Champions-League-Auftakt

Champions-League-Auftakt: AS Monaco vor Spiel gegen RB Leipzig

Leipzig/Monaco - 36 Mal hintereinander hatte die AS Monaco in einem Spiel der französischen Ligue A immer ein Tor geschossen. Mindestens. Egal ob auswärts oder daheim. Doch dann musste der amtierende französische Meister Sonntag nach Nizza zum Team des früheren Bundesligatrainers Lucien Favre - und kassierte im Mittelmeerderby vier Gegentore ohne selbst wenigstens ein Mal getroffen zu haben.

Von Martin Henkel 12.09.2017, 13:50
Monacos Trainer Leonardo Jardim.
Monacos Trainer Leonardo Jardim. dpa

So eine schöne Serie: dahin! 36 Mal hintereinander hatte die AS Monaco in einem Spiel der französischen Ligue A immer ein Tor geschossen. Mindestens. Egal ob auswärts oder daheim. Doch dann musste der amtierende französische Meister Sonntag nach Nizza zum Team des früheren Bundesligatrainers Lucien Favre - und kassierte im Mittelmeerderby vier Gegentore ohne selbst wenigstens ein Mal getroffen zu haben. Herrje, immer wieder Nizza. Das letzte Spiel ohne eigenen Treffer war ebenfalls ein 0:4 gegen den Nachbarn.

Monacos Trainer Leonardo Jardim: „Unser Sturm ist eine einzige Baustelle“

„Unser Sturm ist eine einzige Baustelle“, stöhnte nach dem Spiel Monacos Trainer Leonardo Jardim. Verwunderlicherweise, denn wenn es etwas gibt, dass den Ausverkauf der Mannschaft nach der meisterlichen Vorsaison mit dem Halbfinaleinzug des Fürstentumklubs in der Champions League weitgehend unbeschadet überstanden hat, dann war es der Sturm. Zwar musste die AS Youngster Kylian Mbappe auf Leihbasis zu Paris St. Germain ziehen lassen. Aber an die Schlüsselspieler Thomas Lemar und Radamel Falcao legte keine europäischer Klub Hand an. 

Generalprobe vor dem Champions-League-Auftakt gegen RB Leipzig zum Vergessen

Trotzdem war die Generalprobe vor dem Champions-League-Auftaktspiel gegen RB Leipzig diesen Mittwoch in der Red-Bull-Arena (20.45 Uhr) eine zum Vergessen. Die L’Equipe knöpfte sich den harmlosen Sturm vor. „Gespenstisch“ sei der Auftritt Lemars gewesen, titelte das französische Fachblatt. Sturmpartner Rony Lopes sei ähnlich unterwegs gewesen. Und der Kolumbianer Falcao? „Lief mit gesenktem Blick über den Rasen.“

Die Pleite kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt für Monaco, möchte man meinen. Auch wenn Vorsicht geboten ist, Generalproben können ebenfalls dazu dienen, Dellen in Gefüge und Gemüt noch rechtzeitig behandeln zu können. Doch es kann auch gut ins Bild passen, dass der AS mit stark verändertem Kader vielleicht der Euphorieschub aus der vergangenen Spielzeit am Wochenende ausgegangen ist. Die ersten vier Ligaspiele hatte AS noch gewonnen.

AS Monaco: Reich, aber für Spieler selten attraktiv

Erstmals nach 2000 hatte der Klub aus dem europäischen Miniaturstaat vergangene Saison mal wieder die französische Meisterschaft gewonnen. Auf einer Welle war der zwar reiche, aber für Spieler selten attraktive Verein am noch reicheren Abonnementmeister der letzten Jahre, PSG, vorbeigerauscht und hatte sich auch in der Königsklasse bis ins Halbfinale gespielt. Dort erst war die AS an Juventus Turin gescheitert.

Ganz Europa rieb sich die Augen. Ein brillanter Mbappe, ein verjüngter Falcao, von dem man angenommen hatte, er habe sein Talent beim FC Chelsea liegengelassen, dazu ein nicht minder brillanter offensiver Mittelfeldspieler Lemar, sowie der exzellente Linksverteidiger Benjamin Mendy, Rechtsaußen Bernardo Silva und der defensive Mittelfeldmann Tiemoué Bakayoko: Jardim hatte im dritten Amtsjahr endlich ein Team zusammen, das zwar immer noch Mauerfußball mit Konterspiel kombinierte – das aber auf exquisitem Niveau. 

Trotz 100 Millionen Euro von Arsenal: Lemar wollte doch lieber in Monaco bleiben

Wie das allerdings so geht in Europa, langten im Sommer die Großklubs zu. Mendy und Silva wechselten für zusammen 107 Millionen Euro zu Manchester City, Bakayoko ging für 40 Millionen Euro zu Chelsea – und hätte PSG nicht schon 222 Millionen Euro für Neymar ausgegeben, wäre Mbappe bestimmt für kolportierte 160 Mio. in die Hauptstadt gewechselt. So aber wurde nur eine Leihe daraus, geschuldet den Financial-Fairplay-Regeln der Uefa. Kommenden Sommer aber darf Paris den Stürmer kaufen. 

Lediglich Falcao und Lemar wurde verschont. Falcao, weil er mit 31 zu alte ist für den Markt. Und Lemar, weil er nicht wollte. Liebend gern hätten Arsenal London, der FC Liverpool oder Manchester United den 21-Jahre alten Franzosen auf die Insel transferiert. Aber ein Wechsel scheiterte anfangs an den Forderungen der Monegassen. Wenn schon die halbe Mannschaft vertickern, dann richtig. Monaco schlug mehrere Angebote über bis zu 60 Millionen Euro aus. Am letzten Transfertag bot Arsenal 100 Millionen Euro. Der Deal scheiterte aber, weil Lemar doch lieber in Monaco bleiben wollte.

RB-Leipzig-Zugang Kevin Kampl: Für keine Spitzenmannschaft ist es leicht, Stammspieler abzugeben und das Niveau zu halten

Seitdem freilich läuft es mies. Der Nationalspieler hat in noch keinem Ligaspiel getroffen und auch noch kein Tor aufgelegt. Was das für die Partie gegen Leipzig bedeutet, wird man sehen. RB-Zugang Kevin Kampl hat nach dem 2:0 gegen Hamburg am Freitag darauf hingewiesen, dass es für keine Spitzenmannschaft leicht ist, derart viele Stammspieler abzugeben und dabei das Niveau zu halten. 

Ein Punktelieferant wird dennoch nicht zu Besuch kommen. Das bezeugen die vier Siege vor der Pleite gegen Nizza. RB muss aber auch nicht bange werden. Die Zugänge Keita Baldé, Youri Tielemans, Terence Kongolo, Stevan Jovetic oder Diego Benaglio sind keine Überflieger. Monaco hat sie von Lazio Rom, dem RSV Anderlecht, Fernoord Rotterdam, Inter Mailand und vom VfL Wolfsburg verpflichtet. Und: von den wenigen übriggebliebenen Meisterspielern aus dem Vorjahr fällt einer aus. Dienstag vermeldete Monaco, Lemar werde verletzungsbedingt fehlen. Noch eine Baustelle mehr. (mz)