Zugang mit starkem Saisonstart

Erfolgreich mit links: Niklas Hildebrand glänzt in erster Reihe der Saale Bulls

Niklas Hildebrand überzeugte gegen Tilburg. Welches Ritual den Zugang der Saale Bulls stark macht und was der Stürmer zum Wirbel um seinen Wechsel sagt.

Von Christopher Kitsche 08.10.2021, 09:29 • Aktualisiert: 08.10.2021, 09:49
Niklas Hildebrand war mit zwei Toren beim Heimsieg der Saale Bulls über die Tillburg Trappers  einer der Erfolgsgaranten.
Niklas Hildebrand war mit zwei Toren beim Heimsieg der Saale Bulls über die Tillburg Trappers einer der Erfolgsgaranten. Foto: Sylvio Hoffmann

Halle (Saale)/MZ - Sein Erfolgsgeheimnis lüftet Niklas Hildebrand bereitwillig. Der Stürmer gehörte beim ersten Saisonheimsieg der Saale Bulls am Sonntag über die Tilburg Trappers (6:3) mit zwei Toren zu den Matchwinnern. Die starke Leistung erklärt der 26-Jährige auch durch seine Spieltagsroutine, die er seit nunmehr über zehn Jahren pflegt.

„Ich bin früh, etwa zweieinhalb Stunden vor dem Spiel, in der Halle. Dann gibt es erst einmal einen Kaffee, danach ziehe ich mich in Ruhe um - immer nach dem gleichen Ablauf.“ Oberstes Gebot dabei: links beginnen.

Sei es beim Anziehen der Schlittschuhe, des Ellenbogenschutzes, sogar das Falten des Visiertuchs folgt diesem festen Prozedere. „Es fühlt sich einfach besser an. Wenn es mal nicht so läuft, frage ich mich immer, ob ich beim Ankleiden einen Fehler gemacht habe“, sagt Hildebrand.

Niklas Hildebrand überzeugt in Paradereihe der Saale Bulls

Am Sonntag wird er nicht lange gegrübelt haben. Der Stürmer überzeugte für den Eishockey-Oberligisten in prominenter Rolle. Weil Star-Zugang Patrick Schmid mit Knieproblemen fehlte, ersetzte ihn Hildebrand in der Parade-Reihe neben dem Finnen Joonas Niemelä und Roman Pfennings. Und das überzeugend.

Im ersten Drittel traf er sehenswert aus spitzem Winkel und sorgte Sekunden vor Ende des zweiten Drittels mit dem Tor zum 5:3 für kollektive Ekstase im Eisdom. „Niklas hat seine Chance bekommen und das perfekt gemacht“, lobte Trainer Ryan Foster. „Wir haben in den vergangenen Wochen viel mit geredet. Ich habe gesagt, dass er positiv bleiben soll, die Tore schon kommen.“ Hildebrand glaubt an eine nachhaltige Wirkung des Doppelpacks. „Die Tore geben mir Aufschwung.“

Auch für den harten Konkurrenzkampf. Im Sturm haben die Saale Bulls mit 13 Spielern, wenn alle fit sind, fast ein Überangebot. Die Verpflichtung Hildebrands im August, er kam damals als der 13. Stürmer, überraschte aber nicht nur deshalb, sondern auch weil sich der Angreifer erst zwei Monate zuvor mit Ligakonkurrent EG Diez-Limburg über einen neuen Dreijahres-Vertrag einig geworden war. Allerdings nur mündlich. Unterschrieben war nichts, weshalb Hildebrand sich den Bulls anschließen konnte. Zum großen Ärger Diez-Limburgs, die dem Stürmer öffentlich Wortbruch vorwarfen.

Niklas Hildebrand spielte in der Eishockey-Oberliga schon für Leipzig

Der Wechsel sei Teil des Profigeschäfts, so sieht das Hildebrand, der in der Vergangenheit in der Oberliga auch schon für Essen und Leipzig aufgelaufen ist. Ihn hätten einfach die professionellen Strukturen in Halle gereizt. „Der Verein und Sportdirektor Kai Schmitz wollten mich schon zweimal zuvor von einem Wechsel überzeugen. Dieses Mal hat einfach alles gepasst.“

Das Angebot der Bulls sei schlicht überzeugend gewesen. Für das Vorgehen seines alten Vereins, das Infragestellen seines Charakters hat er daher kein Verständnis. „Das hätte sicher anders kommuniziert werden können. Die Geschichte ist aber für mich Vergangenheit.“

Er will nach vorn blicken, sein starkes Spiel gegen Tilburg als Teil der Top-Reihe bestätigen. Zuvor war der Zugang in der dritten Reihe an der Seite von Sergej Stas und Tim May aufgelaufen. Folge des harten Konkurrenzkampfs. Hildebrand ist sich dessen bewusst.

Niklas Hildebrand lobt Sturmpartner Joonas Niemelä

„Der Trainer hat mir das bei meinem Wechsel auch so klar kommuniziert“, sagt er. Trotzdem: Eiszeit möchte er natürlich so viel wie möglich bekommen, gern länger in einer Reihe mit dem stark aufspielenden Niemelä. „Wir haben sehr gut harmoniert. Er geht überall rein, ist unfassbar schnell und kann das Spiel einfach gut lesen“, schwärmt Hildebrand von seinem Sturmpartner.

Der ehrgeizige Finne spricht schon offen vom Ziel DEL2. „Wir sind auf jeden Fall Mitfavorit“, sagt Hildebrand. Ob es tatsächlich reicht, das entscheide sich auch in den Topduellen - wie das am kommenden Sonntag bei Topfavorit Hannover Scorpions.

„Wenn du aufsteigen willst, dann musst du solche Spiele mal gewinnen. Es wird aber schwer, sie haben es im Sommer auf dem Transfermarkt richtig knallen lassen“, sagt Hildebrand. „Entscheidend wird sein, welche Mannschaft es mehr will.“ Und für ihn persönlich, dass er ja nicht vergisst: links zuerst.

Weitere Ausfälle bei den Saale Bulls

Bulls-Trainer Ryan Foster muss im Heimspiel gegen Erfurt (Freitag, 20 Uhr, im Eisdom) sowie in der Partie bei den Hannover Scorpions (Sonntag, 19 Uhr) auf mehrere Spieler verzichten. Mindestens drei Wochen fehlen Goalie Jakob Urbisch mit einer Knieverletzung und Stürmer Tatu Vihavainen aufgrund eines gebrochenen Fingers. Patrick Schmid ist nach Knieproblemen noch nicht fit, auch Kapitän Kai Schmitz fehlt mit einer Grippe. Christian Guran wackelt zudem mit einer Muskelverletzung.