Gruppen-Finale gegen Südkorea

Deutschland gegen Südkorea: Wie gut ist die Mannschaft wirklich?

Kasan - Bislang konnte das DFB-Team bei der WM-Endrunde 2018 in Russland noch nicht überzeugen. Einem schwachen 0:1 gegen Mexiko folgte ein Last-Minute-Sieg gegen Schwede (2:1). Die wichtigsten Fragen und Antworten zum deutschen Gruppenfinale gegen Südkorea heute (16 ...

Von Jan Christian Müller
Toni Kroos und Joachim Löw erleichtet nach dem Sieg gegen Schweden: Aber wie gut ist Deutschland wirklich bei der WM-Endrunde?
Toni Kroos und Joachim Löw erleichtet nach dem Sieg gegen Schweden: Aber wie gut ist Deutschland wirklich bei der WM-Endrunde? dpa

Bislang konnte das DFB-Team bei der WM-Endrunde 2018 in Russland noch nicht überzeugen. Einem schwachen 0:1 gegen Mexiko folgte ein Last-Minute-Sieg gegen Schwede (2:1). Die wichtigsten Fragen und Antworten zum deutschen Gruppenfinale gegen Südkorea heute (16 Uhr).

Worauf achtet das Trainerteam besonders?

Frische! Die vergangenen Tage waren aufreibend, „nicht nur für den Körper, sondern auch für den Kopf“, sagt Timo Werner. 95 Minuten unter Superdruck gegen Schweden, die Jubelorgie in der Nachspielzeit, der verspätete Nachtflug im Starkregen zurück und, schwupp, schon wieder ab in die Luft nach Kasan – all das muss erst einmal verarbeitet werden. Ergo: Trainingsbelastung auf Koronarsportniveau.

Welche Gefahr droht?

Die kollektive Erleichterung könnte zu einem Spannungsabfall führen. Da gilt es, wachsam zu sein und die Systeme zeitig wieder gebührend hochzufahren. Sonst bliebe der Kunstschuss von Kroos kein Tor für die Ewigkeit, sondern bloß ein Episödchen.

Wie groß ist das Wir-Gefühl?

„Wir sind als Mannschaft enger zusammengerückt“, glaubt Werner, „jeder hat bewiesen, dass er für den anderen kämpft.“ Er habe so etwas „noch nie“ erlebt. „Das kann ein Wendepunkt gewesen sein“, hofft Thomas Müller nach dem Last-Minute-Sieg gegen Schweden. Marco Reus spricht von „Initialzündung“.

Was ist zu tun?

Toni Kroos ist sicher: „Das Adrenalin und die Klasse werden es gegen Südkorea richten.“ Nur ein Sieg mit zwei Toren Vorsprung reicht sicher für das Achtelfinale. Alle anderen Rechnungen bergen Risiko, das ohne Masterstudium der Mathematik kaum kalkulierbar ist. Das Dumme: Im DFB-Tross hat niemand einen Master in Mathe.

Wer spielt?

Schwer zu sagen. Es gibt keine Stammelf mehr, noch nicht mal mehr eine Achse. Tatsächlich nicht auszuschließen, dass Mario Gomez von Anfang an neben Werner angreifen darf. Jetzt wissen nur noch Neuer, der wiedergenesene Hummels, Kimmich, Kroos, Reus, Werner und, nun ja, auch Hector, obwohl der schlecht drauf ist, dass sie in der Startelf stehen. Hinten vielleicht doch besser Süle statt Rüdiger wegen dessen besserer Technik?

Was ist mit Özil los?

Hat seinen Platz hinter den Spitzen an Reus verloren. Reagierte mit nachlässiger Körpersprache, aber auch mit einem Instagram-Eintrag. Özil schrieb: „Wir sind ein Team. Auf und abseits des Platzes. Egal, was sie sagen.“ Was ist die Wahrheit? Körpersprache oder das Internet?

Was passiert mit Khedira?

Der Platz neben Kroos dürfte wieder freigeworden sein - wegen Rudys zertrümmerter Nase. Einsatz unwahrscheinlich. Der eher schwergängige Khedira drängt sich gegen die kleinen, flinken Südkoreaner nicht unbedingt für eine Rückkehr auf. Könnte eine Chance für Leon Goretzka sein.

Wie gut ist die Mannschaft tatsächlich?

In dieser Form nicht weltmeistertauglich. Deshalb verschiebt Löw so viel hin und wieder her. Eigentlich war die WM nicht als Experimentierfeld gedacht. Ist sie jetzt aber geworden. Macht die Sache aber auch spannender als erwartet für jeden Spieler und alle, die zuschauen.

Wie wird das Rabauken-Problem gelöst?

Am Montag war Präsident Reinhard Grindel im Teamquartier in Watutinki und hat die Scharmützel nach dem Schwedenspiel zur Chefsache erklärt. Die beiden Terrier, Organisationsleiter Georg Behlau und TV-Medienboss Uli Voigt, wurden zur Ordnung gerufen. Noch vor einem Fifa-Urteil wurde entschieden, dass beide im Südkorea-Spiel keine „Funktionen im Stadion-Innenraum wahrnehmen werden“. Voigt spricht selbstkritisch von einer „bescheuerten Aktion“. Teamintern heißen sie jetzt Bud Spencer und Terrence Hill.

Wie geht´s nun weiter?

Bei einem derzeit wahrscheinlichsten deutschen Gruppenplatz zwei könnte schon im Achtelfinale ein Aufeinandertreffen mit Brasilien in Samara geben. Geplant war das so nicht. Für den Fall des Ausscheidens kommt die Sondermaschine der Lufthansa. Die Crew steht auf Standby.

(mz)