Rangnicks Ansage an den Stürmer

Rangnicks Ansage an den Stürmer: Was RBL an Jean-Kevin Augustin kritisiert

Leipzig - Ein Spiel noch. Diese eine Partie hat es für RB Leipzig in sich. Ein Sieg bei Hertha Berlin am Samstag, gleichzeitig verlieren Hoffenheim sowie Leverkusen, und die Sachsen wären wieder drin in der Champions League. Wird es ein Sieg, ist die Europa League sicher. Verliert RB, und die Verfolger Frankfurt sowie Stuttgart gewinnen, dann war’s das mit ...

Von Martin Henkel 09.05.2018, 09:51
Beim 4:1-Erfolg über Wolfsburg ließ sich Leipzigs Angreifer Jean-Kévin Augustin zu recht feiern. Er hatte zwei Tore vorbereitet und eines selbst erzielt.
Beim 4:1-Erfolg über Wolfsburg ließ sich Leipzigs Angreifer Jean-Kévin Augustin zu recht feiern. Er hatte zwei Tore vorbereitet und eines selbst erzielt. dpa-Zentralbild

Ein Spiel noch. Diese eine Partie hat es für RB Leipzig in sich. Ein Sieg bei Hertha Berlin am Samstag, gleichzeitig verlieren Hoffenheim sowie Leverkusen, und die Sachsen wären wieder drin in der Champions League. Wird es ein Sieg, ist die Europa League sicher. Verliert RB, und die Verfolger Frankfurt sowie Stuttgart gewinnen, dann war’s das mit Europapokal.

Weshalb sich für Trainer Ralph Hasenhüttl nicht nur die Frage stellen muss, mit welcher Taktik er die Hertha auswärts besiegen will. Sondern vor allem: mit welchem Personal? Auf einer Position hat der Österreicher die Qual der Wahl. Es ist die neben Timo Werner im Sturm: Yussuf Poulsen oder Jean-Kevin Augustin?

Wäre das jüngste Spiel der Maßstab, müsste die Entscheidung leichtfallen. Augustin hatte beim 4:1 gegen Wolfsburg den vielleicht brillantesten Auftritt in seinem ersten Jahr für RB. Er bereitete zwei der vier Tore vor, eines schoss er selbst, und es hätten auch zwei Treffer sein können, wäre der Linienrichter nicht so knauserig gewesen,

Jean-Kevin Augustin: Viel Talent, aber zu wenig Tore

Augustins Knie bei der Vorlage zum vermeintlichen 2:0 als Abseits zu werten. So kam nur eines aufs Konto, auf dem nach 35 Pflichtspiel-Einsätzen sieben Tore neben fünf Assists in der Liga stehen - zusammen mit einem Treffer in der Champions League und zwei Toren in der Europa League. Für einen, der neu ist in der Bundesliga und erst 20, ist das eigentlich nichts, was Zweifel an seinen Talenten wecken sollte.

Tut es aber trotzdem, denn die Tore sind das eine, das Vermögen was ganz anderes. Und gemessen an dem, ist die Bilanz nicht da, wo sie sein könnte. Augustin musste sich den Job neben Werner nämlich nicht nur mit Poulsen aus Rotationsgründen teilen sondern auch, weil auf den Dänen immer dann, wenn Leidenschaft gefragt war, mehr Verlass gewesen ist.

So jedenfalls hat der Verein Augustin bislang wahrgenommen - als ein Wunderkind nämlich, das noch nicht bereit ist, die geschenkten Fähigkeiten zu veredeln. Sportdirektor Ralf Rangnick sagte nach dem VfL-Spiel über Augustin: „Er hat Talent im Überfluss!“ Nur bekommt er es nicht unter Kontrolle, so wie etwa Akmola Lookman, der den Großteil seines halben Weinjahres im Trainingsmodus verbrachte. Am 1. Mai hatten alle Spieler einen Tag frei. Der gleichaltrige Brite verbrachte ihn in der Akademie. Augustin flog nach Paris.

Rangnick will Augustin „in den Hintern treten“

„Der Schlüssel“ bei dem unsteten Franzosen, so Rangnick, sei deshalb, was der bereit sei „zu investieren, um sich zu verbessern.“ Weil das aber leichter gefordert als umgesetzt ist, schlug er vor, auf Altvordere Art nachzuhelfen. „Wir können ihm nur gut zu reden oder in den Hintern treten. Von mir kriegt er im Moment noch eher das zweite.“

Es wäre nämlich glatte Verschwendung. Spielt Augustin auf der Höhe seiner Fähigkeiten, dann ist er für die Sachsen genau das, was sie sich von den 13 Millionen Euro Ablöse erhofft haben: Ein Schnäppchen gemessen an den Talenten, die kompletter sind als bei Werner und Poulsen. Er ist schnell, hat Wucht, er besitzt einen versierten Fuß ebenso wie einen zielsicheren Schuss. Er kann Haken schlagen, tricksen und ist gewandt, wenn es eng wird.

Seine Saisonzahlen bestätigen das. Bemerkenswert ist die Tordifferenz, wenn er auf dem Platz steht. In Augustins knapp 1 200 Einsatzminuten hat RB in der Liga eine Tordifferenz von plus zwölf herausgeschossen. In den knapp 1 800 Minuten ohne ihn steht sie bei minus zwölf. Spielt er, fallen pro Spiel 2,21 Tore bei 1,3 Gegentreffern. Fehlt er, drehte sich das Verhältnis auf 1,11 zu 1,71. Es gibt also mit Abstand keinen zweiten Spieler bei RB, dessen Einfluss auf das Team so positiv ist. Hasenhüttl dürfte sich deshalb mit einer Entscheidung ob Poulsen oder Augustin eigentlich nicht schwertun. Aber eben nur eigentlich.

(mz)