Lebensbilder Lebensbilder : Bad Kösener ist Herr der Spielpläne

Bad Kösen - Als jemand, der seit Jahrzehnten die Spielpläne der Kegler in der Saale-Unstrut-Finne-Region erstellt und als Sportwart des Kreisfachverbandes zu den wichtigsten Funktionären hierzulande gehört, hat Klaus Strohbach natürlich einen ganz besonderen Blick auf die aktuellen Beschränkungen wegen der Corona-Pandemie. Zurzeit ruht der Spielbetrieb zwangsläufig mal wieder - wann und ob überhaupt die Saison fortgesetzt werden kann, steht in den Sternen. Zusammen mit Tageblatt/ MZ blickt der Bad Kösener zwei Monate vor seinem 70. Geburtstag nicht nur auf ein bewegtes (Sportler-)Leben zurück, sondern auch auf die momentanen Probleme rund um sein zeitintensives Hobby.
In Großheringen angefangen
Als Kind war Klaus Strohbach bei Lok Großheringen als Kegelaufsteller tätig, ehe er im Jahre 1963 offiziell als Nachwuchsspieler in den Verein im benachbarten Thüringen eintrat. Er hatte eine Leidenschaft für sich entdeckt, der er bis heute treu geblieben ist. Die Verantwortlichen im damaligen Bezirk Halle erkannten das Talent des Kurstädters, das er in den Wettkämpfen mit hervorragender Technik und unbedingtem Siegeswillen unter Beweis stellte, und sie konnten ihn nach Bad Kösen lotsen. Am 1. Juli 1976 wechselte Strohbach dann ein Stück saaleabwärts zur BSG Medizin. Der damalige Bad Kösener Abteilungsleiter Günter Bischoff war von der Spielstärke des Neuzugangs regelrecht begeistert, und so wurde Strohbach auf Anhieb Mitglied der ersten Männermannschaft.
Aber er engagierte sich von Beginn an nicht nur als Aktiver, sondern auch in verschiedensten anderen Belangen des Vereinslebens. So studierte er intensiv das Regelwerk seiner Sportart, und bald brachte er seine Ideen im Kreisfachverband ein. Mit Beginn der Spielserie 1983/84 übernahm Strohbach die verantwortungsvolle Funktion des Sportwartes. Diese hat er - nun 37 Jahre später - im Ehrenamt noch immer inne. „Meine Frau Karin hat mir im Laufe der langen Zeit immer den Rücken frei gehalten“, dankt er seiner Gattin, die als Grundschullehrerin gearbeitet hat, für die großartige Unterstützung. Sie kümmerte sich vorwiegend um den Haushalt und die Kinder, aber auch ihr Mann brachte sich trotz seiner Zwölf-Stunden-Schichten in Leuna ins Familienleben ein.
Chef des Kreisverbandes
Die Wendezeit ging am Kegelsport im damaligen Kreis Naumburg nicht spurlos vorüber. Nach 1989 waren gerade einmal sieben Mannschaften im Wettspielbetrieb übrig geblieben. Für zahlreiche Mitglieder des Kreisvorstandes standen plötzlich berufliche Dinge im Vordergrund. Klaus Strohbach blieb jedoch seinem Hobby und seinem Ehrenamt treu; er stellte sich als kommissarischer Vorsitzender zur Verfügung, hielt den Spielbetrieb aufrecht und führte damit seine Sportart in eine neue Ära. Vor allem auch dank seines Engagements wurde 1994 der neue gemeinsame Kreisfachverband zusammen mit den Keglern aus den Regionen Nebra und Zeitz aus der Taufe gehoben. Werner Gleitsmann aus Nebra übernahm den Vorsitz, der Zeitzer Gerhard Krause wurde Stellvertreter, so dass Klaus Strohbach wieder in seiner angestammten Funktion des Sportwartes aufgehen konnte. Durch den Beitritt der damaligen Kreisverbände Weißenfels und Hohenmölsen entstand dann im Mai 2007 der jetzige Kreisfachverband Kegeln Burgenland, der heute mit 763 Mitgliedern in 38 Vereinen der zahlenmäßig stärkste Kreisfachverband Sachsen-Anhalts ist.
Vor jeder neuen Saison kommt Klaus Strohbach die Aufgabe zu, die Spielpläne für die im Wettkampfbetrieb stehenden Mannschaften - zurzeit sind es 55 - zu erstellen: von der Kreisoberliga der Frauen und Männer bis hinunter zur 2. Kreisklasse sowie für den Nachwuchsbereich. Zudem hat er im gesamten Verlauf der Serie mit dem jeweiligen Staffelleiter darauf zu achten, dass auch die Einsätze der Spieler in den verschiedenen Teams regelkonform über die Bühne gehen.
Beim Erstellen der Spielpläne bleibt dem Sportwart alljährlich immer ein ziemlich kleines Zeitfenster, denn die Pläne auf Ebene des Burgenlandkreises müssen denen auf Landesebene angepasst werden. Zudem muss er darauf achten, auch die Kreiseinzelmeisterschaften sowie die dazugehörigen Qualifikationsturniere einzufügen. „Im Rahmen meiner Möglichkeiten bin ich immer bemüht, bei den Ansetzungen die Wünsche der Mannschaften zu berücksichtigen. Dabei komme er oft an die Grenze des Machbaren“, berichtet Klaus Strohbach, der einige Beispiele nennt, die ihm die Arbeit komplizierter machen: „Mancher Verein möchte nur an den sogenannten geraden Wochenenden seine Spiele austragen, ein anderer wiederum am liebsten nur sonntags. Dann gibt es Sonderwünsche, erst alle Auswärtspartien austragen zu dürfen, weil die eigene Bahnanlage saniert wird.“ Nachdem die Spielpläne auf Bundes- und Landesebene fix sind, hat Strohbach dann meist nur von Ende Juni bis Anfang August Zeit, um die Pläne für den Burgenlandkreis zu erstellen.
