RBL vor dem Bayern-Spiel

Fc Bayern vs. RB Leipzig: Hasenhüttl-Team strotzt vorm Topspiel vor Selbstbewusstsein

Leipzig - Ralph Hasenhüttl, Trainer von RB Leipzig, wollte am Sonntag noch nicht über das Topspiel beim FC Bayern reden. Stattdessen blickte er zurück auf das 2:0 gegen Hertha BSC.

Von Martin Henkel und Ullrich Kroemer 19.12.2016, 09:28
Willi Orban wird nach seinem Treffer von den Mitspielern geherzt.
Willi Orban wird nach seinem Treffer von den Mitspielern geherzt. imago sportfotodienst

Der Konzentrationsprozess eines Profifußballers auf die nächste Partie umfasst verschiedene Phasen. Dazu gehört auch, das vergangene Spiel zu verarbeiten, um sich dann umso fokussierter auf die kommende Partie einstellen zu können.

So mochte Ralph Hasenhüttl am Sonntag noch gar nicht so viel über das Gipfeltreffen zwischen RB Leipzig und dem FC Bayern München am Mittwoch sprechen – zumindest nicht mit seinen Spielern. Auch wenn das medial bestimmende Thema beim Auslaufen auf dem Trainingsgelände am Cottaweg natürlich das Spitzenspiel zwischen Rekordmeister und Rekordaufsteiger war, sagte RB Leipzig Erfolgstrainer: „Ich will, dass sich meine Mannschaft heute noch den Tag Zeit nimmt, um sich darüber zu freuen, was sie am Samstag geleistet hat.“

Hertha gegen RB Leipzig ohne echte Torchance

Hasenhüttl tat gut daran, seine Mannschaft die Freude über den 2:0 (1:0)-Erfolg gegen Hertha BSC am Samstag auskosten zu lassen. Denn das, was die Leipziger gegen den Ligadritten geboten hatten, war außergewöhnlich. So beeindruckend wie gegen die Hauptstädter hatte der Aufsteiger noch kein Spiel dominiert. Hertha BSC hatte bis auf einen Freistoß in der Anfangsphase keine einzige Torchance; RB Leipzig schnürte das Team von Trainer Pal Dardai regelrecht in der eigenen Hälfte ein, hatte über 60 Prozent Ballbesitz.

Zwar hatte der Neuling auch gegen Augsburg, Bremen oder in Darmstadt Defensiv-Bollwerke spielerisch aufbrechen müssen. Doch die Art und Weise, wie Rasenballsport die Hertha beherrschte, war eine Machtdemonstration und neue Dimension von Leipzigs Ballbesitz-Fußball-Fähigkeiten. „Der Ball lief sehr rund, das war perfekt. Wir haben gezeigt, dass das auch in uns steckt“, sagte Mittelfeld-Motor Diego Demme. So musste Hertha-Trainer Dardai bekennen, dass RB „einen Tick zu schnell“ für die „Alte Dame“ gewesen sei. „Heute war nichts drin für uns, nicht mal ein Punkt.“

Peter Gulacsi: „Heute war es ein bisschen schwer für mich“

Die Tore von Timo Werner nach herrlichem Schnittstellenpass von Naby Keita (41.) und per Kopf von Willi Orban nach einer Ecke von Emil Forsberg (62.) fielen auch noch genau zur richtigen Zeit. Hertha hingegen brachte keinen einzigen Ball auf das Tor von RB-Keeper Peter Gulacsi, der wohl am kalten Samstagnachmittag der einzige Leipziger war, der nicht unbedingt zu beneiden war. Eingepackt in einer dicken Winterjacke sagte der Ungar nach dem Spiel: „Heute war es ein bisschen schwer für mich, weil ich wirklich gar nichts aufs Tor bekommen habe“, und ergänzte verwundert: „Nicht einmal Flanken. Aber das zeigt nur, wie gut wir gespielt haben.“

So musste Hasenhüttl am Morgen danach die Frage beantworten, ob das angesichts der Berliner Arbeitsverweigerung überhaupt ein richtiges Spitzenspiel gewesen sei. „Wir sind besser aus der Niederlage herausgekommen“, sagte der Österreicher. „So, wie wir aufgetreten sind, war das das Spiel einer Mannschaft, die zu Recht da vorn steht.“

Denn genau das war ja die Frage vor diesem Spiel gewesen: Ob die erste Saisonniederlage von RB Leipzig in Ingolstadt spurlos an dem jungen Team vorübergehen würde oder ob die Leipziger wie einst Hoffenheim 2008/09 einbrechen würden.

Stefan Ilsanker: „Wir waren richtig geil auf die Partie“

Doch wenn die Pleite beim Tabellenletzten überhaupt eine Auswirkung auf das Match gegen Hertha hatte, dann höchstens als Extra-Motivation. „Wir waren richtig geil auf die Partie“, sagte Innenverteidiger Stefan Ilsanker. Und Hasenhüttl lobte nach der Partie: „Ich wollte eine Reaktion sehen, und meine Mannschaft hat mich nicht enttäuscht. Wir haben von den ersten Sekunden an gezeigt, was wir wollen.“

Vor der Begegnung hatten die Verantwortlichen bei RB Leipzig das Duell gegen Hertha als das wichtigere der beiden Spitzenspiele zum Jahresende eingestuft. Zu Recht, denn nach dem Triumph haben die Leipziger nun bereits zehn Punkte Vorsprung auf Rang fünf, der nicht zur Qualifikation für die Champions League berechtigt.

Umso interessanter wird nun das Spitzenspiel zum Jahresabschluss in München. Ilsanker formulierte bereits am Samstagabend die psychologische Ausgangssituation: „Wir müssen nicht, aber wir wollen und wir können, wie man gegen Hertha wieder gesehen hat. Von daher gehen wir mit breiter Brust und Riesen-Vorfreude in dieses Spiel.“

Diego Demme, der am Samstag seinen Vertrag bis 2021 verlängerte, ließ sich dann doch noch eine Ansage in Richtung FCB entlocken: „Wenn alles perfekt läuft“, sagte er, „können wir die Bayern vielleicht bezwingen.“