Heimkehr mit gemischten Gefühlen

Heimkehr mit gemischten Gefühlen: FCA-Trainer Schuster vor dem Spiel in Leipzig

Leipzig - Freitag empfängt RB Leipzig den FC Augsburg.

Von Martin Henkel
Trainer vom FC Augsburg Dirk Schuster dpa

Freitag empfängt RB Leipzig den FC Augsburg. Vor einem Jahr wäre diese Partie noch als Spitzenspiel der Kategorie II durchgegangen.

Der FCA spielte schließlich in der Europa League. Doch die bayerischen Schwaben hatten damit so ihre Probleme, strauchelten, gerieten in Abstiegssog, Ende der Saison verließ Trainer Markus Weinzierl den Klub. Er wechselte zum FC Schalke 04 und Augsburg holte stattdessen Dirk Schuster, der mit Darmstadt von der 3. in die 1. Liga aufgestiegen war und vergangene Saison die Liga hielt.

Ein erstaunliches Kunststück, wenn man bedenkt, dass Schuster vor neun Jahren noch mit dem Landesligisten FC Alemannia Wilferdingen über die badischen Äcker zog. Als Spieler.

Schusters Fußballleben

Doch ganz so erstaunlich ist diese Trainerwerdung des gebürtigen Chemnitzers dann doch nicht, wenn man genauer in sein Curriculum vitae blickt. Denn sie ist quasi folgerichtig.

In Schusters Leben hat es wenig anderes gegeben als Fußball. Jemals. Der Vater war Fußballer beim FC Karl-Marx-Stadt (Meister 1967), die Jugend bestand aus Fußball beim FCK, Schuster wurde Junioren-DDR-Meister, wurde Junioren-Europameister, wurde U-20-WM-Dritter.

Nach der Wende ging er nach Braunschweig und Karlsruhe, um dort unter dem mythischen Winfried Schäfer den großen Fußball verstehen zu lernen, wechselte nach Köln, Antalyaspor, Mödling, Ahlen, Wilhelmshaven, Mannheim, Durlach und eben Wilferdingen – und von dort auf die Schulbank der DFB-Trainerakademie. Er schloss dort den 54. Jahrgang als Klassenbester ab.

Schusters Trainerkarriere: Jahre des Aufstiegs

Das war 2007, zwei Jahre später wurde er Trainer der Stuttgarter Kickers, mit denen stieg er in die 3. Liga auf. Schuster heuerte wenig später bei Darmstadt 98, stieg mit denen in die 2. und 1. Liga auf. Und ist jetzt in Augsburg, wo er Freitag auf RB Leipzig trifft, dem sächsischen Ost-Bundesligisten, zu dem auch Dirk Schuster so seine Meinungen hat.

Herr Schuster, ist der von Red Bull alimentierte Gegner gut oder schlecht für den hiesigen Fußball?

Schuster: Ich möchte mich an dieser Diskussion gar nicht groß beteiligen. Der Verein ist von der Deutschen Fußballliga für die 1. Liga zugelassen und hat dann auch irgendwo seine Berechtigung mitzuspielen.

Was bedeutet dieses Spiel für den FC Augsburg?

Schuster: Wir wollen in Leipzig bestehen, ein gutes Spiel machen und mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause gehen. Das heißt, wir wollen was mitnehmen. Wir werden alles rausfeuern.

Wer ist Favorit? Augsburg hat vergangene Saison Europa League gespielt, RB ist Neuling.

Schuster: Ja, aber sie haben noch kein Spiel verloren. Und man hat es gegen den BVB gesehen, Leipzig kann jedem Gegner gefährlich werden. Sie haben es gegen Gladbach gut gemacht, sie haben es in Köln sehr gut gemacht und gegen den HSV mal eben 4:0 gewonnen. Das schärft schon die Sinne bei uns. Aber ich denke, wir wissen, wie wir sie ein bisschen zum Stehen bringen.

Für einen Aufsteiger sind die ersten Auftritte in einer Liga, die kaum einer der Spieler kennt, beachtlich. Oder?

