1:1 in Köln

RB Leipzig in der ersten Liga beim 1.FC Köln

Köln - 1:1 in Köln: RB Leipzig weiter ungeschlagen

Von Ullrich Kroemer und Martin Henkel
Oliver Burke brachte RB in Köln bereits frühzeitig in Führung. Es war sein erstes Tor für die Roten Bullen. imago sportfotodienst

RB Leipzig und Trainer Ralph Hasenhütl haben mit einer neuformierten ersten Elf viel im Spiel beim 1. FC Köln riskiert. Und wurden dafür nicht bestraft. Trotz einer im Vergleich zu den Vorspielen eher schwachen Partie der Gäste reichte es für ein 1:1. Leipzig ging nach fünf Minuten durch ein Dreifach-Pass-Tor von Oliver Burke in Führung, Kölns Yuya Osako glich 20 Minuten später aus. Timo Werner, der spät von der Bank kam, bestritt sein 100. Bundesligaspiel und ist damit das jüngste Mitglied im Klub der 100 der Bundesligageschichte.

Ausgangslage

Der 1. FC Köln ist kein Verein für Ratio und Gelassenheit. Drei Spiele verloren und die Welt geht unter. Oder wie in dieser Saison noch kein Spiel verloren, und plötzlich ist alles drin und vorstellbar. Mindestens: Bayern-Jäger. Mit dieser Erwartungshaltung muss man erst einmal umgehen, weshalb die Verantwortlichen des „Effzeh“ alle Hände voll zu tun hatten, die Euphorie vor dem Spiel zu bremsen.

Trainer Peter Stöger sagte, man bleibe bei den Tatsachen: Köln ist keine Spitzenmannschaft. Noch nicht. Siegen aber wolle man trotzdem – und die Serie von vier ungeschlagenen Spielen zuvor fortsetzen. Verständlich, meinte dazu Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl, der mit seinem Kader ebenfalls ohne Niederlage in die Saison gestartet ist. Aber man komme nicht, um zu applaudieren. „Wir wollen die ersten sein, die im Kölner Stadion ein Tor Minimum schießen.“

Personal

Ralph Hasenhüttl hätte vor der Partie gegen den Tabellendritten sagen können: Die willst du gewinnen, also stellst du deine Stamm-Elf auf. Doch der RB-Trainer zog es vor, gegen den heimstarken Gegner zu lernen. Also puzzelte er seine Mannschaft kräftig um, auch weil verletzungsbedingt fehlten: Emil Forsberg (Gehirnerschütterung), Kyriakos Papadopoulos (dickes Knie). Benno Schmitz ersetzte Bernardo auf der rechten Verteidigerposition, Naby Keita rückte für Diego Demme (verletzt, Rücken) auf die Sechs, im Sturm spielten erstmals von Beginn an Davie Selke und Oliver Burke für Yussuf Poulsen und Timo Werner.

Bei den Kölnern fielen aus: Leonardo Bittencourt und Marco Höger. Trainer Peter Stöger musste deshalb umstellen. Er schickte Konstantin Rauch auf die linke Viererkettenseite und zog Nationalspieler Jonas Hector dafür ins Mittelfeld. Daneben tauschte er im Vergleich zum Spiel gegen Schalke (3:1) Simon Zoller für Milos Jojic.

Fans

Man darf Wetten darauf abschließen, welche Fans welcher Vereine die Begegnung mit dem Aufsteiger als Provokation empfinden. Großes Risiko diese zu verlieren, besteht nie, wenn es sich dabei um einen etablierten Traditionsverein handelt. So wie der 1. FC Köln. Reflexartig erregten sich Fans des „Effzeh“ am Besuch der Leipziger, sie ereiferten sich in sozialen Netzen, sie bliesen ins Ultra-Horn, sie klebten ihre Stadt mit Anti-RB-Plakaten.

Sogar der Brust-Sponsor mischte mit, der aber führte den Widerstand der Kölner ad absurdum, in dem er die Begegnung selbst zur Vermarktung seiner Produkte gebrauchte. Er warb auf der gekauften Kölner Brust mit einem Energy-Drink, weil das ja schließlich so wunderbar passt, wenn der Red Bull alimentierte Neuling vorbeischaut.

Schließlich sorgten die Anhänger  dafür, dass das Spiel eine Viertelstunde später angepfiffen wurde. Eine Sitzblockade verhinderte die pünktliche Ankunft des Leipziger Busses. Gefährlich aber war die Situation für Gefährt und Insassen nicht, genauso wenig die Lage insgesamt für die ca 1000 mitgereisten Leipziger Fans.

