Anthony Jung

Anthony Jung: „Ich bin definitiv in Ingolstadt angekommen"

Leipzig/Ingolstadt - Wie ist das für einen, wenn er auf seinen alten Kameraden trifft? Auf seinen Ex-Klub, bei dem er zuletzt nur noch Reservist gewesen ist. Der ihn verliehen hat an einen anderen, und wo er auch nur Reserve war. Bis ein neuer Trainer kam – und jetzt spielt er Startelf. Rechtzeitig, wenn die von früher zu Besuch kommen. Wie also ist er drauf? Er ist bester Laune, klar doch. Und dann gehen auch solche Sätze: „Den einen oder anderen Tritt wird Marcel mir verzeihen ...

10.12.2016, 13:13
Anthony Jung kommt beim FC Ingolstadt regelmäßig zum Einsatz.
Anthony Jung kommt beim FC Ingolstadt regelmäßig zum Einsatz. imago sportfotodienst

Wie ist das für einen, wenn er auf seinen alten Kameraden trifft? Auf seinen Ex-Klub, bei dem er zuletzt nur noch Reservist gewesen ist. Der ihn verliehen hat an einen anderen, und wo er auch nur Reserve war. Bis ein neuer Trainer kam – und jetzt spielt er Startelf. Rechtzeitig, wenn die von früher zu Besuch kommen. Wie also ist er drauf? Er ist bester Laune, klar doch. Und dann gehen auch solche Sätze: „Den einen oder anderen Tritt wird Marcel mir verzeihen müssen.“

Der, der die Tritte wohl empfangen wird, ist Marcel Sabitzer, rechtes Mittelfeld bei RB Leipzig. Der, der sie austeilen will, ist sein Freund aus alten Tagen, Anthony Jung, früher RB Leipzig, jetzt FC Ingolstadt, Linksverteidiger, auf Leihbasis. Es gibt eine Kaufoption, die fällig wird, sobald der FCI die Klasse hält. Am Samstag treffen im Audi-Sportpark beide Klubs aufeinander, der Tabellenletzte gegen den Tabellenersten. 27 Punkte liegen zwischen beiden Teams. Das mit der Klasse halten, das würde Jung ziemlich gut gefallen. Er sagte vor dem Wiedersehen mit dem alten Arbeitgeber und den früheren Kollegen: „Ich fühle mich in Ingolstadt superwohl und bin Teil des Vereins geworden. Ich bin hier definitiv angekommen.“

Anthony Jung: Von der Bank in die Startelf

Eigentlich schien das gar nicht so schwer, anzukommen in Ingolstadt. Von der Bank des alten Vereins weg, auf der Jung eine halbe Saison lang schmorte, nachdem ihn Marcel Halstenberg von der Linksverteidigerposition verdrängt hatte, war das eigentlich ein Selbstläufer. Auch wenn Jungs Freundin immer noch in Leipzig wohnt. Und wenn die alten Freunde auch noch die aktuellen sind. So wie Marcel Sabitzer, wie Rani Khedira, wie Diego Demme. Doch Jung ist auch beim Leihklub nur Ersatz gewesen, Trainer Markus Kauczinski war von den Qualitäten des 25-Jährigen nicht überzeugt. Aber es kommt eben doch oft unverhofft: Kauczinski musste gehen und der Neue steht auf den Pressingspielerfahrenen Linksfuß. Also ist Anthony Jung Stamm, seitdem Maik Walpurgis an der Schanze das Sagen hat. Und deshalb wird er auch gegen RB spielen.

Walpurgis hat den alten Geist zurückgebracht zum FCI, mit dem auch Vorgänger Ralph Hasenhüttl so erfolgreich gewesen ist. Pressen, draufgehen, nerven, kämpfen. „Schweinefußball“, hat das der frühereCoach Bruno Labbadia mal genannt vergangene Saison nach einem 1:1 zwischen dem kleinen FCI und dem großen HSV. Zuletzt gab es vier Punkte in drei Spielen. Jetzt haben sie beim FCI wieder die Hoffnung, dem Abstiegstod doch noch von der Schippe zu springen. Anthony Jung sagt: „Unser Ziel ist der Klassenerhalt, dem ordnen wir alles unter. Ich bin mir sicher, dass wir die Qualität haben, Leipzig vor Probleme zu stellen.“

Spionage für den neuen Klub

Er wird wissen, was gegen RB geht – und was nicht. Auch wenn ihm die Einblicke fehlen, was sich unter Hasenhüttl im Kader des Tabellenersten zuletzt alles verändert hat. Das ist zwar so Einiges, man wird nicht umsonst als Aufsteiger Ligaprimus. Doch Jung stört das nicht. Was er weiß, reicht ihm. „Ich kenne die Spielidee von RB. Und dass sie eine hervorragende Qualität, eine Spielidee und einen guten Trainer haben, weiß ich auch. Wenn es das eine oder andere hinzuzufügen gibt, werde ich in den Vorbesprechungen den Mund aufmachen.“

Nicht untergehen gegen den Neuling vom Elsterflutbecken, das hat Priorität. Also hat Jung alles preisgegeben, was er von Innen weiß. Von den Eigenarten der Spieler. Von der Spielidee, die ja die gleiche ist wie im Vorjahr. Jung hat vor dem Spiel keinen Zweifel daran gelassen, dass die Partie kein Ehemaligen-Treffen wird. Nicht in erster Linie. In zweiter, dritter Bedeutung aber schon. „Es wird schön, die Jungs mal von der anderen Seite zu sehen.“ Was man eben so sagen kann, wenn der Wechsel vom alten zum neuen Klub gelungen ist – fürs Erste. Und die Erinnerungen nicht angenehmer sind als die Gegenwart.