Schuster: Ich finde RB Leipzigs Start tatsächlich sehr beeindruckend. Auch für uns, wie souverän sie ihre Spiele angegangen sind, wie sie sie gestaltet haben. Sie haben ihre Art von Fußball von der ersten bis zur letzten Minute durchgezogen und sich auch nicht vom BVB verunsichern lassen, von Gladbach in keinster Weise beeinflussen lassen und in Hamburg ihren Stiefel durchgezogen. Das war für uns schon ein bisschen überraschend, aber damit haben wir auch gerechnet.

Sie kennen RB Leipzig noch sehr gut aus gemeinsamen Zeiten mit Darmstadt in der 3. und 2. Liga. Wie ist das damals gewesen?

Schuster: Sehr umkämpft. In jedem Spiel. Ich erinnere mich noch gut an das späte, späte Siegtor der Leipziger gegen uns, ls ihr Schlussmann Fabio Coltorti das Ding nach einer Ecke reinmacht. Aber wir sind in dieser Saison trotzdem aufgestiegen. Das war schon was wert, von den Bedingungen her war das ja wie Äpfel und Birnen – einfach nicht zu vergleichen.

Worauf muss sich ihre Mannschaft einstellen?

Schuster: Auf ein volles Stadion, auf Menschen, die ihre Mannschaft frenetisch bejubeln und auf schnellen, aggressiven Fußball. Ich denke, dass die Leipziger sich noch mal weiter entwickelt haben. Aber wir haben vielleicht das eine oder andere gesehen, wie wir sie knacken können.

Es heißt in den alten Bundesländern oft, lasst RB machen, das ist immerhin gut für den Fußball in der Region. Sie sind Sachse, in dieser Region kennen Sie sich also gut aus. Wie ist das aus ihrer Sicht für die Menschen und RB in der alten Heimat?

Schuster: So weit ich das mitbekomme, ist da schon viel Euphorie. Ich glaube, für den ostdeutschen Fußball, für die Region ist es eine unglaublich gute Geschichte, wenn dort wieder Bundesligafußball aus der 1. Liga vertreten ist und die Leute wieder Spiele anschauen können. Wenn die großen Mannschaften kommen wie Bayern München, wie Borussia Dortmund. Ich denke, den Leuten ist dort sehr geholfen, wenn sie einerseits ein bisschen Abwechslung haben und dass sie sich an den Spielen und ihrem Verein erfreuen können.

Wie stehen Sie zu dem Verein und den finanziellen Möglichkeiten durch seinen potenten Sponsor?

Schuster: Natürlich wäre mir der Chemnitzer FC in der 1. Liga lieber gewesen als RB, das ist mein Heimatverein. Aber es ist nun mal so, wie es gekommen ist und ändern kann ich das sowieso nicht. Und dass in Ostdeutschland Bundesligafußball gespielt wird, finde ich, wie gesagt, eine gute Sache. Alles andere ist mir egal.

Ihr Spieler Martin Hinteregger kam im Sommer vom Red-Bull-Mutterklub Salzburg. Angeblich hat er ein Angebot von RB Leipzig abgelehnt. Säter hat er ausgeteilt und gemeint, Leipzig würde Salzburg ausbluten. Wie finden Sie das?

Schuster: Martin ist alt genug, er kann seine eigene Meinung haben. Ich habe damit kein Problem. Wie er verschiedene Sachen sieht, das muss er sich für sich selber entscheiden. Die Gefühle, die er da offensichtlich hat, die kann ihm ja keiner verbieten.

Das vielerorts kontrovers diskutierte Thema RB Leipzig tangiert sie nicht nur in Form von Martin Hinteregger und dem früheren RB-Spieler Georg Teigl, sondern ihre Anhänger wollen nicht nach Leipzig fahren. Stattdessen werden sie am so genannten Traditionstag das Spiel der U 23 am Samstag besuchen. Wie geht es Ihnen damit?

Schuster: Wir hätten schon Unterstützung gut gebrauchen können. Auf der anderen Seite respektieren wir diese Entscheidung. Es gibt viele verschiedene Beweggründe, warum das so ist. Die Ultras haben dem Trainerteam einen Brief geschrieben, worin sie das begründen und für mich ist das so, dass wir mit den Ultras eine Fangruppe an unserer Seite haben, die uns in jeder möglichen Situation unterstützt. Und deshalb tragen wir solche Aktionen mit, in dem wir sie akzeptieren.

(Das Interview wurde aufgezeichnet.)