Spielverlauf und Analyse

Ralph Hasenhüttl ist großes Risiko gegangen mit seiner Aufstellung, was sich so positiv wie negativ auf das Spiel seiner Mannschaft auswirkte. Positiv, weil die Gäste früh in Führung gingen. Nach einer fein ausgespielten Pingpong-Stafette führte RB bereits nach fünf Minuten. Burke spielte zentral auf Keita, der spielte zentral auf Sabitzer, der drehte sich, wartete auf Burke und steckte dem Schotten den Ball in seine schnellen Füße, Burke verwandelte kalt – und darf sich auf Elogen in der Heimat freuen. Sein Treffer war der erste eines Schotten in der Bundesliga seit Brian O’Neill, VfL Wolfsburg, 1999.

Aber RB konnte den Vorsprung nicht halten. Köln war in den ersten 45 Minuten dominant, clever und vor allem von ihrem Trainer prächtig eingestellt. Die taktischen Mittel des Österreichers Stöger gegen seinen Landsmann Hasenhüttl waren: Über links spielen, also über die zwei Jüngsten des Kaders, Burke und Schmitz, mit hohen Bällen das Gegenpressing im Mittelfeld aushebeln und vorne ständig rochieren, bis den Leipziger die Köpfe schwindeln.

Das ging 20 Minuten so, dann passte Rausch auf den überragenden Kölner Dribbler Yoya Osako, der sich im Strafraum an Compper und Orban vorbeiwand und RBs Keeper Peter Gulacsi einen wuchtigen Schuss unter die Latte setzte (25.).

Und es hätten noch mehr Tore sein können, hätte Hasenhüttl nicht Burke nach einer guten halben Stunde in die Mittelfeldmitte beordert, Kaiser ging dafür aus dem Zentrum. Und hätten die Kölner ihre finalen Pässe feiner justiert. Chancen zur Führung waren da, aber nicht zwingend. Leipzig war mit dem Ausgleich trotzdem gut bedient und hatte vor der Pause nur noch eine, na ja halbe Chance. Einen schnellen Konter spielte Burke aber ungenau in den Lauf von Sabitzer (41.).

Köln macht schlapp

In der Pause tauschte Hasenhüttl Schmitz gegen Bernardo, um die rechte Seite endgültig abzudichten. Besser aber wurde das Spiel der Leipziger nicht. Die Kölner bestimmten weiter die Partie, passten klug zwischen die Linien und je nach Bedarf flach oder hoch. Und auch nicht immer auf Zwang in den Strafraum. Marcel Risse feuerte in der 50. Minute einen Fernschuss ab, der auf dem Tordach landete.

Es war dennoch nicht nur die Kölner Klasse, die diese Partie so schwer machte für die Neulinge. Sondern die Leipziger waren nicht drin im Spiel. Sie standen zu weit weg von ihren Gegenspielern, sie pressten schlecht, waren fahrig bei den Zuspielen. Daran änderte sich auch wenig, als Hasenhüttl die eigentliche Stammkraft Yussuf Poulsen ins Getümmel warf.

Nur weil die Kölner abrupt schlapp wurden, kam RB in den letzten 20 Minuten mehr zum Zug. Doch bis auf einen Schuss von Sabitzer übers Tor (64.), war das nichts, dass aussah wie Chance, Tor, Sieg. Auch nicht, als acht Minuten vor dem Ende der Dreifach-Toschütze der letzten Spiele, Timo Werner, zu seinem 100. Bundesligaspiel auflief. Immerhin: Leipzig blieb auch im fünften Spiel ohne Niederlage, rutschte aber auf Tabellenrang sieben an. Die Kölner sind Dritter.

Ausblick

Ein Spiel noch, dann dürfen ein paar der Leipziger Fußballer die offensichtlich müden Glieder ausruhen. Freitag spielt RB daheim gegen den FC Augsburg (20.30 Uhr), danach ist Länderspielpause. Der 1. FC Köln muss zum Deutschen Meister, FC Bayern München (Sa., 15.30 Uhr).

1. FC Köln - RB Leipzig 1:1 (1:1)

1. FC Köln: Horn – Sörensen, Mavraj, Heintz, Rausch (Mladenovic, 84.) – Lehmann, Hector – Risse, Zoller – Osako (Rudnevs, 73.), Modeste (Guirassy, 85.)

RB Leipzig: Gulácsi – Schmitz (Bernardo, 45.), Orban, Compper, Halstenberg – Keita, Ilsanker – Kaiser, Sabitzer– Burke (Werner, 82.), Selke (Poulsen, 63.)

Tore: 0:1 Burke (5.), 1:1 Osako (25.)

Torchancen: 5:2; Eckenverhältnis: 1:6; Schiedsrichter: Benjamin Cortus; Gelbe Karten: Orban (39.), Osako (54.), Bernardo (90+2)
Zuschauer: 48 500 (ausverkauft)