Entschuldigung an die MBC-Fans Mitteldeutscher BC: Wie MBC-Trainer Scepanovic die Rekordpleite aufarbeitet

Weißenfels - Das Versprechen war gerade eine Woche alt, schon wurde es gebrochen. „Mein Team wird immer kämpfen und niemals aufgeben“, hatte Aleksandar Scepanovic vor dem Saisonstart im großen MZ-Interview versichert. Doch dann kam am Mittwoch das erste Heimspiel der neuen Bundesliga-Saison, eine 63:105-Pleite gegen Göttingen, die höchste Niederlage des Mitteldeutschen Basketball Clubs (MBC) in der Stadthalle. Chefcoach Scepanovic war geschockt: „Diese Spielweise ist einfach unerklärlich. So gewinnen wir in der Bundesliga kein einziges Spiel.“
Weil der Klassenerhalt aber das Ziel ist, heißt das Motto beim MBC nun: Kampfgeist gesucht! Bereits am Sonntag steht die nächste Partie auf dem Spielplan. Allerdings nicht in der Liga, sondern im Pokal. Zur ersten Runde gastiert Weißenfels ab 18 Uhr beim Erstligarivalen Braunschweig – und will Wiedergutmachung.
Warum das Debakel gegen Göttingen den MBC doppelt schmerzt
„Wir dürfen das Loch jetzt nicht tiefer graben als es ist und eine Krise ausrufen, es sind erst zwei Saisonspiele gespielt“, sagt Martin Geissler nach den Pleiten gegen Gießen (84:91) und Göttingen zwar. Doch der Manager des MBC stellt auch klar: „Die Art und Weise, wie wir uns ergeben haben, so dürfen Spieler des MBC nicht agieren. Wir haben es einfach über uns ergehen lassen. Dieses Ergebnis war einfach nur schmerzhaft und enttäuschend.“
42 Punkte Differenz gegen einen Abstiegskandidaten, das tut weh – vor allem, weil am Ende bei Punktgleichheit der direkte Vergleich entscheiden würde, dieser nun jedoch bereits vor dem Rückspiel so gut wie verloren ist.
Lange darf das aber nicht in den Köpfen bleiben, denn für den MBC stehen in den kommenden Wochen bedeutsame Aufgaben auf dem Programm: Auswärtsspiele gegen Jena, Bremerhaven und Braunschweig sowie ein Heimspiel gegen Vechta – allesamt Gegner, die der MBC schlagen kann, wenn er denn kämpft.
MBC-Trainer Scepanovic vermisst die Kampfbereitschaft
„Das ist unsere einzige Chance“, sagt Coach Scepanovic. „Wir haben noch 32 Ligaspiele. Wenn wir kämpfen, können wir in der Liga bleiben. Wenn nicht, dann könnte es noch schlimmer als gegen Göttingen kommen.“ Weil noch weitaus stärkere Gegner auf den MBC warten. Nicht auszudenken, wie Bayern, Bamberg oder Berlin die Weißenfelser bei so einem lustlosen Auftritt demütigen würden. Manager Geissler fordert deshalb: „Wenn uns jemand auf dem Parkett wehtun will, dann müssen wir uns wehren, dann müssen wir auch mal dreckig spielen.“
Gegen Göttingen hielten sich die MBC-Profis auffallend zurück. Coach Scepanovic erkannte das an der Foulstatistik: „Ja, uns haben mit James Farr und Aleksandar Marelja unsere zwei gesetzten Center verletzt gefehlt. Ja, das können wir kaum kompensieren. Ja, wir sind mit der aggressiven Göttinger Verteidigung nicht zurechtgekommen. Das kann ich alles noch akzeptieren. Aber was ich nicht akzeptieren kann, ist, dass Göttingen sogar mehr Fouls hatte als wir.“
MBC entschuldigt sich bei den Zuschauern in Weißenfels
Den Gegner auch einmal mit einem Foul stoppen, einfache Korberfolge so verhindern – das gehört zu aufopferungsvoller Defensivarbeit im Basketball dazu. Doch die Wölfe ließen ihre Gegenspieler lieber gewähren.
Die Einstellung soll, sie muss künftig anders sein, fordern die Verantwortlichen. Doch wie? Scepanovic packt seine Spieler an der Ehre. „Ich habe ihnen gesagt, dass sie als Profis nur Geld verdienen, weil die Zuschauer hier Geld bezahlen, um sie, um uns als Team zu sehen. Und dann treten wir so auf. Ich kann mich bei den Fans nur entschuldigen.“
Die Stadthalle war mit 2400 Zuschauern ausverkauft und bot „tolle Basketballstimmung“, wie Manager Geissler sagte. „Ich kann verstehen, dass die Fans sauer sind. Ich hoffe, dass das für unsere Spieler ein Weckruf war.“
Spieler in der Pflicht
MBC hofft auf Comeback von Farr und Marelja
In den vergangenen Tagen wurde die Partie beim MBC ausführlich analysiert. In einer Videoauswertung wurden jedem Spieler seine Fehler vor Augen geführt. „Wir brauchen die Fans. Wir müssen ihre Gunst zurückgewinnen“, sagt Geissler. „Diese Verantwortung liegt jetzt beim Team.“
Immerhin: Die angeschlagenen Centerspieler James Farr und Aleksandar Marelja kämpfen für ihr Comeback. Nicht auszuschließen, dass es einer von beiden sogar schon am Sonntag wieder ins Aufgebot schafft. „Natürlich, mit ihnen wird es wieder leichter für uns“, sagt Aleksandar Scepanovic. Doch fest steht: „Auch mit ihnen werden wir jeden einzelnen Tag kämpfen müssen, um in der Liga zu bleiben.“ Das muss nun nur noch auch jeder seiner Spieler verstehen. (mz)