Kommentar zu RBL

RB Leipzig: Die Risse zwischen Forsberg und den Fans sind schwer zu kitten

Leipzig - Emil Forsberg und sein Berater forcieren einen Abschied von RB Leipzig - ihr Verhalten ist ein Trauerspiel. Ein Kommentar.

Von Martin Henkel
Emil Forsberg sorgt in der Sommerpause für viele Diskussionen - und verärgert viele Fans bei RB Leipzig. imago sportfotodienst

Es wurde am Mittwoch dieser Woche in dem Leipziger Stück „Emil sucht das Weite“ der nächste Akt aufgeführt, mit dem zusammen erstmals auch der Verdacht die Bühne erklomm, dass die Schmonzette sich mittlerweile zu einem Trauerspiel entwickelt haben könnte. Emil, das ist Emil Forsberg. Schwedischer Fußballprofi, bei RB Leipzig unter Vertrag, und das noch fünf Jahre lang.

Diesen hat er zuletzt im Winter verlängert, es ging vor allem ums Gehalt und eine Anpassung an seine exzellente Vorsaison, die er nach der Unterschrift mit 22 Torvorlagen und acht Treffern zu Ende spielte.

Alle Seiten seien bis dato zufrieden gewesen mit dem, was sie voneinander bekommen, und was sie dafür einander geben, hieß es vom Verein gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung. Bei der Vertragsverlängerung sei das so gewesen sowie auch im Gespräch nach dem letzten Spieltag, weil zu der Gehaltsaufstockung jetzt ja auch die sportliche Perspektive dazu kommt: die Teilnahme an der Champions League.

Und trotzdem will Emil plötzlich weg!

Seit geraumer Weile forcieren der 25-Jährige und sein Berater Hasan Cetinkaya einen Abgang mit derart rabiaten Mitteln, das einem der Mund offen steht. Mehrfach hat RB Leipzig erklärt, man werde Forsberg nicht hergeben. Warum auch? RB spielt kommende Saison in der Königsklasse, sie werden Forsbergs Talente brauchen.

Forsberg-Theater: Oliver Mintzlaff platzt der Kragen

Trotzdem geben die Schweden keine Ruhe. Gespräche wurden gefordert, wobei der Verein gegenüber der MZ versicherte, dass es dafür bisher gar kein Gesuch gegeben habe. Von Karriere und nächsten Schritten war die Rede, und der AC Mailand ploppte als Sehnsuchtsort auf.

Entsprechend platzte Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer bei den Sachsen, jetzt der Kragen. „Falls der Berater vergessen hat, wie lange Emil bei uns Vertrag hat, dann werden wir ihm schnell eine entsprechende Kopie zusenden können“, sagte Mintzlaff, der kaum, dass sein Statement im Umlauf war, eine Antwort aus Schweden bekam.

Forsberg-Berater: „RB Leipzig zerstört seine Träume“

„So eine arrogante Art habe ich noch nie erlebt. Ich weiß, wie lange Emil Vertrag in Leipzig hat“, polterte Cetinkaya am Mittwoch. Aber: „Fest steht, Emil möchte den nächsten Schritt in seiner Karriere machen.“ Und weil RB sich querstelle, dann sei das nicht zu ändern, "Emil bleibt in Leipzig. Doch sie zerstören seine Träume!"

Das für sich genommen, ist eine bemerkenswerte Aussage. Sie operiert mit der ethischen Keule und macht Forsberg zu einem Opfer, wo es doch keinen optionalen Gedanken zu dem Sachverhalt gibt, dass es für einen Tango immer zwei braucht.

Viel beachtenswerter aber ist Cetinkayas Erklärung, warum Forsberg angeblich ein Anrecht darauf habe, gehen zu dürfen. 3,7 Millionen Euro nur habe RB vor zwei Jahren an Malmö gezahlt. Diese Investition habe sich mehrfach amortisiert, so der Assessor. „Der Verein weiß, was er Forsberg zu verdanken hat.“

RB Leipzig: Wie Cetinkaya Stimmung macht

Dem ist vieles nicht entgegenzusetzen, eines aber doch: Forsberg hat nämlich nicht nur gegeben, er hat auch bekommen. Um jetzt die kolportierten 25 Millionen Euro wert zu sein, die sowohl Milan als auch der FC Arsenal angeblich bereit wären, für den offensiven Mittelfeldspieler zu zahlen, dafür hatte er nämlich nicht nur Talent nötig. Sondern auch einen Klub, der diese Talente schmiedet. Mit Hilfe einer nigelnagelneuen Akademie. Mit einem kundigen Trainerstab. Und mit kaum weniger talentierten Mitspielern.

Dieser Gedankengang allein ist eine beklagenswert einseitige Betrachtung dessen, was formal der Fall ist. Das eigentlich Problem aber ist die Darstellung sämtlicher Beziehung zwischen Klub und Spieler in Investitionen und Ertrag.

Warum Emil Forsberg die Fans von RB Leipzig enttäuscht

Forsberg hat gekostet, Forsberg hat bezahlt, Forsberg verdient – das sind die Wörter, mit denen die Bindung des Schweden an RB Leipzig von seinem Berater gerade beziffert wird. Daran ist nichts dramatisch Ungewöhnliches, auch die Fußballvereine bemessen den Wert ihrer Spieler vornehmlich nach Vertragslaufzeiten und Toren, Einsatzzeiten und Marktpreisen. So ist das Geschäft, und wer wollte bestreiten, dass es im Fußball nicht darum geht.

Aber was ist mit den Bindekräften, die nicht in Zahlen darstellbar sind – Loyalität oder Sympathie, woraus Respekt erwächst? Und zwar nicht unbedingt nur einer Vertragslaufzeit gegenüber. Oder dem Nein eines Vereins zu einem vorzeitigen Wechsel. Sondern vor allem aus Respekt den Fans gegenüber, die nämlich den dritten Akteur in einer Liaison zwischen Fußballprofi und Verein stellen.

Schlechter Stil von Forsberg und Cetinkaya

Man muss es damit nicht übertreiben, jeder Mensch hat das Recht, sich auszusuchen, mit wem er zusammen sein möchte. Aber zwei Jahre sich vom Tribünenapplaus zu ernähren, um dann aus der Ferne einen Abschied mit Investitionsrechnungen zu erzwingen, ist Minimum ein Fall für die eigene Seelenhygiene – und auf jeden Fall einer für die Sozialstatik.

Emil Forsberg muss natürlich nicht, aber er darf sich langsam darüber Gedanken machen, wie das so sein wird zwischen ihm und Fans von RB, wenn er nach seinem Urlaub zurückkehrt. Manche Risse im Gefüge kann man kitten, jeden aber nicht. Die Ursache entscheidet. (mz)