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Kommentar zum Keita-Transfer

Kommentar zum Keita-Transfer: Win-win-win-Situation – und dennoch eine Gefahr

Leipzig/Liverpool/Manchester - Es ist gerade einmal zehn Monate her, dass Naby Keita seinen ersten glanzvollen Auftritt im Trikot von Leipzig hatte. Den Ball eng am Fuß umkurvte der Guineer im Heimspiel gegen Werder Bremen die komplette Hintermannschaft des Gegners inklusive Torhüter und traf – ein Traumtor, das er durch einen weiteren Treffer an diesem Nachmittag ...

Von Ullrich Kroemer 29.08.2017, 09:06
Naby Keita und RB Leipzig trennen sich nächstes Jahr.
Naby Keita und RB Leipzig trennen sich nächstes Jahr. dpa-Zentralbild

Es ist gerade einmal zehn Monate her, dass Naby Keita seinen ersten glanzvollen Auftritt im Trikot von Leipzig hatte. Den Ball eng am Fuß umkurvte der Guineer im Heimspiel gegen Werder Bremen die komplette Hintermannschaft des Gegners inklusive Torhüter und traf – ein Traumtor, das er durch einen weiteren Treffer an diesem Nachmittag krönte.

Am Morgen danach stand der schüchterne Ausnahmefußballer auf dem Trainingsplatz und musste über seinen Doppelpack und seine Herkunft aus der Vorstadt von Guineas Hauptstadt Conakry berichten. Es war das Wochenende, an dem Naby Keitas Stern aufging in Leipzig. Fortan war der Mann für die besonderen Momente nicht mehr wegzudenken aus dem Leipziger Spiel.

Finanzieller Coup für RB Leipzig

Seit Dienstagfrüh steht nun endgültig fest, dass Keita die Leipziger für insgesamt etwa 70 Millionen Euro Richtung Anfield Road verlassen wird. Dass das erst im kommenden Sommer passieren wird und nicht schon in dieser Transferperiode, ist angesichts des überhitzten Transfermarktes, der horrenden Summen und Keitas Qualität das eigentlich Erstaunliche an dem Transfer.

Denn dass Keita die Messestadt nach dieser Saison verlassen würde, stand bereits vorher fest. Seine Berateragentur Arena11, der auch Leipzigs erster Präsident Andreas Sadlo angehört, hatte eine Ausstiegsklausel nach zwei Jahren in Höhe von über 55 Millionen Euro vereinbart. Weil Liverpool sich diesen Vorvertrag nun leistungsabhängig zehn bis 20 Millionen extra kosten lässt, hat Rasenballsport auch finanziell das Bestmögliche herausgeholt.

RB Leipzig bot Keita-Deal mehreren Topklubs an

Interessant: RB Leipzig kam selbst auf die Idee, einen Vorvertrag anzubieten und wandte sich an verschiedene Topklubs – unter anderem auch dem FC Barcelona. Doch der FC Liverpool griff am schnellsten zu. Eine sogenannte Win-win-win-Situation für beide Klubs, Keita und seine Berater, den es zu einem Klub mit großem Namen drängt, der internationales Renommee hat und deutlich mehr Gehalt zahlen kann als RB Leipzig.

Angesichts des wochenlangen Hickhacks um Ousmane Dembélé oder den 222-Millionen-Euro-Transfer von Neymar, was viele Fans und Beobachter als Perversion des Fußballgeschäfts wahrnehmen, lief der Deal zwischen Keita, Liverpool und Leipzig geräuschlos und fair für alle Beteiligten ab: kein Spieler-Streik, keine Debatte um das moralisch verkommene Fußballgeschäft, kein öffentliches Gezerre zwischen den Klubs um fantastische Ablösesummen. Und dass der Dribbler und Stratege bis zuletzt alles für RB Leipzig geben wird, bezweifelt keiner, der den ehrgeizigen Kicker auf dem Spielfeld erlebt.

Keita-Abgang wird für Unruhe im RB-Kader sorgen

Und dennoch ist Keitas Abgang auch eine Gefahr für RB. Der früh feststehende Wechsel ist ein Zeichen für die weiteren Stars im Team, dass RB seinen besten Spieler abgeben muss. Auch Emil Forsberg, der Leipzig ebenfalls schon gern in diesem Sommer verlassen hätte, wird früh einen Wechsel forcieren; ebenso Timo Werner. Zwar haben weder Forsberg noch Werner eine Ausstiegsklausel im Vertrag. Doch ihre Wechselabsichten dürften durchaus weitere Unruhe ins Team bringen. Keine einfache Saison für Ralf Rangnick & Co.

Es ist nun an den Leipziger Verantwortlichen zu verhindern, dass es zu einem Ausverkauf kommt, wenn etwa zum Saisonende feststeht, dass RB nicht erneut in der Champions League vertreten sein sollte. Doch bis es soweit ist, haben die Leipziger Fans noch 32 Bundesligapartien, mindestens sechs Champions-League-Spiele sowie minumum einen DFB-Pokal-Auftritt Gelegenheit, um Naby Keita – den Künstler am Ball – zu bestaunen. (mz)