3:1 gegen Bremen

RB Leipzig besiegt Werder Bremen 3:1 und ist FC Bayern-Jäger Nummer eins

Leipzig - Der Bundesliga-Aufsteiger bleibt auch im achte Saisonspiel unbesiegt und gewinnt gegen den SVW. Davie Selke und Keita treffen, Gnabry für Werder.

Von Martin Henkel und Ullrich Kroemer 23.10.2016, 17:15
Umarmung für den Trainer: Ralph Hasenhüttl und Davie Selke nach dem 3:1 durch den Ex-Bremer.
Umarmung für den Trainer: Ralph Hasenhüttl und Davie Selke nach dem 3:1 durch den Ex-Bremer. imago sportfotodienst

RB Leipzig ist nicht zu stoppen. Der Aufsteiger erzielte gegen Werder Bremen einen 3:1 (1:0)-Erfolg und kletterte auf Rang zwei der Tabelle der Fußball-Bundesliga. Zwar tat sich RB gegen die starken Gäste von der Weser lange schwer, doch aufgrund einer Leistungssteigerung in Hälfte zwei war der Sieg verdient. Mann des Tages war der neu ins Team gerückte Naby Keita, der beide Treffer für die Hausherren erzielte (42., 74.). Das dritte Tor für RB erzielte der eingewechselte Davie Selke (90.+3). Für Werder traf U21-Nationalspieler Serge Gnabry, der an diesem Sonntag Bremens Bester war (75.). 

Ausgangslage

Der 1. FC Kaiserslautern und RB Leipzig haben nicht eben viel gemein. Und dennoch waren Kulttrainer Otto Rehhagel und das Meisterteam von 1998 vor dem Spieltag in Leipzig Thema. Denn als der 1. FCK 1997/98 als Aufsteiger sensationell Deutscher Meister wurde, waren die Pfälzer genau wie jetzt RB die ersten sieben Spieltage ungeschlagen geblieben. Die erste Niederlage setzte es am achten Spieltag – gegen Werder Bremen. Zwar geben Hasenhüttl & Co. nicht viel auf den Rekord, aber natürlich wollte der Neuling auch im achten Spiel in Serie ungeschlagen bleiben.

Personal

Wie erwartet setzte RB für den verletzten Marcel Sabitzer auf Kapitän Dominik Kaiser im offensiven Mittelfeld. Dazu entschied sich Trainer Ralph Hasenhüttl für Naby Keita auf der Position im defensiven Mittelfeld und gegen Stefan Ilsanker. Die Bremer hatten zahlreiche Verletzte, unter anderem fehlte Star Claudio Pizarro; doch immerhin die zuletzt angeschlagenen Serge Gnabry und Ludovic Lamine Sané konnten auflaufen.

Benoten Sie jetzt die Leistung der RBL-Profis

Fans

Zum dritten Mal in dieser Saison war das Stadion ausverkauft und die Stimmung dementsprechend gut. Wie bereits gegen Dortmund und Mönchengladbach war auch der Gästeblock mit etwa 4000 Bremern nahezu voll besetzt. Vor Anpfiff zeigten die Bremer ein Banner mit der Aufschrift: „Stadionverbote für sogenannte Fußballvereine”. Die RBL-Fans hatten gegen Werder keine besondere Aktion oder Choreografie geplant. Unter den Zuschauern waren auch zwei prominente Ex-Leipziger: der langjährige Kapitän Daniel Frahn und Nationalspieler Joshua Kimmich.

Spielverlauf und Analyse

RB Leipzig begann mit zwei frühen Chancen: Zunächst ging Dominik Kaiser mit Wucht in Richtung Strafraum; doch sein Distanzschuss strich über das Tor (4.). Eine Minute später steckte der Kapitän den Ball zu Stürmer Yussuf Poulsen durch, der sich gegen drei Bremer zwar behauptete, den Ball aber derart bedrängt nicht mehr an Werder-Keeper Felix Wiedwald vorbeibrachte (5.).

Danach hatten sich die Gäste auf RB Leipzig eingestellt und verteidigten teilweise mit neun Spielern am eigenen Strafraum. RB agierte weniger risikobereit als in den vergangenen Spielen. Statt eines riskanten Passes wählten die Aufbauspieler ein ums andere mal die sicherer Variante, was das Spiel des Aufsteigers statischer machte als in den vergangenen Spieler. Und auch die Abstimmung der Laufwege passte in der ersten halben Stunde nicht wie gewohnt. Mal standen sich Kaiser und Forsberg auf den Füßen, mal fehlte ein Laufweg von Timo Werner als Anspielstation.

