Klub hat Nachfolger schon im Blick

Wie Trainer Foster seinen Abgang bei den Saale Bulls erklärt

Überraschend hat Trainer Ryan Foster seinen Vertrag bei den Saale Bulls aufgelöst. Was der Grund ist, wohin er wechselt, was der Verein sagt und wie es weitergeht.

Von Fabian Wölfling Aktualisiert: 28.04.2022, 12:03 • 28.04.2022, 08:00
Ryan Foster war für 151 Spiele Trainer der Saale Bulls.
Ryan Foster war für 151 Spiele Trainer der Saale Bulls. Foto: Objektfoto

Halle/MZ - Es wird der letzte Akt: Am Samstag (ab 15 Uhr) laden die Saale Bulls zur traditionellen Saison-Abschlussfeier am Eisdom in Halle. Die komplette Mannschaft des Eishockey-Oberligisten wird sich noch einmal den Fans präsentieren. Auch die beiden finnischen Sturm-Stars Tatu Vihavainen, bleibt, und Joonas Niemelä, geht, kehren dafür noch einmal aus der Heimat zurück. „Wir haben ihnen extra die Flugtickets bezahlt“, sagt Präsident Daniel Mischner.

Der Tag des Abschlusses wird aber auch wieder einer des Abschieds. Sechs Abgänge sind bereits fix: Neben Niemelä werden auch Tim May, Jannik Striepeke, Pascal Grosse, Michael Fomin und Erik Gollenbeck den Verein verlassen. Seit Mittwoch steht fest, dass überraschend noch ein weiterer Blumenstrauß bereitgelegt werden muss. Auch Trainer Ryan Foster, der sich erst im Februar für eine weitere Saison zum Klub bekannt hatte, geht. Er hat um Auflösung seines Vertrages gebeten, die Bulls haben zugestimmt.

„Es ist wegen meiner Familie“, sagt Foster. Der Austro-Kanadier wohnt in Ebenthal bei Klagenfurt, hat seine Frau Barbara und die Kinder Ben (14) und Zoe (12) während der Saisons nur selten gesehen. Acht Stunden dauert die Fahrt aus Halle. „Ich habe daher schon im vergangenen Dezember zu den Bulls gesagt, dass ich nicht mehr bleibe“, sagt Foster. Daniel Mischner, Präsident der Saale Bulls, habe sich aber hartnäckig bemüht. Am Ende erklärte sich Foster, mit Unterbrechung seit 2019 hinter der Bande, doch noch bereit für eine weitere Saison. Sein Vertrag hatte sich durch eine Klausel ohnehin verlängert.

Saale Bulls sind enttäuscht über Ryan Fosters Entscheidung

Nach dem enttäuschenden Playoff-Aus im Viertelfinale gegen die Eisbären Regensburg kam es bei Foster aber wieder zum Umdenken. „Ich habe gemeinsam mit meiner Frau beschlossen, dass es jetzt einfach Zeit ist für eine Veränderung.“ Eine Veränderung näher zur Heimat hin. Daher bat der 47-Jährige im Saisonabschluss-Gespräch mit Mischner - in der Woche nach dem Playoff-K.o. - um Auflösung des Vertrages.

„Andere Gründe als die Familie gibt es nicht“, betont Foster. „Ich hatte damals kein anderes Angebot, bin ein große Risiko eingegangen, den sicheren Vertrag aufzugeben.“ Inzwischen hat Foster aber einen neuen Verein gefunden, er trainiert künftig den DEL2-Absteiger Tölzer Löwen. „Der Klub ist nur drei Stunden von der Heimat entfernt“, sagt er.

Die Bulls lassen ihren Erfolgstrainer ziehen, verlangen keine Ablöse. Dabei sorgt Fosters Entschluss vereinsintern für Enttäuschung, auch wenn die öffentlich nur dezent formuliert wird. „Ich war davon sehr überrascht“, sagt Präsident Mischner. „Wir sind uns in einem längeren Prozess einig geworden, Ryan hatte trotz der Klausel nachverhandelt.“ Heißt: sich bessere Bezüge gesichert. „Ich hätte erwartet, dass der Vertrag auch Bestand hat. Aber ich kann es verstehen, dass er näher bei der Familie sein will.“

Ryan Foster über Zeit bei Saale Bulls: "Bin sehr zufrieden"

So verlässt Foster, der in Halle seine erste Trainerstation im Herrenbereich angetreten hatte, die Bulls nach 151 Spielen, der Meisterschaft in der Oberliga Nord 2022 und zwei Einzügen in das Playoff-Viertelfinale (2019 und 2022). „Ich weiß es sehr zu schätzen, dass die Saale Bulls mir 2019 das Vertrauen geschenkt haben“, sagt er. „Und ich bin sehr zufrieden, wie es gelaufen ist, auch wenn das Playoff-Aus gegen Regensburg sehr weh getan hat.“

Als Meister und damit Favorit in der Viertelfinalserie waren die Bulls mit 1:3-Siegen an den Eisbären gescheitert, präsentierten sich weit entfernt vom gezeigten Leistungsmaximum in der Hauptrunde. Den Misserfolg in der K.o.-Runde muss sich Foster trotz aller Siege anlasten lassen. Er verlässt die Bulls als Unvollendeter, der Aufstiegstraum erfüllte sich nicht.

Wohl auch deshalb gibt es bei der Vereinsführung zwar Enttäuschung über die Art des Abgangs, aber keinen großen Trennungsschmerz. „Eishockey ist keine One-Man-Show, Ryan war Teil eines Teams, dass den Meistertitel geschafft hat“, sagt Mischner recht nüchtern über Fosters Bilanz. Und er blickt vielsagend voraus: „Manchmal entstehen aus negativen auch positive Dinge.“

Die Suche nach einem Nachfolger ist längst angelaufen, ein Top-Kandidat sogar bereits gefunden. Der Vollzug soll zeitnah erfolgen. Vom neuen Coach erhoffen sich die Bulls offensichtlich ein noch erfolgreiches Abschneiden als mit Ryan Foster. So lassen sich zumindest Mischners Worte deuten. Der Aufstieg in die DEL2 ist als Ziel für die kommende Saison bereits klar formuliert.