Der Geldbeschaffer

Hallescher FC: Eckbert Brauer kehrt als Geldbeschaffer aus dem Ruhestand zurück

Halle (Saale) - Auf dem Tisch liegen Verträge. Unterschriebene wohlgemerkt. Pures Geld, das in den nächsten Tagen auf dem Konto des Halleschen FC eingehen wird. Alles für die Rettung des Vereins, dem in der laufenden Saison knapp 1,4 Millionen Euro fehlen. Die Lizenz für die nächste Saison ist in Gefahr. Noch. „Ich will niemandem vorgreifen, aber ich glaube, wir kriegen das hin“, sagt Eckbert ...

Von Christoph Karpe

Auf dem Tisch liegen Verträge. Unterschriebene wohlgemerkt. Pures Geld, das in den nächsten Tagen auf dem Konto des Halleschen FC eingehen wird. Alles für die Rettung des Vereins, dem in der laufenden Saison knapp 1,4 Millionen Euro fehlen. Die Lizenz für die nächste Saison ist in Gefahr. Noch. „Ich will niemandem vorgreifen, aber ich glaube, wir kriegen das hin“, sagt Eckbert Brauer.

Was entscheidend auch mit ihm zu tun hat. Die Unterschriften unter den Kontrakten sind hauptsächlich sein Verdienst. „Heute früh habe ich noch ein Papier bei einer Firma vorbeigebracht“, sagt der Mann, der ansonsten im Hintergrund agiert. Dabei ist Brauer, 65, der wichtigste Geldbeschaffer des Klubs, wenn es darum geht, den Mittelstand für „Chemie“ zu begeistern. „Ich glaube, bis Mitte nächster Woche bekomme ich 280.000 bis 300.000 Euro zusammen“, frohlockt er. „Etwa 40 bis 45 Unterschriften habe ich schon.“

Wie Brauer beim Mittelstand die Klinken putzt

Gesammelt in nur fünf Wochen. Im letzten Sommer hatten sie Eckbert Brauer mit einem hübschen Blumenstrauß auf dem Rasen des Erdgas Sportparks verabschiedet. Nach 22 Jahren beim HFC, früher auch als Geschäftsführer, lechzte der Mann nach Freizeit. Außerdem wollte er sich intensiver um seine kranke Frau kümmern. Nach einem Schlaganfall vor zweieinhalb Jahren ist sie immer noch zeitweise auf den Rollstuhl angewiesen.

Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, welche Lücke der „Klinkenputzer“ hinterlassen würde. Aber in der Marketingabteilung gab es fortan niemanden mehr, der sich intensiv um die mittelständischen Geldgeber kümmerte.

Etwa 150 waren es einmal. Die bekamen plötzlich nur noch Briefe oder Mails mit der Bitte um Geld. Keiner vom Klub kam persönlich vorbei, plauderte, klärte Verträge per Handschlag. Unmut machte sich breit, Zahlungen gingen zurück, weil sich viele nur noch als Beiwerk sahen. Es fehlte an der menschlichen Seite, die Brauer wie kein Zweiter mitbringt. „Ich habe es nicht so mit Computern, ich rede lieber mit meinen Partnern“, sagt Brauer. „Und ich hänge an diesem Verein.“

HFC-Präsident Schädlich kam auf Brauer zu

Deshalb kehrte er zurück. Beim Spiel im Oktober in Erfurt ging Präsident Michael Schädlich zu auf Eckbert Brauer, den er unter den Zuschauern im Stadion gesichtet hatte. „Wir müssen uns sehen und reden“, so Schädlich. Der hatte mitbekommen, dass es bei den Sponsorenzahlungen hakte.

„Zuerst tat sich eine Lücke von 64.000 Euro im Nachklapp der letzten Saison auf, und dann kam Stück für Stück ein größeres Minus zum Vorschein“, erzählt Brauer, der in Hoch-Zeiten beinahe im Alleingang Sponsoren-Verträge über 1,2 Millionen Euro für eine Saison beschafft hatte. Schädlich musste ihn nicht lange bitten. „Ich habe das mit meiner Frau besprochen und die hat schnell gemerkt, dass ich zu Hause immer unruhiger wurde“, erzählt Brauer.

Am 15. Januar ist er wieder eingestiegen beim Halleschen FC - zunächst nur per Handschlag-Vertrag mit dem Präsidenten, bezahlt auf Provisions-Basis. Am Dienstag gab es nun ein richtiges Arbeitspapier. Das hätte es gar nicht gebraucht für Brauers Eifer.

Zwei Finanzkrisen haben Eckbert Brauer geprägt

Die Sponsoren, die er alle persönlich kennt, sind happy. „,Schön, dass sie wieder da sind’, das habe ich in den letzten Wochen schon ab und an gehört“, erzählt Eckbert Brauer, der vor seiner Zeit beim Halleschen FC auch schon die damaligen Bundesliga-Boxer des SV Halle gemanagt hatte. Was natürlich auch hauptsächlich darin bestand, Geld aufzutreiben.

Aber noch mehr schlägt sein Herz für den HFC. „Als Zwölfjähriger bin ich mit dem Fahrrad von meinem Heimatort Brachwitz nach Trotha gefahren. Dort stieg ich in die Bahn. Es waren 16 Haltestellen bis zum Stadion“, erinnert er sich. 1996 holte ihn der damalige HFC-Präsident Andreas Muth zu den Rot-Weißen. „Da hätten wir fast zumachen müssen, ohne das private Geld von Muth wäre der Klub komplett krachen gegangen.“

Es ging trotzdem in die sportlichen Niederungen. „Wir steckten in der Verbandsliga fest. Sogar Braunsbedra hat bei uns im Stadion gewonnen und uns dann verhöhnt“, erinnert sich Brauer an bitterste Momente. 2002 folgte die nächste Finanzkrise. Wieder drohte das Aus. Nun spannte sich Schädlich vor den Karren. Brauer half.

Die zwei Finanzkrisen zuvor haben Eckbert Brauer geprägt. „So weit darf es nie wieder kommen“, sagt er. „Dieser Klub muss einfach in der dritten Liga bleiben. Aus der Regionalliga kommst du doch nie wieder hoch.“ Für das Ziel Profi-Fußball in Halle geht er Klinkenputzen. Auch wenn sich diese Art der Jobbeschreibung nicht charmant anhört. Eckbert Brauer ist der Begriff egal.

(mz)