China-Besuch bei RB Leipzig

RB Leipzig will chinesische Investoren anlocken - auch Angela Merkel hilft mit

Leipzig - Auch RBL will vom boomenden chinesischen Fußballmarkt profitieren. Sogar die Kanzlerin hilft mit.

Von Ullrich Kroemer 09.12.2016, 18:47

Die Trainingszentren von Fußball-Bundesligisten sind normalerweise gut abgeschirmt. Doch für besondere Gäste öffnete RB Leipzig auch die Türen seiner hochmodernen und etwa 35 Millionen Euro teuren Schaltzentrale. So durfte am Donnerstag eine 18-köpfige Delegation aus China die Vorzeige-Akademie am Cottaweg genau begutachten. Klubvertreter der Chinese Super League sowie der chinesische Ligachef waren eigens nach Deutschland gereist, auch um Kontakte zum Bundesliga-Spitzenreiter zu knüpfen.

Hintergrund: Vor zwei Wochen hatten Deutscher Fußball-Bund (DFB) und Ligaverband DFL mit dem chinesischen Verband eine Kooperation bis 2021 unterzeichnet. Dass die Vereinbarung im Bundeskanzleramt im Beisein von Kanzlerin Angela Merkel getroffen wurde, deutet auf den Stellenwert hin, den beide Länder der Zusammenarbeit beimessen.

DFB unterstützt WM-Bewerbung Chinas

Seit 2014 unterstützt die chinesische Regierung unter Staatspräsident Xi Jinping die den Fußball-Vormarsch Chinas. Fußball soll die Sportart Nummer eins werden, auch als Symbol der Annäherung an den Westen. Bereits aktuell soll es 170 Millionen Fußballbegeisterte im 1,37-Milliarden-Einwohner-Land geben. 25 Millionen Chinesen kicken laut Fifa-Statistik selbst aktiv. Im Jahr 2030 will China die Weltmeisterschaft ausrichten; der DFB sagte jüngst seine Unterstützung zu.

Um den Sport zu fördern, erhoffen sich die Chinesen Know-How aus Deutschland. Die Deutschen wiederum wollen von den Millionen aus China profitieren. Denn in anderen europäischen Topligen sind chinesische Investoren bereits präsent. Die milliardenschwere Wanda-Gruppe hat nicht nur für 1,2 Milliarden Dollar die Schweizer Sportrechte-Agentur Infront übernommen, sondern hält auch 20 Prozent am spanischen Topklub Atletico Madrid. Die englische Premier League erhält ab 2019 600 Millionen Euro vom chinesischen Fernseh-Verbund.

Riesenmarkt an Talenten für Europas Fußball

Zudem kündigte der chinesische Ligaverband an, massiv in den Nachwuchs zu investieren – ein potenzieller Riesenmarkt. „Dies impliziert perspektivisch gesehen ein großes Potenzial an jungen und talentierten Fußballspielern, die dann natürlich auch für den europäischen Markt interessant werden könnten”, sagt RB Leipzigs Chef Oliver Mintzlaff der MZ.

So unterhalten gleich mehrere deutsche Erstligisten gute Beziehungen in das Riesenreich. Hamburger SV und 1. FC Köln haben bereits Kooperationsklubs in Chinas 1. Liga; Leverkusen installiert gerade ein deutsch-chinesisches Nachwuchszentrum. Und genau wie Borussia Dortmund und Bayern München, die eigene Büros in Asien haben, forciert auch der FC Schalke das China-Geschäft. Wie bereits in diesem Sommer gehen die „Königsblauen” auch 2017 wieder auf Marketingreise nach Fernost.

RBL-Chef Mintzlaff: Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen

Und RB Leipzig? Benötigt dringend externe Millionen, um finanziell unabhängiger von Investor Red Bull zu werden. Der chinesische Markt kommt da wie gerufen. „Auf der Suche nach Investoren sind wir sicherlich nicht”, sagt Mintzlaff. „Aber wir können uns natürlich Kooperationen und Partnerschaften in verschiedensten Konstellationen mit chinesischen Unternehmen vorstellen.” Nach dem ersten Kennenlernen am Donnerstag könnte die Zusammenarbeit mit einem chinesischen Partnerklub der nächste Schritt sein. Und ein eigener Red-Bull-Klub in China? „Eine Red-Bull-Fußball-Dependenz ist dort natürlich nicht angedacht”, sagt Mintzlaff. (mz)