Aussagen des RB-Stars

RB Leipzig: Wie Emil Forsberg versucht, seinen Vertrag aufzuweichen

Halle (Saale) - Emil Forsberg hat einen langfristigen Vertrag bei RB Leipzig. Doch bauen der Schwede und sein Berater Druck auf.

Von Martin Henkel 09.06.2017, 11:00
Emil Forsberg fiel bei seinem Besuch in Schweden nicht nur optisch auf. Der RB-Offensive ist inzwischen der Star seiner Nationalmannschaft.
Emil Forsberg fiel bei seinem Besuch in Schweden nicht nur optisch auf. Der RB-Offensive ist inzwischen der Star seiner Nationalmannschaft. imago sportfotodienst

Emil Forsberg war neulich in der Heimat. Zwei Tage nach dem letzten Saisonspiel mit RB Leipzig flog der Schwede heim nach Sundsvall und setzte sich zum Heimspiel gegen IFK Göteborg auf die Tribüne. In einer Gucci-Jacke für 35 000 Kronen (3 500 Euro), die mit ihren Gold-Prints Licht in das 0:4 brachte - und alle anderen Themen ebenfalls in den Schatten stellte.

Natürlich ging die Jacke viral. Begleitet wurden die Internetpostings von der Frage, ob Emil Forsberg sich nicht nur geografisch aus Västernorrland fortbewegt habe. Jeder in Sundsvall kennt die RB-Geschichte der vergangenen Saison. Aufsteiger, Neuling – und aus dem Stand Vizemeisterschaft und Champions-League-Qualifikation. Mit Forsberg im linken Mittelfeld, der einen neuen deutschen Vorlagenrekord aufgestellt hat. 22 servierte Bälle für 22 Tore - phänomenal! Aber hat er danach die Bodenhaftung verloren?

RB Leipzig: Was ist der langfristige Vertrag mit Emil Forsberg wert?

„Komisch, dass meine Jacke so viel Aufmerksamkeit erzeugt hat“, bemerkte Forsberg später. „Ich trage eine andere Jacke und gleich denken alle, ich bin jetzt der Superstar. Das ist lächerlich, ich bin der gleiche alte Emil, der ich immer gewesen bin.“

Das allerdings steht gerade mehr denn je zur Disposition. Nicht nur, weil Forsberg nach dem Rücktritt von Zlatan Ibrahimovic jetzt der große Star im kleinen Nationalteam ist, das an diesem Freitag Frankreich in der WM-Qualifikation zum Duell um die Tabellenführung in Gruppe A empfängt. Sondern, weil der 25-Jährige in Leipzig einen Arbeitsvertrag besitzt - und zwar wie Sportdirektor Ralf Rangnick betonte, mit der längst möglichen Laufzeit von fünf Jahren. Und trotzdem aktuell in jedes schwedische Mikrofon spricht, dass er diesen Vertrag keineswegs als bindend betrachte.

Emil Forsberg: RB Leipzig will keine Stars abgeben

Noch im Winter nach der jüngsten Vertragsverlängerung hatte Forsberg bekräftigt: „Ich bleibe auch nächste Saison hier. Aktuell kann ich mir keinen besseren Verein vorstellen.“ Anfang der Woche klang das so: „Im Fußball kann alles passieren. Das kann eine interessante Transferperiode werden.“

Das so zu sehen, ist nachvollziehbar. Aber genauso erstaunlich, denn nur einen Tag vor Forsbergs Gucci-Auftritt hatte Rangnick eigentlich ein „sehr persönliches Gespräch“ mit dem Topscorer geführt. Man habe dabei, so der Sportdirektor, „auch über seine Karrierefortschritte und seine Weiterentwicklung“ gesprochen. „Er kennt also meine und die Haltung des Vereins sehr genau.“ Und die sieht vor: „Dass wir den Kader zusammenhalten. Wir geben keinen Stammspieler ab. Definitiv nicht.“

Emil Forsberg: Berater Hasan Cetinkaya baut Druck auf

Damit war eigentlich alles gesagt. Forsberg hält das Transfer-Nein seines Arbeitgebers offenkundig aber für ein taktisches Manöver in einem offenen Verfahren, weshalb er gegenüber schwedischen TV-Journalisten am Dienstag meinte: „Das macht Ralf in jeder Transferperiode so. Das ist sein Job.“ Ergo: „Ich werde mich mit meinem Berater zusammensetzen. Dann werden wir sehen.“

Das also ist der Sachstand. Der Verein sagt: Hiergeblieben! Der Schwede meint: Wirklich? Sein Bekenntnis aus dem Winter nämlich hätte er längst schon bekräftigen können. Stattdessen lässt Forsberg seinen Berater Hasan Cetinkaya Druck aufbauen. Der schwedische Agent bezeichnete Rangnick zwar unlängst als „Ehrenmann“, der in der Causa seines Klienten natürlich das letzte Wort habe. „Er entscheidet Emils Zukunft.“ Viel drauf geben aber müssen sie am Cottaweg nicht.

Forsberg-Berater Cetinkaya: „Vielleicht ist es an der Zeit, einen großen Klub zu testen“

Cetinkaya sagte vergangene Woche der Tageszeitung Aftonbladet: „Emil ist der König der Bundesliga“, aber eben schon 25. Viel Zeit für das große Geld, so Cetinkayas Argument, bleibe deshalb nicht mehr. Also „werden wir reden müssen“, was angesichts der Gehaltspolitik bei RB vermutlich nicht viel bringen wird. Oder eben gehen müssen. „Vielleicht ist es an der Zeit“, so Cetinkaya, „einen großen Klub zu testen.“

Klubs wie Arsenal, Liverpool, Turin, Rom, Milan. „Ich nenne keine Namen“, fügte Cetinkaya hinzu, in Leipzig kann man allerdings ruhig von der Gucci-Jacke auf den künftigen Arbeitgeber schließen. Dass Forsberg jedenfalls noch lange in der Glamour-Provinz Leipzig bleibt, darauf sollte man besser keine 35 000 Kronen setzen.

(mz )