Zugang von RB Leipzig weckt Hoffnungen

Wieder ein Wosz in Halle: Wie HFC-Idol Dariusz seinen Neffen einschätzt

Der Drittligist leiht Joscha, den Neffen von Dariusz, von Leipzig aus. Was sich das Talent davon erhofft und wie er Vergleiche mit dem berühmten Onkel sieht.

Von Fabian Wölfling und Ullrich Kroemer 22.01.2022, 10:26 • Aktualisiert: 22.01.2022, 10:37
Joscha Wosz weckt beim Halleschen FC Erinnerungen an alte Zeiten.
Joscha Wosz weckt beim Halleschen FC Erinnerungen an alte Zeiten. (Foto: Objektfoto)

Halle (Saale)/Leipzig/MZ - Einige Fans frohlockten am Freitagmittag angesichts dieser durchaus spektakulären Meldung: Es spielt wieder ein Wosz beim HFC! Stimmt soweit. Eine Sache stellte Joscha Wosz nach dem ersten Training in rot-weiß aber sofort klar.

Er mag zwar von der Statur her, 1,74 Meter misst er, an seinen legendären Onkel Dariusz, 1,69 Meter groß, erinnern. Auch die bevorzugte Position, offensives Mittelfeld, passt. Aber eine Zaubermaus 2.0 ist der 19-Jährige nicht. „Ich bin ein eigener Spieler“, betonte er. Mit eigenen Stärken: „Ich bin schnell, trickse nicht groß rum, sondern suche geradlinig den Abschluss und bin torgefährlich.“

Joscha Wosz soll beim HFC Tom Zimmerschied und Aaron Herzog ersetzen

Qualitäten, die dem Halleschen FC im Abstiegskampf weiterhelfen sollen. Am wilden Transferfreitag mit dem Abgang von Terrence Boyd nach Kaiserslautern und der Gegenzug-Verpflichtung von Elias Huth hat der Fußballdrittligist auch das Talent von RB Leipzig für ein halbes Jahr ausgeliehen. Im offensiven Mittelfeldfeld soll Joscha Wosz die Lücke schließen, die durch die langfristigen Verletzungen von Aaron Herzog (Kreuzbandriss) und Tom Zimmerschied (Schulterverletzung) entstanden ist.

Der Transfer kam wie all die Ereignisse am Freitag überraschend. Vor rund zwei Wochen hatte Wosz’ Vater Zbigniew nämlich einen Wechselwunsch seines Sohnes in der MZ bekundet, den Gang zurück zum HFC, wo Joscha Wosz bis zur U14 ausgebildet worden ist, aber noch ausgeschlossen. Am Freitag sagte der Vater nun: „Trainer und Verein haben deutlich gemacht, dass sie Joscha unbedingt haben wollen.“ Und außerdem: „Die dritte Liga bietet die beste Chance, um auf möglichst viel Spielzeit zu kommen.“

Eigentlich wollte Joscha Wosz zu Lechia Gdansk (Danzig) in die erste polnische Liga wechseln, wo die Gespräche schon recht konkret waren. Doch der derzeitige Ligafünfte zögerte zu lange mit einem konkreten Angebot, so dass sich Wosz nun doch für den HFC entschied.

Domenico Tedesco freut sich über HFC-Leihe von Joscha Wosz

„Ich bin jung, will mich entwickeln und brauche dafür Spielzeit. Ich hatte gute Gespräche mit dem Trainer und sehe das daher als guten Schritt“, erklärte er. Dazu gibt es noch weiche Faktoren: „Ich komme aus Halle, für mich ist der Wechsel daher keine große Umstellung. Ich werde mir zwar eine Wohnung suchen, kann aber erstmal bei meiner Familie wohnen, das ist schön.“

Auch sein Leipziger Bundesliga-Trainer findet den Wechsel vorteilhaft für das Talent. „Ich bewerte das sehr positiv. Wir haben in dieser Woche mit Joscha gesprochen, damit er unseren Standpunkt kennt. Wir sind auf allen Positionen, wo ,Josch’ hätte spielen können, sehr gut besetzt. Es wäre unfair gegenüber ihm gewesen, wenn er nur im Training hätte aushelfen müssen“, sagte Domenico Tedesco. Aber: „In dem Alter musst du spielen.“

In Halle hatten sie in der Führung Bauchschmerzen, ob der Rückkehrer von RB bei den Fans nicht auf Ablehnung stoßen würde, schließlich gab es beim Leih-Transfer von Torwart Tim Schreiber Anfang 2021 unschöne Plakate. „Keine Akzeptanz, keine Zusammenarbeit, kein Fußball mit RB“, hatte es da geheißen. Deshalb wurde nun sogar in einflussreichen Fankreisen vorgefühlt, wie die Stimmung diesmal sei. Reaktion angeblich: überwiegend positiv. Schließlich könne der junge Mann sportlich helfen.

Dariusz Wosz über seinen Neffen Joscha: „Ein Zehner wie Xherdan Shaqiri“

Davon ist auch Onkel Dariusz überzeugt. Als sein Neffe im Oktober 2020 die ersten zwei von bisher drei Bundesligaeinsätzen für Leipzig absolviert hatte, scheute er sich in der MZ nicht vor großen Vergleichen. „Joscha ist vielseitig“, meinte Wosz. „Für mich ist er ein Zehner wie Xherdan Shaqiri, aber vielleicht wird er am Ende doch ein Sechser wie Kimmich.“

Wie Dariusz jetzt über die Rückkehr seines Neffen zu „seinem“ HFC denkt, ist noch nicht bekannt. „Wir haben nicht viel gesprochen“, verriet Joscha. „Das wird aber bestimmt die nächsten Tage noch passieren.“ Erstmal steht für ihn am Samstag (14 Uhr im Liveticker) vielleicht schon das Debüt für den HFC beim Spiel in Braunschweig an.