Wird die Saison fortgesetzt?
Die vergangene Saison musste coronabedingt abgebrochen werden; eine offizielle Wertung gab es nicht. Nun befindet sich auch die Serie 2020/21 wegen der Pandemie wieder in einer Zwangspause. Klaus Strohbach ist skeptisch: „Sollten wir nicht bis zum Januar wieder den Spielbetrieb aufnehmen können, wird es sicherlich schwer, diese Saison überhaupt zu Ende zu bringen. Nach jetzigem Stand werden wohl die Kreiseinzelmeisterschaften nicht mehr ausgetragen werden können.“ Obwohl die Vereine bereits die verschiedensten Hygienekonzepte erarbeitet hätten, die auch gut funktionierten, sehe er angesichts der hohen Fallzahlen aktuell schwarz, was eine schnelle Rückkehr zum regelmäßigen Spielbetrieb betrifft. Dennoch stehe er bereit, die Pläne kurzfristig anzupassen, sollte es doch wieder möglich sein zu kegeln, sagt der Sportwart.
Aber nicht nur im Kreisfachverband, auch in seinem Heimatverein SG Blau-Weiß Bad Kösen spielt Klaus Strohbach eine wichtige Rolle. 1992 übernahm er von Klaus Heinicke die Abteilungsleitung und dürfte aktuell der dienstälteste Funktionär in der Sportgemeinschaft sein. Große Herausforderungen im Rahmen dieser ehrenamtlichen Arbeit waren das Hochwasser 1994 - danach wurde die Bahnanlage in der Gerstenbergkpromenade erneuert und automatisiert - sowie jenes im Jahr 2013, als erneut viele helfende Hände benötigt wurden, um die Bahn wieder herzurichten. Als 1993 das gesamte Konstrukt der SG Blau-Weiß auf der Kippe stand, spannte sich Strohbach auch hier vor den „Karren“ und führte den Verein bis 2012, ehe er sich danach „nur“ noch um die Abteilung Kegeln kümmern musste.
Erfolge als Übungsleiter
Es ist aber nicht so, dass sich Klaus Strohbachs Engagement lediglich auf die aktive Zeit - noch heute spielt er in der Freizeitgruppe „fidele Neun“ - als Spielplaner und Funktionär beschränkte. Nein, auch als Übungsleiter hat er sich in der Region einen Namen gemacht. Heute gibt es in seinem Verein noch 36 aktive Mitglieder, darunter zwölf Kinder und Jugendliche. Sohn Christian hat dem Kegelsport in der Kurstadt die Treue gehalten und nimmt regelmäßig die Fahrt von Jena nach Bad Kösen in Kauf, um am Training und dem Punktspielbetrieb in der Kreisoberliga teilzunehmen. Sein Sohn Matthias hat sich indes dem Fußball verschrieben; mit der Trainer-B-Lizenz ist er zurzeit in Weißenfels tätig. Als Übungsleiter kann Klaus Strohbach auf Erfolge in den verschiedensten Nachwuchswettbewerben zurückblicken. In guter Erinnerung ist ihm, dass er bei den Meisterschaften des ehemaligen Bezirkes Halle in Köthen den sogenannten Pionierpokal nach Bad Kösen holen konnte. Bei den Landeseinzelmeisterschaften führte er Andreas Preßler zum Sieg, und sein Sohn Christian wurde in diesem Wettkampf noch hervorragender Dritter.
Auf die Frage, was ihn in seinem Engagement für den Kegelsport bestärkt, nennt Klaus Strohbach nicht nur den talentierten Nachwuchs in der Kurstadt, sondern auch die Frauenmannschaft der SG Blau-Weiß, die schon seit vielen Jahren das Niveau in der Landesliga mitbestimmt und die sich auch nach dem Zwangsabstieg aus der Verbandsliga wegen der fehlenden Vierbahnenanlage nicht unterkriegen ließ. Den Männern seines Vereins wünscht er, dass sie die Kreisoberliga, wo er selbst immer mal wieder aushelfen musste, auf Dauer halten können.
Und was wünscht sich der Bad Kösener kurz vor seinem 70. Geburtstag? „Vor allem natürlich Gesundheit, das steht ganz oben. Und dass ich noch viel für meinen Sport bewegen kann.“ Ein besonderer Dank, sagt Klaus Strohbach, „geht an all jene, die mich immer unterstützt haben und dabei die verschiedensten Aufgaben übernommen haben. Letztendlich ist man allein nichts.“ Und dann hat er noch einen Wunsch. Allerdings glaubt er nicht mehr so recht daran, dass dieser in Erfüllung gehen kann. „Mehrfach wurde uns bereits durch drei Bürgermeister, die nun schon gar nicht mehr im Amt sind, versprochen, eine Vierbahnenanlage in der Kurstadt zu errichten“, erzählt er. Über solche habe man noch zu DDR-Zeiten in Naumburg verfügt. Doch der Bau einer solchen in der Domstadt oder in deren Ortsteil Flemmingen stünde inzwischen gar nicht mehr zur Diskussion.
Mehrfach ausgezeichnet
„Dennoch würden sich die Kegler der Stadt und der gesamten Region freuen, wenn diese Pläne vielleicht doch einmal irgendwann verwirklicht werden“, so der Mann der eher leisen Töne, dessen Engagement für den Kegelsport bereits mit der Ehrennadel des Landesverbandes Kegeln/ Bowling in Gold sowie mit der Ehrennadel des Landessportbundes in Silber gewürdigt wurde. (hob/tok)


