Pro und Contra

RB Leipzig: Ist der Leipziger Aufstieg eine Bereicherung für die Bundesliga?

Leipzig - Der Fußball-Osten ist wieder auf der Bundesliga-Landkarte vertreten. Doch an RB Leipzig scheiden sich die Geister. Auch in der Redaktion.

Von Christian Elsaeßer und Clemens Boisserée 10.05.2016, 15:15

Der Fußball-Osten ist wieder auf der Bundesliga-Landkarte vertreten. Doch an RB Leipzig scheiden sich die Geister. Auch in der Redaktion. 

MZ-Sportchef Christian Elsaeßer hält die Kritikpunkte an RB für übertrieben und freut sich auf Erstliga-Fußball.

Pro: Ein Leuchtturm für die Region

RB Leipzig ist also der nächste Neuling in der Fußball-Bundesliga. Der 55. Verein in der Geschichte der Eliteklasse. Und an keinem anderen haben sich schon vor dem Start so sehr die Geister geschieden.

Doch sind wir ehrlich: Die Kritikpunkte, die seit sieben Jahren gebetsmühlenartig vorgetragen werden, mögen Fußball-Nostalgikern noch gefallen, den gemeinen Anhänger, der einfach hochklassige Spiele sehen will, ermüden sie längst. Ja, im Profifußball geht’s um Geld. Ja, RB Leipzig hat Kohle. Und ja, der Verein hat diese Kohle von einem Investor, der damit Werbung betreiben wird. Donnerwetter, das ist wahrlich neu im Leistungssport, der sich ja noch nie über Sponsoring oder Beteiligungen finanziert hat.

Auch das Thema Vereinsstruktur ist leidlich überbewertet. Keine Frage: RB hat bei diesem Thema nicht immer clever, weil wenig transparent agiert in der Vergangenheit. Eine breite Mitbestimmung ist unmöglich. Aber mal ehrlich: Bildet sich wirklich jemand ein, die FC Bayern AG fragt für das operative Geschäft ernsthaft nach bei der Mitgliederversammlung des Vereins, nur weil der 75 Prozent der AG hält? Da ist leider ganz viel Mythos im Spiel.

Lassen wir also die Kirche im Dorf und richten den Blick endlich nach vorn. Zur Frage, was RB denn der Bundesliga bringt. Und da hat der Verein inzwischen eine Menge im Gepäck. Eine Leuchtturm-Funktion in einer Region, die ohne einen Investor noch auf Jahrzehnte vom großen Fußball abgeschnitten geblieben wäre. Ein in dieser Konsequenz noch nie durchgezogenes Konzept von Ausbildung: mit einem hochmodernen Internat, mit Besetzung aller Altersklassen bis hin zu einem Profi-Bereich, in dem kein Neuzugang älter als 24 Jahre sein darf.

Und zu guter Letzt: eine bisher friedliche und trotzdem euphorische Fanstruktur, die rasend schnell gewachsen ist und sich hinter der vieler Traditionsvereine kaum verstecken muss.

Viele Gründe, warum RB Leipzig eine Bereicherung für die Fußball-Bundesliga sein wird.

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MZ-Redakteur Clemens Boisserée sieht in RB Leipzig und dessen Vereinsstruktur keine Bereicherung für die Bundesliga - im Gegenteil.

Contra: Leipziger Monarchie

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing – mit dieser alten Weisheit lassen sich der „Verein“ RB Leipzig und all seine Anhänger am besten beschreiben. Der von Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz finanzierte Klub ist eines garantiert nicht: ein Fußballverein im eigentlichen Sinne.

Einmalig im deutschen Profifußball ist, dass Fans keine Möglichkeit haben, Mitglied des eingetragenen Vereins zu werden. Mitspracherecht oder Einfluss auf Entscheidungen der 17 ausgewählten Würdenträger? Nicht vorhanden. Einmalig ist auch, dass in Leipzig zwar erfolgreich Fußball gespielt wird, dieser Erfolg aber vor allem einem Zweck dient: Aufmerksamkeit für die österreichische Getränkemarke zu erzeugen.

Wo selbst in Hoffenheim oder Wolfsburg der Fußball an erster Stelle steht und Geld auch durch einen vielfältigen Sponsorenpool generiert werden muss, steht bei RB ein einziges Unternehmen im Fokus. Alles basiert auf der Lust und den Launen eines Gönners. Wie schnell dessen Investitionsfreude - trotz stetig steigender Brause-Umsätze - ein Ende haben kann, mussten gerade erst die Mitarbeiter des Fernseh-Senders Servus TV erfahren. Quintessenz: Nur wer nach Mateschitz’ Nase tanzt, darf sich über seine Millionen freuen, darf existieren.

Ein solches Werbeunternehmen in der Bundesliga? Das ist keine Bereicherung, sondern die endgültige Auflösung der 50+1-Regel, die den Einfluss eines einzigen Investors auf die Vereine verhindern soll.

Wer dieses Umkurven des geltenden Rechts mit der vermeintlichen Verbundenheit zur Region und der Fußball-Aufbauhilfe-Ost verteidigt, der sei an Folgendes erinnert: Bevor Mateschitz beim SSV Markranstädt fündig wurde, versuchte er, sein Produkt in Hamburg beim FC St. Pauli und bei der Düsseldorfer Fortuna zu platzieren.

RB Leipzig existiert, weil andere, echte Vereine Selbstbestimmung nicht gegen sportlichen Erfolg eintauschen wollten. Für die vielen neuen Fans in Leipzig bleibt zu hoffen, dass ihr Klub immer brav in der Spur bleibt. Das ist unter der Mateschitz-Knute alternativlos.

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