2:1-Auswärtssieg

Gladbach vs. RB Leipzig: Der RBL-Auftritt bei Borussia Mönchengladbach gibt Antwort auf Kritiker

Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach - RB Leipzig: Die Bullen aus Leipzig bleiben an den Bayern dran!

Von Ullrich Kroemer 19.02.2017, 15:30
Emil Forsberg (RB Leipzig) jubelt mit der Mannschaft nach seinem Treffer zum 0:1.
Emil Forsberg (RB Leipzig) jubelt mit der Mannschaft nach seinem Treffer zum 0:1. imago sportfotodienst

RB Leipzig hat sich zurück in die Erfolgsspur gekämpft und zuletzt auch gezittert. Nach zuletzt drei Auswärtsniederlagen gewannen die Leipziger bei Borussia Mönchengladbach mit 2:1 (1:0).

Damit festigte Rasenballsport den zweiten Tabellenplatz und hat nun wieder acht Punkte Vorsprung auf Rang drei. Forsberg und Werner legten sich gegenseitig die Tore für RBL auf. Vestergaard traf zum Anschluss für die Gastgeber. Kurz vor der Halbzeit hatte Peter Gulacsi einen Foulelfmeter von Hazard gehalten (44.). In der Schlussphase musste RB um den bereits sicher geglaubten Auswärtssieg zittern.

Ausgangslage

Für RB Leipzig hatte die Partie am Niederrhein durchaus wegweisenden Charakter: Verlieren die Gäste, würde aus der „Delle” (Trainer Ralph Hasenhüttl) tatsächlich eine kleine Krise. Nicht umsonst forderte der Coach in dieser Woche gleich mehrfach effektiven Ergebnisfußball ein. „Wir müssen das Momentum wieder auf unsere Seite ziehen. Sich auswärts Glück zu erarbeiten, hängt vor allem damit zusammen, wie viel man bereit ist zu investierten”, sagte der 49-Jährige.

In keinem der vergangenen drei Auswärtsspiele, die allesamt verloren gingen, sei sein Team „in absoluter Topverfassung” gewesen – „sei es personaltechnisch oder auch hinsichtlich unseres fußballerischen Vermögens”. Da habe der Überraschungszweite „Luft nach oben, und deswegen ist es der große Vorsatz für dieses Wochenende, dass wir uns anders präsentieren wollen: lange die Null stehen haben und zeigen, dass wir jederzeit in der Lage sind, Tore zu erzielen.” Die Gladbacher wollen trotz der jüngsten 0:1-Niederlage im Europapokal gegen Florenz ihren Aufwärtstrend in der Bundesliga fortsetzen, um sich die Chance auf die internationalen Startplätze zu erhalten.

Personalien

Bei beiden Klubs fehlten gleich jeweils zwei entscheidende Protagonisten: Bei den Leipzigern muss Yussuf Poulsen nach seinem Muskelbündelriss im Oberschenkel noch mehrere Wochen passen. Oliver Burke erhielt stattdessen eine Einsatzchance. Zudem fällt Innenverteidiger Willi Orban wegen seiner fünften Gelben Karte aus. Entgegen seiner Ankündigung ersetzte Hasenhüttl den Vize-Kapitän nicht durch Youngster Upamecano, sondern durch Stefan Ilsanker.

Als Rechtsverteidiger vertraute der Trainer Benno Schmitz und ließ dafür Bernardo zunächst auf der Bank. Beim VfL fehlen Strobl (5. Gelbe Karte) und Stürmer Raffael (Muskelfaserriss), für den André Hahn in den Sturm rückte. Länger muss Borussia Mönchengladbach auf Ibrahima Traoré (Sehnenabriss) verzichten. Bei RBL ist Lukas Klostermann nach seinem Kreuzbandriss im Herbst noch immer nicht wieder im Mannschaftstraining.

