Bundesliga-Topspiel

Bundesliga-Topspiel: Wie RB Leipzig beim FC Bayern bestehen will

Leipzig - RB Leipzig macht sich vor dem Spitzenspiel bei Bayern München Mut und ahnt: Nur als Team hat der Aufsteiger eine Chance.

Von Ullrich Kroemer 20.12.2016, 11:58
Nur als Team: Die Mannschaft von RB Leipzig nach dem Sieg gegen Hertha BSC.
Nur als Team: Die Mannschaft von RB Leipzig nach dem Sieg gegen Hertha BSC. X90145

Als Ralph Hasenhüttl und Ralf Rangnick den Pressekonferenz-Raum in der Leipziger Trainingsakademie betraten, waren zehn TV-Kameras auf die Chefstrategen von RB Leipzig gerichtet. Handgezählter Vereins-Rekord. Dazu klickten die Auslöser zahlreicher Fotoapparate, die Journalisten im proppevollen PK-Raum am Cottaweg tippten eilig Nachrichten in ihre Notebooks.

Das Spitzenspiel zwischen Tabellenführer Bayern München und dem punktgleichen Verfolger aus Leipzig wirft auch medial seine Schatten voraus.

Ralph Hasenhüttls Saisonziel: "Nie etwas mit dem Abstieg zu tun haben"

Das letzte Mal, als Hasenhüttl und Rangnick gemeinsam dieses Podium betraten, ist fünf Monate her, es wirkt wie eine kleine Ewigkeit. Anlass war seinerzeit die Präsentation des Österreichers als neuer Cheftrainer. Der frühere Stürmer hatte damals das eher defensive Ziel ausgegeben, „nie etwas mit dem Abstieg zu tun haben“ zu wollen. Die Prognose, dass sein Team fünf Monate später ein Spitzenspiel beim FC Bayern absolvieren würde und sogar als Tabellenführer in die Winterpause gehen könnte, hätte den bodenständigen Hasenhüttl damals wohl abwechselnd erheitert oder erzürnt.

Doch bekanntlich ist es genauso gekommen, weshalb nun ganz Fußball-Deutschland auf die Partie am Mittwochabend schaut. Doch trotz des Hypes um dieses Spiel gehen die Verantwortlichen beim Red-Bull-Klub regelrecht entspannt mit dem Duell gegen den Rekordmeister um. Druck, das vermitteln Spieler und Verantwortliche glaubhaft, verspüren sie beim Rekord-Aufsteiger kein bisschen.

Hasenhüttl vor dem Bayern-Spiel: "Wir selber sind auch gespannt, wie wir uns da schlagen"

Warum auch? Für Rasenballsport wäre es kein Beinbruch, als Tabellenzweiter in Schlagdistanz zum Spitzenreiter in die Weihnachtsferien zu gehen. Hingegen „der Gegner“, weiß Hasenhüttl, „würde alles andere als einen Sieg als Majestätsbeleidigung werten“. So sagte Rangnick gelassen: „Solange wir mutig auftreten, über 90 Minuten mit den Tugenden aufwarten, die uns ausmachen, können wir mit jedem Ausgang des Spiels leben.“ Und Hasenhüttl ergänzte lächelnd: „Wir selber sind auch gespannt, wie wir uns da schlagen.“

Doch sie sind bekanntlich ehrgeizig genug bei RB Leipzig, um Coolness nicht mit laxer Einstellung zu verwechseln. Vorfreude und Respekt, aber keine zittrigen Knie lautet die Devise. Seit diesem Montag ist Hasenhüttl bei der Videoanalyse intensiv in die Taktik der Bayern eingetaucht. „Es macht sehr viel Spaß, sich da reinzuknien und Lösungen zu finden, weil es die Mannschaft schlechthin in Deutschland und eine der besten Mannschaften der Welt ist.“

"Bayern ist kein unschlagbarer Gegner"

Freilich verriet der Grazer keine Details, doch er wirkte ganz so, als wüsste er bereits, wie die Münchner zu packen seien. „Bayern hat heuer auch schon Spiele verloren und ist kein unschlagbarer Gegner“, so der RBL-Trainer.

Dass RB Leipzig durchaus selbstbewusst in die Partie geht, untermauerte er nicht nur mit den Ansprüchen an seine eigene Mannschaft, sondern auch mit konkreten Zahlen, wie er den Gegner zu fordern gedenkt. „Wir wollen schon, dass der FC Bayern gegen uns etwas tun muss“, forderte der Bundesliga-Trainer der Stunde. „Ich möchte, dass dieser Gegner auch mal über 110 Kilometer unterwegs sein muss, so dass er am nächsten Tag spürt, dass er gegen RB Leipzig gespielt hat.“

Ralf Rangnick: "Ich traue uns das zu"

Um das Starensemble von Carlo Ancelotti tatsächlich in die Bredouille zu bringen, muss das Leipziger Pressing-Gegenpressing-Spiel wohl so perfekt abgestimmt funktionieren wie noch nie in dieser Saison. So rechnete Hasenhüttl vor: „Wir spielen nicht elfmal eins gegen eins. Da wäre uns Bayern qualitativ überlegen. Wir spielen einmal elf gegen elf.“ Entscheidend sei, wie der Tabellenzweite als Mannschaft auftrete: „mutig, mit einem klaren Plan und Selbstvertrauen“. Und Rangnick ergänzte: „Je mehr wir es zu einem Spiel machen, in dem die Bayern-Spieler das Gefühl haben, sie spielen gegen alle elf von uns gleichzeitig, desto größer ist die Chance, tatsächlich etwas mitzunehmen.“

Um den Bayern tatsächlich Beine zu machen, benötige RBL eine „Leistung am absoluten Limit“, sagte Rangnick. „Gegen Hertha waren wir schon nah dran. Um in München was zu holen, müssen wir wohl sogar noch eine Schippe drauflegen. Ich traue uns das zu.“