen Innenverteidiger Nordi Mukiele und dem linken Abwehrmann Marcelo Saracchi (Uruguay) verpflichtete er im Mallorca-Arbeitsurlaub den Brasilianer Matheus Cunha (19). Der Stürmer, der vom FC Sion kommt, ist ein Rohdiamant. Vom richtigen Schleifer bearbeitet, könnte er seinen Marktwert von derzeit 15 Millionen Euro Ablöse bald vervielfachen.

Bei seiner ersten Station in Europa - zugleich seine erste Saison im Männerbereich - erzielte Cunha bereits zehn Tore in der Schweizer Liga und gab acht Vorlagen. „Es war ein immenses Glück“, sagte Cunha brasilianischen Medien über seinen Traumeinstand in Sion. „Die Dinge passieren viel schneller, als ich mir das vorgestellt habe. Ich konnte mich sehr schnell anpassen und bin sehr glücklich und stolz darüber.“

Genauso schnell will er nun das Spielsystem bei RB erlernen, um „mit meinen Qualitäten auch in der Bundesliga zu bestehen“. Davon hat Cunha jede Menge: Wer sich Bewegtbilder von Toren des Mannes aus João Pessoa an der Atlantikküste anschaut, ahnt, wie komplett Cunhas Spiel einmal werden könnte.

Der gerade für das brasilianische U-20-Nationalteam Berufene kann mit rechts ebenso wuchtig abziehen wie in Arjen-Robben-Manier nach innen ziehen und mit links vollenden. Dribbelstärke und technisches Vermögen sind ihm als Brasilianer in die Wiege gelegt; doch das Talent hat auch erstaunlich gute Anlagen im Kopfballspiel.

Keita-Nachfolge bei RBL weiter offen

Insgesamt 42 Millionen hat Rangnick für das Talente-Trio bereits ausgegeben - aktuell mehr als jeder andere Bundesligist. Um die 20 Millionen kann er wohl noch investieren, wenn der Brasilianer Bernardo und der zuletzt verliehene Massimo Bruno noch verkauft werden.

Das ist dringend nötig, denn noch hat Rangnick keinen Ersatz für Spielmacher Naby Keita gefunden. Amadou Haidara, der dazu auserkoren war, entschied sich für einen Verbleib in Salzburg. Nach MZ-Informationen wird es wohl noch einige Wochen in Anspruch nehmen, einen Nachfolger zu finden. Konkreter ist das Interesse an Ademola Lookman, dessen Kauf Rangnick nach wie vor forciert.

Generell setzt Rangnick in dieser Transferperiode konsequenter denn je auf die RB-Philosophie, junge, hungrige Spieler zu verpflichten, die gerade ihren zweiten Profivertrag unterschreiben. Das tut auch dem Gehaltsbudget gut. Mit etwa 65 Millionen Euro - Spitzenverdiener bekommen bis zu fünf Millionen - bewegt sich RB zwar im ersten Drittel der Liga, aber Welten entfernt von den Gehaltskrösussen Dortmund und München, die das Doppelte und Dreifache bezahlen. Die Weichen sind also gestellt, auch für den Fall, dass sich Rangnick in dieser Saison erneut selbst auf die Trainerbank setzt.

(mz)