Fans

Nach den Vorkommnissen vor zwei Wochen in Dortmund gegen Leipziger Fans, stand die Partie am Sonntag unter besonderer Beobachtung. Die Polizei hatte ihr Einsatzkontingent erhöht. Im Verein rechnete man zwar mit Protesten der Borussen-Fans - aber in „intelligenter, kreativer und friedlicher Form“. Die Anreise der Leipziger Fans verlief dann auch soweit bisher bekannt absolut reibungslos.

Dennoch vergriffen sich auch die Gladbach-Fans im Ton: Während der ersten Halbzeit hing ein zweiteiliges Spruchband vor der Nordkurve, auf dem zu lesen war: „Wir verurteilen jeden geworfenen Stein... der Euch Kunden nicht getroffen hat.“ Vor zwei Wochen in Dortmund war es vor dem Stadion unter anderem zu Steinewürfen auf Leipziger Fans gekommen. Aus Protest gegen das „Konstrukt RB“ schwieg zudem ein Großteil der Gladbach-Fans die ersten 19 Minuten. Die etwa 1.200 mitgereisten RBL-Anhänger nutzten die Anfangsphase, um stimmgewaltig auf sich aufmerksam zu machen. Hitzig wurde es in der Schlussphase, als rund um den Abpfiff Bierbecher und andere Gegenstände in den RB-Strafraum flogen.

Spielverlauf und Analyse

1. Halbzeit

Beide Teams starteten kompakt in die Partie; vor allem RB Leipzig war anzumerken, dass sich die Gäste nach dem 0:3 gegen den HSV zunächst wieder Stabilität holen wollten, was RBL bis auf einige Unsicherheiten in den Anfangsminuten hervorragend gelang. Die erste Chance des Spiels hatten dennoch die Gladbacher. Nach einem Fehler von Innenverteidiger Stefan Ilsanker kam Thorgan Hazard frei zum Abschluss. Doch der Ball ins kurze Eck schlug nur im Außennetz ein (11.).

Doch darüberhinaus war Rasenballsport hellwach, unterband das Angriffsspiel der Gastgeber durch starkes Pressing, gutes Stellungsspiel und robuste Abwehraktionen. RB war anzumerken, dass die Spieler im Vergleich zum vergangenen Spiel wieder in der Lage waren, mehr Sprint- und Laufbereitschaft zu zeigen.

So hatte der Aufsteiger bereits nach einer guten Viertelstunde die Chance zur Führung. Nach einem Überzahlkonter zog Marcel Sabitzer aus halbrechter Position ab, doch Gladbachs Keeper Yann Sommer lenkte den Schuss mit den Fingerspitzen noch neben das Tor (16.). Zwar hatte Hasenhüttl angekündigt, dass die Mannschaft gewinnen werde, die die beste Kontersicherung habe. Doch die RB-Führung kombinierte RB wunderbar heraus – nicht aus einer Kontersituation, sondern aus dem Spiel bei eigenem Ballbesitz heraus. Initiiert von Timo Werner wanderte der Ball über Sabitzer, der mit der Hacke ablegte, sowie Burke und abermals Werner zu Forsberg, der von der Strafraumkante präzise abzog und zur Führung traf (31.). Das sechste Tor des Schweden in dieser Saison.

In den letzten fünf Minuten der ersten Hälfte wurden die Hausherren wieder stärker. Zunächst sorgte ein Freistoß für Unruhe. Danach musste Marvin Compper gegen den heranstürmenden Stindl retten und traf den VfL-Stürmer an Strafraumgrenze an der Achillessehne. Schiedsrichter Felix Zwayer entschied auf Elfmeter – zumindest strittig (44.). Doch Hazard verpasste den Ausgleich vom Punkt, weil RB-Keeper Peter Gulacsi den gut geschossenen Strafstoß mit einer Weltklasseparade von der Linie kratzte. Eine spielentscheidene Szene.

