3:1-Sieg in Düsseldorf

3:1-Sieg in Düsseldorf: Selke und Poulsen können’s auch gemeinsam

Düsseldorf/Leipzig - Man mag ja von einstudierten Torjubel-Choreografien halten, was man will. Aber dass Yussuf Poulsen und Davie Selke am Montagabend synchron vor der RB-Fankurve in Düsseldorf groovten, war ein schönes Symbol für die Interaktion der beiden hochveranlagten Stürmer beim 3:1-Auswärtserfolg von RB ...

Von Ullrich Kroemer 12.04.2016, 11:18
Harmonisches Duo: Yussuf Poulsen und Torschütze Davie Selke.
Harmonisches Duo: Yussuf Poulsen und Torschütze Davie Selke. imago sportfotodienst

Man mag ja von einstudierten Torjubel-Choreografien halten, was man will. Aber dass Yussuf Poulsen und Davie Selke am Montagabend synchron vor der RB-Fankurve in Düsseldorf groovten, war ein schönes Symbol für die Interaktion der beiden hochveranlagten Stürmer beim 3:1-Auswärtserfolg von RB Leipzig.

Beim Auswärtstriumph im Rheinland drehten Selke und Poulsen die Partie durch ihre Co-Produktionen zum 2:1 (48., Selke) und 3:1 (73., Poulsen) im Alleingang. Den Ausgleich Ausgleich zum 1:1 (45.+1) hatte Yussuf Poulsen noch ohne Selkes Hilfe erzielen müssen.

"Das war ein Super-Zusammenspiel"

Gelöst sagte Poulsen nach der Partie bei Sky: „Jetzt kann man nicht mehr sagen, dass wir nicht zusammenspielen können. Ich habe sein Tor vorbereitet und er meins – das war ein Super-Zusammenspiel.”

Das war nicht immer so in dieser Spielzeit. Dabei hatte RB-Trainer Ralf Rangnick eigens für sein Sturmduo die Grundordnung vor Saisonstart auf 4-2-2-2 verändert. Doch zunächst tat sich Poulsen schwer, in seinen Spielrhythmus zu finden, brauchte nahezu die gesamte Hinrunde, um in Form zu kommen. Danach fiel Davie Selke in ein monatelanges Formtief, aus dem er sich erst in den vergangenen vier Wochen mit drei Toren wieder befreien konnte. Doch bis auf den gemeinsam herausgespielten Treffer in Nürnberg, der durch die 1:3-Pleite jedoch unterging, hatten beide in dieser Saison noch keine gemeinsamen, konstant guten Szenen.

„Am Anfang der Saison ist es gar nicht gelaufen”, sagte Poulsen. „Bis jetzt hat es nur in Momenten gut ausgesehen. Aber wenn wir zusammen trainieren und gemeinsame Einsätze haben, wird es besser und besser.”

Rangnick: „Freunde, obwohl sie Konkurrenten waren”

Dass Selke und Poulsen in Düsseldorf überhaupt die Chance hatten, gemeinsam zu glänzen, ist Ralf Rangnicks Intuition zu verdanken. Nach der „unterirdischen ersten Hälfte”, so Rangnick, und dem schmeichelhaften Halbzeitstand von 1:1 wäre sicher nicht jeder Trainer auf die Idee gekommen, Angreifer Davie Selke für die zweiten 45 Minuten zu bringen und somit bedingungslos offensiv aufzustellen. So war denn auch der Chefcoach erfreut und erleichtert über seine gelungene Einwechslung. „Es freut mich für die beiden, die hier richtig gute Freunde geworden sind, obwohl sie in den vergangenen Monaten Konkurrenten waren”, sagte Rangnick.

In der Tat: Wie ehrlich sich beide in ihren jeweils schwierigen Saisonphasen unterstützt haben, ist außergewöhnlich. Als etwa Poulsen wochenlang die Bank drücken musste, war er stets einer der ersten euphorischen Gratulanten, wenn Selke getroffen hatte. Andersherum gönnte auch der nach außen etwas unnahbarere Ex-Bremer seinem Sturmpartner „Yussi” die jüngsten Treffer. Keiner von beiden betrachtet den Sturm- und Zimmernachbarn als Rivalen. Stattdessen machte Rangnick dem Duo klar: Wenn beide fit sind, haben auch beide einen Stammplatz im Kader.

Beweis, dass Selke und Poulsen zusammenpassen, fehlte

Doch der Beweis, dass Davie und „Yussi” zusammenpassen, musste erst noch erbracht werden. Zu ähnlich seien sich laut Rangnick beide in den bisherigen gemeinsamen Auftritten gewesen. In Düsseldorf stimmten endlich die Laufwege. „Heute haben sie gezeigt, dass sie in der Lage sind, auch zusammen zu spielen.”

So bedankte sich Davie Selke im gemeinsamen Sport1-Interview für die Vorlage zum erstligareif herausgespielten und vollendeten 2:1: „Yussi kennt meine Laufwege, er spielt ihn überragend rein. Ich bin froh, dass ich noch drangekommen bin.”

Poulsens mit schwerer Prellung

Bei Poulsens 3:1 nach Selkes Kopfballvorlage prallte der dänische Nationalspieler zwar mit der Schulter an den Torpfosten und zog sich eine schwere Prellung des linken Schultergelenks zu. Doch das Adrenalin beim Torjubel linderte Poulsens Schmerzen.

So herzten sich beide denn auch ausgiebig auf dem Platz, tanzten nicht nur gemeinsam, sondern kosteten den zusammen errungenen Triumph sichtbar aus.

Generell verspricht das Duo Selke-Poulsen, das jetzt gemeinsam 17 Treffer erzielt und sieben Tore vorbereitet hat, im Aufstiegsfall auch in der Bundesliga verheißungsvolle Spiele. Vor allem natürlich, was gemeinsame Toraktionen angeht: Poulsen in seiner Rolle als unermüdlich ackernder, aber auch technisch glänzender Athlet, der gleichermaßen nach hinten mitarbeitet, Tore schießen und vorbereiten kann; Selke in seiner Paradedisziplin als eiskalter Vollstrecker mit brillantem Torschuss.

Und es verspricht auch künftige Jubelchoreografien. Poulsen verriet, dass sie sich das gemeinsame Tänzchen bereits beim Winter-Trainingslager im türkischen Belek für Gelegenheiten ausgedacht haben, wenn beide an einem Tor beteiligt sind. Doch das war in der Rückrunde kaum der Fall gewesen – bis zu diesem Montagabend in Düsseldorf.