Heimspiel gegen Dortmund

Heimspiel gegen Dortmund: Charity Bulls ermöglichen bedürftigen Kindern Stadionbesuch

Leipzig - Der unabhängige Verein „Charity Bulls“ bringt bedürftige Kinder ins RBL Stadion.

Von Ullrich Kroemer 06.09.2016, 17:54

Die Szene, die Wolfgang Tetzel in der vergangenen Saison am Kartenschalter vor dem Leipziger Stadion erlebte, brachte den Juristen zum Nachdenken. Tetzel stand vor einem Spiel von RB Leipzig mit seinen beiden Söhnen, fünf und zehn Jahre alt, in der Warteschlange, um am Spieltag noch Karten zu kaufen. Einige Meter weiter vorn am Kassenhäuschen drehte plötzlich ein Vater – ebenfalls mit zwei Kindern – ohne Tickets wieder ab. Da nur noch Karten in teuren Kategorien zu haben waren, musste er seinen Söhnen mitteilen: „Das ist zu teuer, das können wir uns nicht leisten.”

Tetzel sagt: „Ich konnte mich in die Situation gut hineinversetzen, da ich weiß, wie wichtig ein solches Stadionerlebnis für Kinder in dem Alter sein kann und wie groß die Enttäuschung gewesen sein muss, ohne Stadionbesuch nach Hause zu gehen.” Daraufhin beschloss der 37-Jährige mit Freunden und Mitstreitern, sozial benachteiligten Familien Zugang zum Leipziger Bundesliga-Fußball zu ermöglichen.

Charity Bulls organisieren 32 RBL-BVB-Karten für bedürftige Kinder

Im August dieses Jahres wurde der gemeinnützige Verein Charity Bulls gegründet. „Wir kombinieren unser Interesse für RB mit dem Anspruch, Kindern und ihren Eltern Besuche im Stadion zu ermöglichen”, sagt Tetzel. Dass das Projekt komplett auf Privatinitiative beruht, macht das Engagement der Leipziger umso authentischer und unterstützenswerter.  

Noch vor der offiziellen Vereinsgründung hatten sich die Charity Bulls an RB-Sponsor Porsche gewandt, der die Idee unterstützt und für das erste Heimspiel gegen den BVB nicht nur Eintrittskarten für elf Kinder und je eine Begleitperson zur Verfügung stellte, sondern den Kids sogar das Erlebnis ermöglicht, an den Händen der Stars von RB Leipzig und Borussia Dortmund auf das Spielfeld zu laufen. Das tun sie gemeinsam mit den Kindern, die die MZ in einer Aktion gesucht hatte.

Dazu finanzieren die Charity Bulls weitere zehn Karten aus der Vereinskasse, sodass durch die Initiative bei der Bundesliga-Heimpremiere von RBL insgesamt 20 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen fünf und 14 Jahren sowie zwölf Begleitpersonen dabei sein werden. Allesamt Stadionbesucher, die sich eine Karte für das Bundesliga-Topspiel wohl nie hätten leisten können. Noch bevor das Spiel überhaupt stattgefunden hat, erreichten Tetzel & Co. bereits jede Menge dankbarer und aufgeregter Reaktionen der Kinder. „Das zeigt uns, dass unser Verein gebraucht wird”, sagt Tetzel.

Vereinsgründer Tetzel: „Hätten 50 Kindern Freude machen können”

Damit die Hilfe tatsächlich Kinder aus bedürftigen Familien erreicht, arbeiten Tetzel und seine Mitstreiter mit Organisationen wie der Leipziger Kinder und Jugendhilfe Plan L sowie einer Sozialarbeiterin der Leipziger Uniklinik zusammen. Der Kontakt zu weiteren sozialen Trägern ist geknüpft. „Wir hätten schon jetzt etwa 50 Kindern eine Freude machen können”, sagt Tetzel. Doch mehr als die 32 Karten waren aktuell nicht zu bekommen.

So wollen die Charity Bulls auch den direkten Kontakt zu RB Leipzig noch intensivieren. Denn auch für die kommenden Heimspiele will der Verein Kindern aus schwierigen Verhältnissen und ihren Eltern und Betreuern eine Freude bereiten. Darüberhinaus steht das nächste Großprojekt bereits ins Haus: Der Sponsor hat den Charity Bulls bereits zehn Plätze für ein RB-Fußballcamp in den Herbstferien zugesagt. (mz)

Neue Vereinsmitglieder sind den Charity Bulls herzlich willkommen. Da Facebook- und Webseite noch im Aufbau sind, ist der Verein derzeit am besten unter der Mailadresse info@charitybulls.de zu erreichen.