Kommentar

RB Leipzig bei Bayern München: Wieso der FCB den Leizpigern noch voraus ist

Leipzig - RB Leipzig und der FC Bayern München – das war bereits am späten Samstagnachmittag das alles beherrschende Thema. Das war auch so am Tag nach dem 2:0 gegen Hertha BSC. Und es wird das Topthema des letzten Spieltages vor der Winterpause sein. Mittwochabend, Allianz-Arena in München, Anstoß 20 Uhr, Erster gegen Zweiter, es geht um den deutschen ...

Von Martin Henkel 18.12.2016, 00:00

RB Leipzig und der FC Bayern München – das war bereits am späten Samstagnachmittag das alles beherrschende Thema. Das war auch so am Tag nach dem 2:0 gegen Hertha BSC. Und es wird das Topthema des letzten Spieltages vor der Winterpause sein. Mittwochabend, Allianz-Arena in München, Anstoß 20 Uhr, Erster gegen Zweiter, es geht um den deutschen Jahresendmeister.

Von diesem Titel kann man sich bekanntlich nichts kaufen. Es gibt ihn ja nicht einmal offiziell. Trotzdem erstaunte es einigermaßen, wie wenig sich der Trainer und die Spieler von RB Leipzig mit dem kommenden Spiel und dem kommenden Gegner beschäftigen wollten. Diego Demme etwa, der unter der Woche seinen Vertrag mit den Bullen bis 2021 verlängert hatte, wurde am Sonntag vier Mal gefragt: „Und, jetzt die Bayern - wie ist das so?“

Schlägt RB Leipzig auch die Bayern? Warum nicht?

Und viermal antwortete Demme: „Wir genießen jetzt erstmal das Spiel, das wir gewonnen haben. Mit den Bayern beschäftigen wir uns ab Montag.“ Coach Ralph Hasenhüttl sah das nicht anders, lieferte aber wenigstens eine Erklärung dafür mit. „Es ist ein Problem unserer heutigen Zeit, dass man sich keine Zeit mehr nimmt, über das zu freuen, was man erreicht hat. Der Fokus liegt immer auf dem, was kommt. Das wollte ich nicht. Meine Spieler sollen sich erstmal freuen über ihren Sieg gegen Hertha.“

Den Erwartungen, die rund um den Aufsteiger und Liga-Neuling durch eine exzellente Hinrunde ins Kraut geschossen sind, liefen diese Haltungen natürlich zuwider. Jetzt, nachdem RB elf seiner 15 Spiele gewonnen und nur eines verloren hat (gegen Ingolstadt vergangene Woche), sind alle Frage auf die Fähigkeiten der Sachsen gerichtet, vielleicht ja auch den Branchen-Krösus schlagen zu können. Warum auch nicht?

Keine Leipziger Kirmesfahrt nach München

Weil das Spiel gegen die Bayern keines sein wird wie die anderen zuvor. Weil die Bayern die Bayern sind, der Rekordmeister, die mit Abstand talentierteste deutsche Fußballmannschaft. Genau deshalb bezeichnte Demme die Partie als „Bonus-Spiel“. Und Hasenhüttl als „Belohnung“.

Mitnichten wird die Fahrt nach München deshalb eine Kirmes-Fahrt. Niemand bei RB hat vor, sich von den Bayern vorführen zu lassen. Aber die eigenen Erwartungen korrespondieren auch dieses Mal mit einem klaren Blick auf das, was Sache ist. Und diese Sache ist ein Duell zwischen Aufsteiger und deutschem Meister, zwischen Neuling und Branchenprimus. Deshalb Bonus und Belohnung. Hasenhüttl sagte erstmals: „Es geht darum, Spaß zu haben.“

Das wahre Jahresabschlussspiel ist nämlich das mit Hertha gewesen. Gegen die Berliner nicht zu verlieren, hieß zu zeigen, dass Niederlagen wie die gegen Ingolstadt tatsächlich normal sind. Und zwar so normal, dass es danach weitergeht wie in der Manier davor. Schütteln, abhaken, Einstellung und Fokus wieder scharfstellen. RB hat diese Lektion mit Bravour gemeistert.

Bayern München gehört (noch) nicht in die Leipziger Fußballwelt

Hertha nämlich gehört in Leipzigs Lebenswelt. Dorthin, wo die Aufsteiger aufgrund ihrer Herkunft, ihres Status quo, ihres Vermögens und Entwicklungsalters „zu Hause“ sind. Wo sie auf Augenhöhe agieren. Die Bayern hingegen gehören (noch) in eine andere Welt. Da will RB zwar eines Tages hin. Aber nicht schon an diesem Mittwoch.

Gewinnen die Sachsen deshalb vielleicht sogar gegen die Bayern – schön. Spielen sie remis – großartig. Und verlieren sie, dann wird das nicht einmal im Ansatz ein Drama sein. Das war die Botschaft, die Samstag und Sonntag ausgesandt werden sollte. Eher noch könnte RB die Niederlage dazu nutzen, um das Mantra der vergangenen Wochen endlich mit Leben zu füllen. Und zwar em: Nein, wir spielen nicht um die deutsche Meisterschaft! Sie sind ja bekanntlich nicht blöd beim Aufsteiger. Wie heißt es bei Jean Jacques Rousseau in „Emile oder über die Erziehung"? „Willst du in deiner größten Kraft sein, dann lebe nicht unterhalb deiner Talente. Und nicht darüber!“