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Stahl Thale Günter "Jonny" Meinert aus Thale starb mit 79 Jahren: Er war bei Stahl Thale Mannschaftsleiter Betreuer und Busfahrer der Fußballer

Von Thomas Baake 23.03.2021, 14:15
Günter „Jonny“ Meinert (Mitte), hier mit Trainer Ingo Vandreike, war bei Stahl Thale eine Institution. Nun ist er im Alter von 79 Jahren gestorben.
Günter „Jonny“ Meinert (Mitte), hier mit Trainer Ingo Vandreike, war bei Stahl Thale eine Institution. Nun ist er im Alter von 79 Jahren gestorben. Detlef Anders

Thale - Eine „Stahl-Institution“, wie Ulrich Schulze seinen langjährigen Freund und Weggefährten im Fußball bei Stahl Thale, Günter „Jonny“ Meinert nennt, wird am Donnerstag seine letzte Reise antreten.

Stahls früherer Mannschaftsleiter verstarb vorige Woche im Alter von 79 Jahren. Seit 1958 war „Jonny“, wie er nicht nur in Thale genannt wurde, für alles Mögliche zuständig.

Er begleitete die Mannschaften Stahls in der DDR-Liga, bis 2017 in der Landesliga, als Busfahrer, Betreuer und Ansprechpartner für jeden. Erst 2017 legte er sein Amt nieder.

Günter „Jonny“ Meinert war bis 2017 Begleiter der Fußballer und Busfahrer

Aber der Reihe nach: Neben dem Fußball interessierte sich Meinert auch noch für den Kegelsport, wo er einen einjährigen Abstecher nach Zwickau wagte, aber im Jahr 1964 wieder in den Harz zurückkehrte.

Ab 1980 fungierte „Jonny“ Meinert dann wieder als Betreuer des Fußballteams aus der Bodestadt. Das bedeutete: Spiel- und Vereinsmeldungen bearbeiten, Trikotsätze vorbereiten, Mannschaftsbus fahren und einiges mehr.

„Er stand mir zur Seite und hat meinen höchsten Respekt verdient“, so Schulze, 1974 mit dem 1. FC Magdeburg Europapokalsieger der Pokalsieger und von 1985 bei 1988 Stahls Trainer.

„Mit ihm haben wir eine richtige Mannschaft zusammengebaut. Wenn wir einen Spieler wollten, mussten wir zu diesem hinfahren und an der Tür klingeln.“

So kam es auch schon mal vor, dass Meinert und Schulze im Trabant durch das ganze Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalts tourten, um Spieler für Grün-Weiß zu begeistern.

Im Trabant waren Schulze und Meinert unterwegs, um Spieler anzuwerben

Blankenburg, Köthen und Ilberstedt waren beispielsweise die Haltepunkte. Und aus dem imaginären Fußballhut „zauberten“ sie dann Kicker wie Olaf Adamczak, Andreas Fischer oder Peter Teichmann.

Die Mannschaftsabende - um das Team zusammenzuschweißen - seien legendär gewesen. Es wurde sich auch um die Familien der Fußballer gekümmert, die künftig Stahls Trikot überziehen sollten: Wohnung. Arbeitsplatz. Kindergartenplatz.

Also das Rundum-Wohlfühlpaket für die Spieler, um optimale sportliche Leistungen abzurufen. „Ohne Unterstützung vom Eisenhüttenwerk Thale wäre das nie möglich gewesen“, sagt Schulze, der Meinert als solide Persönlichkeit kennengelernt hat, die immer alles gegeben hat, ohne lange nachzufragen.

„Jonny war voll auf Fußball eingestellt und er war die beste Seele des Fußballs“, zollt Schulze ihm den höchsten Respekt. Der Kontakt zwischen den beiden riss nie ab, auch als Schulze längst kein Trainer der Grün-Weißen mehr war.

Geburtstage wurden zusammen gefeiert. Man kannte und schätzte sich. Einer für Alle – Alle für Einen, lautete das Motto da im Sportpark.

„Jonny war voll auf Fußball eingestellt und er war die beste Seele des Fußballs“

So erinnert sich auch Zahnarzt Kai Uwe Kuschel an den Weggefährten. Meinert sei ein väterlicher Freund gewesen, der meist aufmunternde Worte gefunden habe.

„Jonny war ein extrem loyaler Mensch für den Fußball in Thale. Er legte stets ein anständiges Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen an den Tag“, blickt Kuschel zurück.

Er selbst lernte Meinert in seiner Jugendzeit bei Stahl Thale kennen, als er im Alter von 15 Jahren zu den Spielen kam. Sachlich und emotional begegnete Meinert seinen Mitmenschen rund um den Sportpark.

Laut Kuschel traf „Jonny“ dabei immer den richtigen Ton. „Er versuchte, die Situationen zu entschärfen.“
Beide Seiten zu verstehen und die Meinung nett zu vermitteln, sei das Rezept von Günter Meinert gewesen.

In Kuschels Thalenser Zahnarztpraxis fachsimpelten beide viel über Fußball und Meinert sprach viel und gern. Nur einmal nicht. Da war er nahezu sprachlos.

Die beiden Freunde waren mit dem Auto auf dem Weg von Thale nach Braunschweig zum Fußball. Ein Spiel der Eintracht stand auf dem Programm.

„Wir waren etwas spät dran, und ich trat das Gaspedal durch. Während der kompletten Hinfahrt sagte Jonny kein Wort. Zum Anpfiff des Heimspiels schafften wir es pünktlich“, erzählt Kuschel.

Die Fußballwelt in und um Thale nimmt in diesen Tagen Abschied von einem bescheidenen Menschen mit einem hohen moralischen Anspruch: Günter „Jonny“ Meinert. (mz)