Sieg versüßt den Rekord

Goalie Sebastian Albrecht stellt mit seinem 197. Pflichtspiel für die Saale Bulls eine neue Bestmarke auf

Von Fabian Wölfling 02.11.2021, 10:44
Sebastian Albrecht spielt seine fünfte Saison für die Saale Bulls.
Sebastian Albrecht spielt seine fünfte Saison für die Saale Bulls. Foto: imago images/Fotostand

Halle (Saale)/MZ - Einen einzigen festen Vorsatz hatte Sebastian Albrecht für dieses Spiel am Sonntagabend: Gewinnen, egal wie, einfach nur gewinnen. „Es war mir ganz egal, wie viele Tore ich kassiere oder was sonst passiert, aber ich wollte nicht irgendwann auf den Rekord zurückschauen und dann steht da eine Niederlage dabei“, erzählt der Goalie der Saale Bulls.

Klappte: Der Eishockey-Oberligist aus Halle setzte sich bei Mittelfeldteam EG Diez-Limburg zwar mit etwas Mühe, am Ende aber doch ungefährdet mit 6:3 durch. Mit dem sechsten Sieg in Serie verteidigte das Team nicht nur die Tabellenführung. Vor allem erfüllte es Albrecht, den in der Eishockey-Welt alle nur „Borschtel“ rufen, den Wunsch eines Erfolgs im Rekordspiel.

Der 31-Jährige hütete am Sonntag zum 197. Mal in einer Pflichtpartie das Tor der Saale Bulls. Er ist damit nun der alleinige Rekord-Goalie des Klubs, ließ Tim Schnelle hinter sich, der von 2004 bis 2008 für Halle aktiv war.

„Das ist für mich persönlich eine tolle Sache, weil es zeigt, dass der Verein über viele Jahre auf mich baut“, sagt Albrecht. „Für mich ist das ein schönes Geben und Nehmen. Die Bulls schenken mir das Vertrauen und ich bemühe mich, gute Leistungen auf dem Eis zurückzugeben.“

Ein Anspruch, dem der gebürtige Berliner bisher im Großteil seiner Spiele für Halle gerecht werden konnte. Von 2015 bis 2017 spielte Albrecht zum ersten Mal für die Bulls, erhielt in dieser Zeit zweimal die Auszeichnung zum besten Goalie der Oberliga Nord der Fachzeitschrift „Eishockey News“. Nach Abstechern zu den Hannover Indians und den Eispiraten Crimmitschau kehrte er 2019 an die Saale zurück und fand nach einer durchschnittlichen Serie 2019/20 in der vergangenen Saison zu alter Stärke zurück. Bei der Wahl zum besten Goalie landete er deshalb auf Platz zwei. Einen Vereinsrekord hatte sich „Borschtel“ in den ersten vier Bullen-Jahren bereits gesichert. 15 „Shootouts“, also Spiele ohne Gegentor, sind ebenfalls Bestwert.

Ein solcher „Shootout“ gelang Albrecht in der laufenden Saison zwar noch nicht, aber wie das gesamte Team hat sich der Torwart seit dem 1:11-Debakel bei den Hannover Scorpions merklich gesteigert. Das vergangene Wochenende war bisher Albrechts stärkstes. Vor allem beim 3:1 gegen die Hamburg Crocodiles am Freitagabend parierte er stark, bei den drei Gegentoren in Diez-Limburg war er chancenlos.

Insgesamt steht der Goalie bei einer Fangquote von 89,6 Prozent. „Das Hannover-Spiel hat mir den Schnitt verhagelt“, sagt Albrecht. „Aber das ist für mich nicht mehr so wichtig. Ich bin in einem Alter, wo für mich allein der Sieg zählt. Wenn wir fünf Tore kassieren, ich aber am Ende eine entscheidende Parade habe und wir 6:5 gewinnen, bin ich zufrieden.“

Außer Frage steht, dass „Borschtel“ seine Bestmarken weiter ausbauen wird. Allerdings hat der Rekordtorhüter ab sofort wieder hochkarätige Konkurrenz. Nach seiner Knieverletzung ist Jakub Urbisch wieder fit, den Bulls stehen damit zwei starke Goalies zur Verfügung. Ebenfalls positiv: Bei Diez-Limburg gab der Finne Tatu Vihavainen nach Fingerbruch mit einem Tor und einer Vorlage ein starkes Comeback.