HFC-Abwehrchef hat mehrere Optionen

Wie plant Stipe Vucur seine Zukunft?

HFC-Abwehrchef Stipe Vucur: Sein Vertrag läuft im Sommer aus. (Foto: imago/Christian Schroedter)

Halle (Saale) - Wer regelmäßig beim Training des Halleschen FC vorbeischaut, der weiß: Wenn HFC-Trainer Florian Schnorrenberg das Signal für das Ende der Einheit gibt, ist oft noch längst nicht Schluss. Eine Handvoll Fußballer verbleibt etwa stets, um an der Schusstechnik zu feilen oder Flanken auf die Torleute zu schlagen.

Und am Mittelkreis treffen sich ein paar HFC-Spieler, um den Arbeitstag wie alte Bolzplatzkumpel mit einem lockeren Ballhochhalten ausklingen zu lassen. Einen festen Platz in dieser Runde hat neben Julian Derstroff und Marcel Titsch Rivero auch Verteidiger Stipe Vucur, der die kleine Sonderschicht immer sichtlich genießt.

Den Offensivspielern mal zeigen wie der Ball läuft, da ist man doch gern dabei. Dass Vucur es nicht ganz so eilig hat unter die Dusche zu kommen, hat aber noch einen anderen Hintergrund: Außerhalb des Trainings auf seine Teamkollegen oder andere Menschen zu treffen, ist für den 28-Jährigen derzeit selten der Fall.

Stipe Vucur: Kaffeetrinken mit den HFC-Kollegen fällt aus

„Ich halte mich viel allein in meiner Wohnung auf“, erzählt Vucur. Unfreiwillig. Die Möglichkeiten, sie seien durch den anhaltenden Lockdown ja begrenzt. „Es gibt nicht viele Alternativen.“ Bei Vucur sehen die folgendermaßen aus: „Ich koche viel oder gehe mal spazieren.“ Der Österreicher wechselte im Oktober, gerade als die Corona-Pandemie wieder an Fahrt aufnahm, zum HFC. Das Kennenlernen der neuen Umgebung, der Stadt und der Mitspieler lief deshalb ganz anders ab, als es Vucur von seinen bisherigen Arbeitsstellen kennt. „Normalerweise geht man mal einen Kaffee mit den Teamkollegen trinken. Das fällt jetzt alles flach.“

Doch nicht nur das Treffen mit den anderen HFC-Spielern erschweren die Corona-Beschränkungen, auch seine engsten Angehörigen sieht er durch geltende Reiseregeln und den straffen Spielplan mit vielen Englischen Wochen kaum. „Meine Familie wohnt in Salzburg, meine Freundin in Kroatien. Zuletzt habe ich sie zu Weihnachten gesehen.“ Diese Situation sei natürlich nicht immer einfach. „Für meine Freundin nicht und für mich sowieso nicht“ lässt Vucur durchblicken. Über Facetime sei er aber jeden Tag mit seinen Angehörigen in Kontakt.

Trotz des tristen Pandemie-Alltags fühle sich Vucur aber wohl in Halle. „Mir gefällt die Stadt“. Wer also befürchtete, dass der Verteidiger seinen im Sommer auslaufenden Vertrag aus privaten Gründen nicht verlängert, der kann erst einmal erleichtert aufatmen. Ein Wechsel würde die Umstände ohnehin nicht entscheidend ändern. „Sie sind ja überall ähnlich - egal ob ich jetzt in München, Berlin oder Frankfurt spielen würde“, betont Vucur.

Hallescher FC: Stipe Vucur hat im Sommer einige Optionen

Ist seine Unterschrift unter ein neues Arbeitspapier angesichts des nahenden Klassenerhalts und einem Arbeitgeber, der sich einen Verbleib wünschen würde, also doch nur noch Formsache? „Ich habe mich noch nicht entschieden“, erklärt Vucur. Es gebe die ein oder andere Option. Der HFC sei aber immer noch die naheliegendste. „Halle ist mein erster Ansprechpartner“, macht Vucur deutlich. Entscheidend sei letztlich das „Gesamtpaket“.

Das beinhalte neben den „weichen“ privaten Faktoren auch maßgeblich die sportliche Perspektive. Ein weiteres Jahr Abstiegskampf wäre nicht nach Vucurs Geschmack. Die Aussicht, eventuell noch einmal in der zweiten Liga zu spielen, in der er bereits für Kaiserslautern und Aue auflief, würde ihn ungemein reizen. „Kein Spieler hat das Ziel, nur irgendwo im Mittelfeld zu stehen. Man muss aber realistisch bleiben. Wir brauchen beim HFC mehr Konstanz, dann können wir auch irgendwann mehr anpeilen.“

Stipe Vucur wünscht sich Verbleib von Trainer Florian Schnorrenberg

Konstanz zeigte Vucur selbst direkt nach seiner Verpflichtung. Er verlieh der HFC-Abwehr Stabilität. Die Schwächephase des HFC nach dem Jahreswechsel erwischte aber auch ihn. Vucur leistete sich wiederholt individuelle Fehler, fand beim Sieg gegen Uerdingen, an dem er mit dem Ausgleichstreffer entscheidenden Anteil hatte, wieder seine Form.

Er weiß, das auch bei ihm nicht alles rund lief. Formschwankungen könne er aufgrund seiner Erfahrung zwar „gut zur Seite schieben“, dass ihm Schnorrenberg in dieser Zeit weiterhin das Vertrauen schenkte, sei aber hilfreich gewesen. Auch deshalb würde er sich einen Verbleib des Trainers wünschen. „Ich habe ein enges Verhältnis zu ihm. Er hat mich geholt und durch ihn habe ich eine zentrale Rolle in der Mannschaft. Wenn er bleibt, wüsste ich, woran ich bin.“ Doch auch in diesem Fall wäre der Ausgang der Vertragsgespräche nach wie vor offen. (mz/Christopher Kitsche)