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Handball  Handball : Eine Drittliga-Premiere wie gemalt

Von Torsten Kühl 04.10.2020, 15:55
Garanten des klaren HCB-Erfolgs im Naumburger „Euroville“: Torwart Hendrik Halfmann (v.r.) und Florian Pfeiffer, der hier einen Wurf von Gästespieler Jan-Ove Litzenroth blockt.
Garanten des klaren HCB-Erfolgs im Naumburger „Euroville“: Torwart Hendrik Halfmann (v.r.) und Florian Pfeiffer, der hier einen Wurf von Gästespieler Jan-Ove Litzenroth blockt. Torsten Biel

Naumburg - Irgendwie hatten diese Partie und dieses Ergebnis Geschichtsträchtiges: Ausgerechnet am 30. Jahrestag der Deutschen Einheit traf der HC Burgenland erstmals in seiner noch jungen Vereinshistorie (2013 gegründet) in einem Pflichtspiel auf eine Mannschaft aus den alten Bundesländern. Und gleich bei ihrer Premiere in der 3. Liga bejubelten die Männer des Clubs einen Sieg. Dieser fiel dann mit 32:23 gegen die HSG Ostsee Neustadt/Grömitz auch noch verdientermaßen deutlich aus, und so machte der Feiertag - zumindest aus Sicht der HCB-Mannschaft und deren Fans - seinem Namen alle Ehre.

Trotz aller coronabedingten Beschränkungen (nur 120 Zuschauer durften am späten Samstagabend das Auftaktmatch des Aufsteigers im Naumburger „Euroville“ verfolgen) wurde es ein stimmungsvoller Saisonstart. Woran vor allem natürlich die Burgenländer mit ihrer starken Leistung großen Anteil hatten. Ihr Sieg hatte vor allem drei Gründe.

Zwölf Minuten ohne Gegentor

Der erste heißt Hendrik Halfmann. Ganz oft werden Handballpartien auf der Torhüterposition entschieden. Und dieses Duell ging ganz klar an den HCB. Halfmann, der vor der Saison vom Zweitbundesligisten Elbflorenz Dresden gekommen ist, hatte bereits in den Testspielen in Dessau und gegen Bayreuth seine Klasse angedeutet. Bei der Generalprobe gegen seinen Ex-Verein eine Woche vor dem Saisonstart in Plotha (21:32, wir berichteten) hatte er in der ersten Halbzeit, in der er den Kasten hütete, jedoch kaum eine Hand oder einen Fuß an den Ball bekommen. Nun aber, als es darauf ankam, war der 27-Jährige sofort voll da. Zwölf Minuten war sein Tor dank sehenswerter Paraden (und natürlich auch starker Abwehrarbeit seiner Vorderleute) wie vernagelt. Erst dann gelang den Gästen aus Schleswig-Holstein durch den ebenfalls Zweitliga-erfahrenen Tim Claasen der erste Treffer zum 4:1.

Punkt zwei, der den Ausschlag zum Erfolg der Burgenländer gab, war die größere Erfahrung. Während die HSG Ostsee eine sehr junge Mannschaft hat, spielen in den Reihen des HCB einige Akteure, die mit allen Wassern gewaschen sind. Was Florian Pfeiffer als Regisseur und Vorlagengeber, der zudem auch selbst torgefährlich wurde, sowie in der Defensive leistete, war allererste Sahne. Wie David Heinig, der in den vergangenen zwei Wochen - weil angeschlagen - kaum bis gar nicht trainieren konnte, in der zweiten Halbzeit auftrumpfte, war ebenfalls klasse. Wie der neue Kapitän Kenny Dober, der in der Mitteldeutschen Oberliga schon mehrfach Torschützenkönig geworden war, mit traumwandlerischer Sicherheit seine Siebenmeter verwandelte und auch von Linksaußen eine gute Wurfquote hatte - stark.

Weil auch Tom Hanner aus dem rechten Rückraum ebenso traf wie Marcel Popa, der in der zweiten Halbzeit Pfeiffer im Zentrum entlastete, die beiden Kreisläufer Chris Hoffmann und Hannes Zerrenner, die zudem noch Strafwürfe herausholten, ihren Anteil hatten und weil die Tempogegenstöße von Rechtsaußen Philipp Große saßen, kam am Ende eben ein Heimsieg mit neun Toren Vorsprung heraus.

