MZ-Wirtschaftsnewsletter vom 20. Juni 2024 100-Millionen-Loch: Flughafen-Führung in der Krise abgetaucht
Weitere Themen: Grüner Flugtreibstoff aus Leuna / Tesvolt-Gründer in Sorge / Aus für Fraunhofer-Zentrum / Wettkampf der Drohnen / Milliarden für Unimedizin-Neubauten

schön, dass Sie den MZ-Wirtschaftsnewsletter lesen. Ich gehe davon aus, dass Sie sich für wirtschaftliche Themen in Mitteldeutschland interessieren. Daher jetzt eine Wissensfrage: Sagt Ihnen der Name Götz Ahmelmann etwas? Falls nicht, müssen Sie sich nicht grämen. Götz Ahmelmann ist Vorstandsvorsitzender der Mitteldeutschen Flughafen AG (MFAG), welche die beiden mitteldeutschen Airports Leipzig/Halle und Dresden verwaltet. Doch seit der Corona-Pandemie ist der Top-Manager mit seiner Führungscrew öffentlich kaum in Erscheinung getreten.
Das wäre auch kein Problem, wenn die Flughäfen florieren würden. Doch leider ist das Gegenteil der Fall: Dass sich Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Inflation negativ auf das Geschäft auswirken, war klar, doch wie es um die Flughäfen steht, erfährt die Öffentlichkeit nicht. Im vergangenen Jahr ploppte dann die Nachricht auf, dass eine Sanierung notwendig ist. In dieser Woche wurde bekannt, dass in der Finanzplanung der MFAG bis 2026 ein Loch von 100 Millionen Euro klafft, das die beiden großen Anteilseigner, die Länder Sachsen und Sachsen-Anhalt, schließen sollen. In einem internen Papier des sächsischen Finanzministeriums, über das mehrere Medien berichteten, ist von Insolvenzgefahr die Rede, sollte der Staat nicht einspringen.

Doch wieso stecken die Airports in der Krise? Bereits seit Jahren schreibt die MFAG Verluste. Vor allem hohe Investitionen in die Infrastruktur, wie Landebahnen, sind dafür verantwortlich. Im operativen Geschäft haben sowohl Leipzig/Halle als auch Dresden vor der Corona-Pandemie schwarze Zahlen geschrieben. Das heißt, die Betriebskosten wurden gedeckt. Durch die Pandemie brach der Passagierverkehr zusammen.
Seit 2021 steigen die Gästezahlen wieder, doch das Vor-Corona-Niveau ist noch längst nicht erreicht. Beide Flughäfen hatten zusammen 2023 ein Fluggastaufkommen von etwa drei Millionen – knapp 30 Prozent weniger als 2019 (siehe Grafik). Das reißt Löcher in die Kasse.

Die Flughafenführung hat in der Vergangenheit die Schwäche im Passagiergeschäft vor allem mit der harten Konkurrenz zu Berlin begründet. Nur: Der Flughafen Leipzig/Halle hat mit den Ländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ein Einzugsgebiet von mehr als 6 Millionen Einwohnern. Die fliegen aber häufig vom Hauptstadtflughafen, weil es dort mehr Verbindungen und günstigere Preise gibt.
Doch das ist nicht alles: Im vergangenen Herbst zog sich Amazon vom Airport zurück. Durch den Ukraine-Krieg fliegen auch die russische Airline Volga Dnepr und Air-Bridge-Cargo nicht mehr. „Leipzig/Halle ist zwar der zweitgrößte Frachtflughafen Deutschlands, doch wenn man genauer hinschaut, sind da nur DHL und Fracht-Charterflüge“, erklärte ein Branchenkenner zuletzt.
Es gibt also reichlich Gründe, warum Ahmelmann und sein Team in die Öffentlichkeit treten müssten, um ihre Strategie zu erklären, wie die Flughäfen wieder durchstarten sollen. Doch vielleicht gibt es diesen Plan gar nicht. Die Anteilseigner haben jetzt jedenfalls den erfahrenen Luftfahrt-Manager Ralf Teckentrup, der bereits die Fluggesellschaft Condor restrukturierte, als Sanierer zur Flughafen-Holding entsandt. Er wird als erstes wohl einen Kassensturz machen. Vielleicht erfahren wir dann, wie es um die Flughäfen steht.
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Bis kommende Woche, herzlich Steffen Höhne
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