2. Halbzeit

Auch durch den emotionalen Vorteil agierten die Leipziger zu Beginn zweiten Hälfte noch sicherer. Es war zu sehen, dass Matchglück und Selbstvertrauen beim Überraschungsklub zurückgekehrt war. Der zweite Treffer der Gäste aus Sachsen hatte bezeichnenderweise in einem Gladbacher Einwurf ihren Ursprung. Nach einer Balleroberung von Naby Keita spulte RB eine einstudierte Kombination ab: Werner legte Keitas langen Ball in die Spitze auf Forsberg zurück, der den eingelaufenen Werner erneut bediente, während der im passiven Abseits stehende Burke passieren ließ. Aus halbrechter Position verwandelte Werner den Ball cool ins lange Ecke zum 2:0 (55.). Torhüter Sommer sah bei der Aktion nicht besonders glücklich aus, der Ball rutschte unter ihm hindurch in das Gehäuse.

Und auch die darauffolgende Druckphase der „Fohlen” überstanden die Leipziger zunächst. Ein vermeintliches Tor von Stindl pfiff Zwayer zu Recht ab und zog sogar die Gelbe Karte, weil der Angreifer den Ball mit der Hand in den Kasten befördert hatte (61.). Kurz darauf zeigte Gulacsi erneut eine Glanzparade, als er Stindls Schuss aus Nahdistanz entschärfte (64.).

Da es RB verpasste, seine Kontermöglichkeiten in Ruhe zu Ende zu bringen, kam Mönchengladbach mit der dritten Luft noch einmal zurück ins Spiel. Wie gegen Hamburg köpfte der starke Däne Vestergaard gegen die indisponierten Schmitz und Ilsanker wuchtig zum Anschlusstreffer ein (81.). So geriet der bereits sicher geglaubte Sieg der Hasenhüttl-Elf noch einmal richtig in Gefahr –  eine echte Zitterpartie. Doch die Leipziger überstanden die letzten hitzigen 15 Minuten der drängenden Gladbacher ohne einen weiteren Gegentreffer.

Für die zuvor angeknockten Leipziger war der sechste Auswärtssieg der Saison ein echter Härte- und Reifetest, den sich das Team durch präzises und kombinationsstarkes Offensivspiel, effektive Chancenverwertung sowie eine starke kämpferische Leistung – vor allem zu Beginn und in der Schlussphase der Partie – gegen starke, aber unglückliche Gladbacher verdiente.

Ausblick

Am kommenden Samstag (15.30 Uhr) empfängt RB Leipzig mit dem 1. FC Köln den nächsten Klub vom Rhein. Die Gladbacher müssen tags darauf auswärts beim FC Ingolstadt ran (15.30 Uhr).

Statistik

VfL Borussia Mönchengladbach – RB Leipzig 1:2 (0:1)

Borussia Mönchengladbach: Sommer – Jantschke, Christensen, Vestergaard, Wendt (61. Hofmann) – Kramer, Dahoud – Hahn (61. Herrmann), Johnson (80. Drmic) – Hazard, Stindl.

RB Leipzig: Gulacsi – Schmitz, Ilsanker, Compper, Halstenberg – Demme, Keita (76. Khedira) – Sabitzer, Forsberg (83. Upamecano) – Burke (65. Kaiser), Werner.

Tor(e): 0:1 Forsberg (31., Werner), 0:2 Werner (55., Forsberg), 1:2 Vestergaard (81. Hazard); Torchancen: 6:4; besondere Vorkommnisse: Hazard verschießt Foulelfmeter gegen Gulacsi (44.); Eckenverhältnis: 8:3; Schiedsrichter: Felix Zwayer (Berlin); Gelbe Karten: Wendt (14.), Stindl (61.), Hazard (67.), Kramer (79.)  / Halstenberg (37.), Keita (44.), Demme (73.); Zuschauer: 51.535 Zuschauer im Borussia-Park Mönchengladbach. (mz)