Strittige Elfmeter-Situation im RB-Strafraum

So hielt das Werder-Bollwerk zunächst stand. Die Gäste hatten auch zwei, drei gefährliche Vorstöße in den Leipziger Strafraum. Die größte Bremer Gelegenheit der ersten 45 Minuten hatte Stürmer Ousman Manneh, der nach einem Pass von Gnabry am Fünf-Meter-Raum zu Fall kam. RB-Keeper Peter Gulacsi war einen Tick zu spät aus seinem Kasten gekommen und berührte den Mann aus Gambia ganz leicht. Doch der Angreifer war bereits zuvor zu Boden gegangen (30.). Hätte Schiedsrichter Robert Hartmann auf Elfmeter entschieden, hätten sich die Leipziger nicht beschweren dürfen.

Da sich die Gastgeber weiter sichtlich um klaren Spielaufbau mühten und der Spielaufbau nicht so zielstrebig gelang wie gewohnt, fasste sich der für Stefan Ilsanker in die Startelf gerutschte Naby Keita kurz vor dem Pausenpfiff ein Herz. Etwa 30 Meter vor dem Tor setzte der 21-Jährige zu einem Solo an. Keita umdribbelte ein halbes Dutzend Grün-Weiße, umkurvte auch noch Wiedwald und traf zur überraschenden Führung (42.) – ein Traumtor.

Dreifach-Chance für Werder Bremen, Zweiter Treffer durch Keita

Die zweite Hälfte begann mit einer Triple-Chance für die Bremer. Erst rutschte der starke Gnabry in eine Hereingabe von Teodor Gebre Selassie und verfehlte das Tor nur durch das beherzte Eingreifen von Bernardo (49.). Nach der darauffolgenden Ecke knallte der Ball nach einem Kopfballduell von Bernardo und Gebre Selassie an den Pfosten (50.). Dazu war Gnabry im Strafraum noch zum Abschluss gekommen, doch Gulacsi parierte den Ball sicher (50.).

Danach beherrschte RB die Partie, hatte durch Forsberg per Distanzschuss und Yussuf Poulsen, der den von Wiedwald abgeprallten Ball per Kopf nicht richtig kontrollieren konnte und über die Latte setzte, eine Doppelchance (63.). Wenig später belohnten sich die Hausherren dann für den Aufwand. Emil Forsberg ließ einen Pass für den eingewechselten Davie Selke durch. Die Flanke des Ex-Bremers verarbeitete erneut Keita per Kopf zum 2:0 (74.).

Doch Werder schlug umgehen zurück und stellte den alten Torabstand wieder her. Nach einem Gegenstoß war die RB-Abwehr unsortiert, sodass Gnabry Finn Bartels Pass zum 2:1 verwandeln konnte (75.). Die Bremer drängten zwar in der hektischen Schlussphase auf den Ausgleich, doch die Leipziger Defensive hielt stand. Der eingewechselte Oliver Burke hatte bereits die Chance zum 3:1, schlug aber im Sechzehn-Meterraum über den Ball. Mit der letzten Aktion vor dem Abpfiff schob Selke den Ball dann zum 3:1-Endstand ins leere Tor, weil Wiedwald seinen Kasten für einen Freistoß verlassen hatte.

Ausblick

Für die "Roten Bullen" geht die Pflichtspiel-Saison erst kommende Woche weiter. Für die zweite Runde im DFB-Pokal, die unter der Woche ausgespielt wird, hat sich Leipzig durch die Niederlage bei Dynamo Dresden nicht qualifiziert. Also muss das Hasenhüttl-Team erst am nächsten Samstag ran. Dann wartet das Auswärtsspiel bei Darmstadt 98 auf die Leipziger.

RB Leipzig - Werder Bremen 3:1 (1:0)

RB Leipzig: Gulacsi - Bernardo, Orban, Compper, Halstenberg - Keita, Demme - Kaiser, Forsberg (84. Ilsanker) - Poulsen (89. Burke), Werner (71. Selke)
SV Werder Bremen: Wiedwald - Gebre Selassie , L. Sané , Moisander , S. Garcia - Grillitsch (78. Veljkovic) - Hajrovic (62. Bartels), Fritz (70. Johannsson), Junuzovic , Gnabry - Manneh
Tore: 1:0 Keita (42.), 2:0 Keita (73., Selke), 2:1 Gnabry (76., Bartels), 3:1 Selke (90+5, Demme)
Chancen: 8:5; Eckenverhältnis: 6:5
Schiedsrichter: Robert Hartmann (Wangen), Gelbe Karten: Kaiser (14.), Forsberg (23.), Keita (32.), Demme (90.) / Selassie (36.), Fritz (44.), Moisander (90+4)
Zuschauer: 42.558 (ausverkauft) in der Red-Bull-Arena Leipzig