RB-Toptalent Burke

Oliver Jasen Burke: Wie RBL das Talent aus Nottingham nach Leipzig gelotst hat

Leipzig - Mit Oliver Burke hat RB Leipzig ein Top-Talent nach Sachsen gelotst. Zwölf Millionen soll der 19-Jährige gekostet haben. Wie Ralf Rangnick sich dabei auch gegen den FC Bayern durchsetzen konnte.

Von Ullrich Kroemer
Oliver Burke in einem U-19-Länderspiel im Jahr 2015 gegen Deutschland.
Oliver Burke in einem U-19-Länderspiel im Jahr 2015 gegen Deutschland. imago sportfotodienst

Es war der Tag, auf den Ralf Rangnick seit seinem Amtsantritt bei RB Leipzig im Juli 2012 hingearbeitet hatte. Doch dann hatte Rangnick für das historische erste Bundesligaspiel gar keinen Kopf gehabt. Erst, als er am Sonntagnachmittag um drei in den Flieger in Richtung Kraichgau stieg, setzte bei ihm die Vorfreude auf die Premiere ein.

Zuvor war Rangnick in seinem Leipziger Büro in Sachen Transfers schwer beschäftigt gewesen. Als der Manager dann im Flugzeug saß, überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst vermeldete der Klub die Verpflichtung des Brasilianers Bernardo von Schwesterklub Red Bull Salzburg; danach gab RB Leipzig sein furioses Debüt in der Fußball-Bundesliga; und mit Abpfiff veröffentlichte der Verein den zweiten Transfer des Tages, die Verpflichtung des Schotten Oliver Jasen Burke vom englischen Zweitligisten Nottingham Forest. 

RB Leipzig: Millioneninvestitionen für Burke und Bernardo

Defensivallrounder Bernardo ist als Universal-Backup in der Viererkette und im defensiven Mittelfeld eingeplant; Toptalent Burke soll die rechte Außenbahn in der Offensive verstärken. „Das sind genau die beiden Spieler, die wir gesucht haben”, sagte Rangnick nach dem 2:2 gegen die TSG Hoffenheim sichtlich zufrieden. Für Bernardo soll Rangnick etwa fünf Millionen Euro nach Salzburg überweisen; Burke kostete um die zwölf Millionen Euro. Somit investierten die Leipziger in dieser Transferphase dann doch noch deutlich über 40 Millionen Euro. Üppig für einen Aufsteiger.

Vor allem Burkes Wechsel erfüllte den 58-Jährigen mit Stolz. Wie mehrere Medien berichten, soll sich Burke gegen Klubs wie den FC Bayern München und für RB Leipzig entschieden haben. „Ich habe es in den vergangenen Jahren oft probiert, Spieler von der Insel wegzulotsen”, berichtete Rangnick. „Es ist mir bisher nie gelungen, und ich war schon kurz davor zu resignieren. Daher freut es uns jetzt besonders, dass es tatsächlich geklappt hat.”  

Oliver Burke: „Ralf Rangnick hat großen Anteil bei meiner Entscheidung”

Rangnick war wegen des „außergewöhnlichen” Wechsels derart gut gelaunt, dass er ein Mozart-Stück mit Robin Hood verwob – darauf muss man auch erstmal kommen. „Das war die Entführung aus dem Serail oder besser aus dem Sherwood Forest”, sagte er lachend. Burke teilte per Twitter mit, dass Rangnick „großen Anteil daran hatte, dass ich mich für RB Leipzig entschieden habe”.

Burke brach nach Medizincheck und Posing mit dem Trikot seines neuen Arbeitgebers zur schottischen Nationalmannschaft nach Glasgow auf. Nach dem Länderspiel gegen Malta wird der 19-Jährige am kommenden Montag in Leipzig erwartet. 

Bernardos Verpflichtung hingegen brachte Rangnick und RBL erneut Ärger ein. Nach dem achten internen Transfer von der Salzburger Red-Bull-Filiale zur Leipziger Dependance in zwei Sommerpausen äußerte auch Salzburgs Trainer Oscar Garcia offen Kritik. „Ich habe von Bernardos Wechsel kurzfristig erfahren. Das ist ein schwerer Schlag, weil wir keinen Ersatz für ihn haben”, sagte der Spanier in österreichischen Medien. 

RB Leipzig: Ausleihe von Nukan und Bruno geplant

Garcia machte sich wegen der Kurskorrektur sogar Gedanken über einen vorzeitigen Abgang in Salzburg. „Es gibt mehrere Spieler, die nur wegen mir nicht nach Leipzig wechseln. Deswegen werde ich hier bleiben. Für diese Spieler werde ich da sein wie für meine eigenen Kinder", wurde er im Kurier zitiert.

RB Leipzig – klare Nummer eins im Red-Bull-Fußball-Imperium – ficht das nicht an. Nach der wochenlangen Hängepartie mit zahlreichen geplatzten Transfers hat Rangnick seinen bundesligatauglichen Kader beisammen. Neuzugänge soll es laut Sportdirektor keine mehr geben. Dafür stehen Innenverteidiger Atinc Nukan, der den Nachweis seiner Qualität bisher schuldig blieb, und Offensivmann Massimo Bruno vor einer Ausleihe zu ihren Ex-Klubs Besiktas Istanbul beziehungsweise RSC Anderlecht. „Es liegt auch immer an den Spielern, ob sie woanders mehr zum Einsatz kommen wollen”, sagte Rangnick. (mz)