Und der dritte Grund: Der Verlauf der Partie spielte den Burgenländern in die Karten. Ihr schneller 4:0-Vorsprung gab ihnen Sicherheit. Zur Pause lagen sie mit 12:9 vorn, und nach dem Seitenwechsel bauten sie ihre Führung systematisch aus. „Dadurch nahmen wir uns selbst den Druck, konnten wir uns auch mal Fehler erlauben“, resümierte HCB-Coach Steffen Baumgart. Und dessen Kollege aus dem Norden, Jens Häusler, der mit dem HSV Hamburg als Co-Trainer 2013 die Champions League gewann, meinte: „Wir haben es leider nicht geschafft, mal auszugleichen und damit den Gegner nervös zu machen. Der Sieg der Burgenländer geht auch in dieser Höhe in Ordnung. Es hat Spaß gemacht zuzuschauen, auch wenn es für uns natürlich kein schönes Ergebnis ist.“

Siebenstündige Anfahrt

Häusler gab auch einen Einblick in seinen Matchplan. „Die Masse, die der körperlich überlegene HCB aufs Parkett bringt, verbraucht auch viel Energie. Dies wollten wir nutzen und die Gastgeber mit hohem Tempo müde spielen. Aber auch das ist leider nicht aufgegangen“, so der sympathische Coach der HSG Ostsee. Um 10 Uhr sei er mit seinem Team am Sonnabend zu Hause aufgebrochen, 17.15 Uhr sei der Bus in Naumburg angekommen. „Und jetzt wieder schön die ganze Strecke zurück. Nur mal als Hinweis, was Euch alles noch so erwartet“, meinte Häusler augenzwinkernd zu den Gastgebern.

Zwei weitere interessante Fakten zur Premiere des HCB in der 3. Liga: Gästespieler Piet Möller sah in der 28. Minute nach einem harten Foul an Große (der zum Glück weiterspielen konnte) die Rote Karte. Just in dem Moment als die HSG auf 10:9 herangekommen war. Dober verwandelte den folgenden Siebenmeter, und Große selbst erhöhte dann zum Pausenstand. Das war vielleicht eine kleine spielentscheidende Phase in dieser Partie. Und weil der etatmäßige zweite Linksaußen der Burgenländer, Niklas Hagenow, kurzfristig erkrankt war, kam Ex-Kapitän Ants Benecke, der sich ja weiter für den Notfall bereithält, zu einem zweiminütigen Kurzeinsatz.

Frauen schlagen den Meister

Die zweite Männermannschaft der Burgenländer war am Sonntagnachmittag in der Sachsen-Anhalt-Liga bei Meisterschaftsmitfavorit SG Spergau von Beginn an chancenlos und unterlag in der Jahrhunderthalle mehr als deutlich mit 20:37. Bester Werfer der Gäste war Paul Zänker mit vier Treffern (siehe auch Statistik-Kasten).

Eine verrückte erste Halbzeit spielten zur selben Zeit am Sonntag die Oberliga-Frauen des HCB zum Saisonstart bei Meister Rödertal II. Nachdem die Gastgeberinnen mit einem Blitzstart davongezogen waren (5:0, 9:2), drehte das Burgenland-Team mit einem sagenhaften Zwischenspurt die Partie und lag zur Halbzeit selbst mit 16:13 vorn. „Ja, wir sind tatsächlich schräg gestartet, waren mächtig erschrocken und sind von den jungen Gastgeberinnen förmlich überrollt worden“, sagte HCB-Spielertrainerin Jessica Stiskall. Doch dann habe man sich geschüttelt und beruhigt und das eigene Konzept immer besser umsetzen können. „Die meisten Akteure des Gastgebers hatten bereits ein A-Jugend-Bundesligaspiel vom Vortag in den Knochen und waren dann ganz schön kaputt“, berichtet Stiskall. Dank einer starken Mannschaftsleistung behaupteten die Burgenländerinnen nach der Pause ihren Vorsprung und fuhren einen verdienten 36:30-Sieg ein.

Die Bank der Burgenländer jubelt: Mit 32:23 gegen die HSG Ostsee gelingt ein Drittliga-Auftakt nach Maß.
Die Bank der Burgenländer jubelt: Mit 32:23 gegen die HSG Ostsee gelingt ein Drittliga-Auftakt nach Maß.
Torsten Biel
Schrecksekunde: Nach Rot-würdigem Foul und Behandlung von Chris Schurig kann Philipp Große weiterspielen.
Schrecksekunde: Nach Rot-würdigem Foul und Behandlung von Chris Schurig kann Philipp Große weiterspielen.
Torsten Biel
Wegen Corona Spielanalyse auf dem Feld: die Trainer Jens Häusler (r./HSG Ostsee) und Steffen Baumgart (l.) mit HCB-Präsident und Moderator Uwe Gering.
Wegen Corona Spielanalyse auf dem Feld: die Trainer Jens Häusler (r./HSG Ostsee) und Steffen Baumgart (l.) mit HCB-Präsident und Moderator Uwe Gering.
Torsten Biel