Ralph Hasenhüttl

Ralph Hasenhüttl: RB Leipzig-Trainer redet Timo Werner in die Nationalmannschaft

Leipzig - Mit dem Heimsieg im Hinspiel startete RB Leipzig eine historische Serie. Was der Trainer vor dem Auswärtsspiel beim FC Augsburg zu sagen hatte.

Von Martin Henkel
Ralph Hasenhüttl und sein bester Stürmer Timo Werner.
Ralph Hasenhüttl und sein bester Stürmer Timo Werner. imago sportfotodienst

Es war die kürzeste Medienrunde mit RB Leipzigs Trainer Ralph Hasenhüttl seit seinem Amtsantritt vorigen Sommer. Eine Viertelstunde, normal waren bis dato 30 Minuten. Aber es gab vor dem Freitagspiel gegen Augsburg (18.30 Uhr) einfach nicht viel zu besprechen, was die Frage aufwarf, warum.

Liegt’s am Erfolg? Immerhin macht nichts im Zusammenspiel von Fußballvereinen und Medien fragloser. Mit zuletzt zwei Siegen in Gladbach (2:1) und gegen den 1. FC Köln (3:1) nach den zwei Niederlagen gegen Dortmund (0:1) und den Hamburger SV (0:3), scheint RB in ähnlicher Verfassung zu sein wie zum gleichen Zeitpunkt der Hinserie. Damals folgte auf das 1:1 gegen den "Effzeh" eine Serie von acht Siegen.

Nichts aber ist gefährlicher für das temporeiche Spiel der Liga-Neulinge als Gewöhnung und Erschlaffen. Hasenhüttl nutzte die kurze Pressekonferenz, um auf die Qualitäten des Gegners unter seinem neuen Trainer Manuel Baum hinzuweisen. Nichts werde leicht sein auf dieser Auswärtsfahrt, sagte er, nur weil RB und den FCA elf Tabellenränge und 21 Punkte voneinander trennen. Man kennt sich gut aus Unterhachinger Tagen. Und er wies darauf hin, wie wetterwendisch der Fußball sein kann. Wer, so Hasenhüttl, „hätte gedacht, dass wir daheim gegen den HSV 0:3 verlieren. Wir werden noch Spiele erleben, die so keiner erwartet hat.“ Im Guten wie im Schlechten.

Das sagte der Trainer im Detail. Ralph Hasenhüttl über...

... Personal und Kader:

„Wir haben mit Oliver Burke leider einen Spieler, der am Freitag nicht dabei sein wird. Die Muskelverletzung ist noch nicht ausgeheilt. Ansonsten haben wir alle an Bord.“

.... Augsburg und seinen neuen Trainer:

„Ich kenne meinen Kollegen Manuel Baum sehr, sehr gut aus Unterhachinger Zeiten. Er ist ein Trainer, der sich sehr viele Gedanken macht über seine Art zu spielen. Ich habe bei ihm sehr schnell Automatismen entdeckt, die er auch schon früher gemocht hat. Insofern kann ich die Entwicklung bei Augsburg schon erkennen.“

... die Spielweise des FCA:

„Augsburg agiert jetzt wieder über mehr Ballbesitz und verfolgt einen klaren Plan. Die Mannschaft ist sich aber auch nicht zu schade, wie zuletzt gegen Darmstadt, defensiv zu agieren. Ich finde, mein Kollege macht das hervorragend. Ich habe ein paar Spiele von ihm gesehen, wo viel Tempo drin war, wo umgeschaltet wurde und hoch verteidigt. Deswegen wird die Mannschaft schwer zu bespielen sein.“

... RB-Schmähplakate, die der Verein Augsburg versucht durch Kontrollen zu verhindern:

„Darüber mache ich mir keinen Kopf. Es geht mir um 90 Minuten Fußball. Um ein gutes Spiel. Da sind mit Plakate, die da irgendwie gezeigt werden, ziemlich egal.“

... die taktische Variabilität seines Teams:

„Es zeichnet uns aus, dass wir über mehrere Arten verfügen, wie wir gegen Gegner spielen können. Das hilft uns A) schwerer ausrechenbar zu sein und B) auf den Gegner reagieren zu können. Aber entscheidend ist, dass wir unser Spiel nicht aus den Augen verlieren. Das wollen wir mit aller Macht durchführen. Auch wenn wir auswärts spielen. Vom Personal her ist es schon so, dass wir vermutlich dem gleichen wie im Köln-Spiel vertrauen werden.“

... Timo Werner und die Nationalmannschaft:

„Man macht nichts falsch mit Timo im Sturm. Seine Torgefahr kann jede Mannschaft gut gebrauchen. Ich würde ihm wünschen, dass er eine Einladung bekommt. Er hat sich das verdient. Wenn ein Stürmertyp gefragt ist, wie er ihn verkörpert, dann muss man auf Timo zurückgreifen.“

... seinen Reservestürmer Davie Selke:

„Wenn man die Chance hat zu spielen, dann sollte man die auch nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Aber es ist jetzt auch nicht so, dass Davie gegen den HSV oder gegen Dortmund das letzte Spiel gemacht hat. Die Konkurrenz ist halt da. Und es ist nicht einfach, an den anderen vorbeizukommen. Das weiß er auch. Er sieht es ja an Rani Khedira, wie weit der weg war, wie wenig er spielen durfte und jetzt plötzlich mehr spielt. Entscheidend ist, dass du an dir weiterarbeitest, an dich glaubst und wenn du rein kommst, dir ein Topspiel gelingt. Dann steigt auch dein Standing beim Trainer wieder.“

... seinen Wechsel im letzten Spiel von 4-2-2-2 auf 4-3-3:

„Das ist das System, das ich in Ingolstadt eigentlich gespielt habe. Und mit dem haben wir früh schon einen Zugriff auf den Gegner bekommen, wenn wir ihn zu dritt angelaufen sind. Wenn man ein bisschen früher pressen möchte, dann ist das eine gute Variante. Aber das hat sich gegen Köln angeboten. Das heißt nichts für Augsburg. Die Frage ist immer, wie baut der Gegner sein Spiel auf. Danach kannst du dir dann eine Taktik überlegen. Es variiert also.“

... die Serie von acht siegreichen Spielen in der Hinserie, die mit dem 2:1 gegen Augsburg begann:

„Man darf nicht vergessen, viele dieser acht Spiele waren eng. Wir schauen nicht acht Wochen voraus, sondern uns interessiert immer nur das nächste Spiel. Es kommt oft unverhofft, so wie gegen den HSV. Wer hätte schon gedacht, dass wir daheim 0:3 verlieren?“