Champions-League-Lizenzierung

RB Leipzig: Uefa prüft Zulassung zur Champions League erst ab Mitte Juni

Leipzig - Die Entscheidung der Uefa über die Lizenzierung von RB Leipzig für die Champions League wird später fallen als zunächst angenommen.

Von Ullrich Kroemer
Am 24. August wird in Monaco die Champions-League-Gruppenphase ausgelost - auch RB Leipzig will dann im Lostopf mit dabei sein.
Am 24. August wird in Monaco die Champions-League-Gruppenphase ausgelost - auch RB Leipzig will dann im Lostopf mit dabei sein. imago sportfotodienst

Fans von RB Leipzig blicken dieser Tage ebenso wie Experten und Kritiker gespannt nach Nyon, Hauptsitz des europäischen Fußball-Verbandes Uefa. In dem Flachbau aus Glas und Rohbeton direkt am Genfer See wird entschieden, ob beziehungsweise unter welchen Auflagen RB Leipzig für die Champions League lizenziert wird.

Eine Entscheidung darüber wurde bislang bis Mitte Juni erwartet. Doch wie die Uefa nun auf Anfrage der MZ mitteilte, sind die für die Bewertung notwendigen Unterlagen der qualifizierten Klubs von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) noch gar nicht nach Nyon weitergegeben worden.

„Sämtliche Kriterien werden von der Uefa für alle Klubs erst geprüft, sobald wir im Besitz der Anmelde- und sonstigen Unterlagen von den Nationalverbänden und Klubs sind”, teilte der europäische Verband mit. „All diese Informationen erhalten wir jeweils nach dem Saisonabschluss in den einzelnen Ligen (Mitte Juni).” Eine abschließende Entscheidung bei der Klublizenzierung treffe die Uefa dann „ab/nach Mitte Juni”, heißt es auf Nachfrage.

Lizenzierung von RB Leipzig: DFL will sich nicht äußern

Angesichts der Tatsache, dass am 19. Juni bereits die erste und zweite Qualifikationsrunde für die Champions League ausgelost wird, ein ambitionierter Zeitplan. Doch genauer möchten sich Europas Fußball-Regelhüter dazu nicht äußern. Zu konkreten Nachfragen gibt es keine Antwort.

Auch nicht von der DFL. Der Ligaverband prüft in einem aufwändigen Lizenzierungsprozess von Ende Oktober bis Anfang Juni die Tauglichkeit der Klubs auch für die Uefa-Wettbewerbe. Nach Ablauf der am vergangenen Freitag erfolgten endgültigen Lizenzerteilung meldet der Verband die Unterlagen der lizenzierten und für einen internationalen Wettbewerb qualifizierten Klubs an die Uefa. Auf Nachfragen zu Details und Fristen mochte die DFL der MZ fürs Erste keine Auskunft oder Stellungnahme abgeben und verwies auf kommende Woche.

2015 hatte DFL-Lizenzierungsdirektor Werner Möglich gesagt: „Am Ende unseres Lizenzierungsverfahrens melden wir die an Europapokal-Wettbewerben teilnehmenden Klubs an die Uefa. Für diese führt die Uefa ein sogenanntes Klub-Monitoringverfahren durch – dazu gehört das Financial-Fairplay-System."

Lizenzierung von RB Leipzig: Das sind die Regularien der Uefa

Im Champions-League-Reglement der vergangenen Saison ist folgender, weiterer Ablauf festgelegt: Wenn die Unterlagen dann Mitte Juni eingegangen sind, werden bestimmte Fälle „bei Zweifeln hinsichtlich der Erfüllung der definierten Zulassungskriterien” von Uefa-Generalsekretär Theodore Theodiridis an Finanzkontrollkammer und die Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer weitergegeben. Beide Kammern entscheiden dann unabhängig voneinander über die Zulassung.

Auch während des laufenden Wettbewerbs oder nach Ende der Saison darf die Uefa Untersuchungen anstellen und auch nachträglich sanktionieren. Würde ein Verein nicht zugelassen, rückte der nächst beste Klub der nationalen Spielklasse nach. In der Bundesliga wäre das der 1. FC Köln; Hoffenheim wäre direkt für die Champions League qualifiziert. 

Lizenzierung: Nicht-Zulassung von RB Leipzig ist unwahrscheinlich

Gründe für die Zweifel an Leipzigs Lizenzierung für die „Königsklasse” bietet das Red-Bull-Klubkonstrukt. Im Fokus steht die Frage, ob die Salzburger Fußballfiliale mittlerweile nach Uefa-Regeln tatsächlich personell und inhaltlich unabhängig von der Leipziger Dependance arbeitet sowie Red Bull keinen „maßgeblichen Einfluss” auf zwei Klubs ausübt (Integrität des Wettbewerbs).

Maßgeblich dafür ist unter anderem, ob Red Bull in Salzburg noch zu mehr als 30 Prozent am Gesamtumsatz des Vereins beteiligt ist. Dabei sind auch die Geldflüsse – etwa 37,8 Millionen Euro an Transferzahlungen – zwischen Leipzig und Salzburg interessant.

Zudem muss die Uefa bewerten, ob RB im Rahmen des Financial Fairplay den sogenannten Break-even-Anforderungen gerecht wird. Interessant dabei ist, ob die Sponsoringzahlungen von Red Bull an RB Leipzig (bereits in der 2. Liga etwa 50 Millionen Euro) marktüblich waren und wie die bis Ende 2015 aufgelaufenen Schulden in Höhe von 52,38 Millionen bei Investor Red Bull zu bewerten sind.

Doch mit einer Nicht-Zulassung RB Leipzigs oder Red Bull Salzburgs rechnen die meisten Experten nicht. Sogenannten Disziplinarmaßnahmen hingegen, die von Ermahnung über Geldstrafen und Punktabzug reichen, sind durchaus möglich. (mz)