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Drohnentestzentrum in Cochstedt Wettkampf der Drohnen: Wer liefert Ersatzteile für Windräder am besten?

Unbemannte Fluggeräte verschiedener Hersteller messen sich am Flughafen Cochstedt in ihrer Transportleistung. Ziel ist es, Windräder auf dem Meer mit Ersatzteilen zu versorgen.

Von Steffen Höhne Aktualisiert: 19.06.2024, 17:00
Andreas Desch, Chef des Unternehmens Stromkind, zeigt die Drohne STR-35, mit der die Österreicher am Wettbewerb teilnehmen.
Andreas Desch, Chef des Unternehmens Stromkind, zeigt die Drohne STR-35, mit der die Österreicher am Wettbewerb teilnehmen. Foto: Höhne

Cochstedt/MZ. - Nieselregen und leichter Wind: Die Testbedingungen für die Drohne STR-35 des österreichischen Unternehmens Stromkind waren am Mittwoch am Flughafen Cochstedt (Salzlandkreis) schon ähnlich wie am geplanten Einsatzort. Das Fluggerät mit vier Rotorblättern hob mit einer 15 Kilogramm schweren Box ab. „Wir haben den gesamten Kurs programmiert, die Drohne kann dann vollautomatisch fliegen“, sagt Unternehmenschef Andreas Desch.

Das Unternehmen Stromkind ist ein Teilnehmer der zweitägigen „Offshore Drone Challenge“, welche der Energieversorger EnBW und das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum (DLR) veranstalten. Es handelte sich um einen Drohnenwettbewerb für Windkraftanlagen auf dem Meer.

Drohne des Solectric-Teams nach Aufnahme der Last.
Drohne des Solectric-Teams nach Aufnahme der Last.
Foto: DLR

„Bisher müssen Ersatzteile für Windkraftanlagen auf See aufwändig mit dem Schiff transportiert und teilweise mit dem Kran zu den Gondeln gehoben werden“, erklärt EnBW-Manager Michael Splett, der den Betrieb der sogenannten Offshore-Windkraftanlagen des Konzerns verantwortet. „Mit Transportdrohnen könnten wir die Kosten für den Betrieb der Anlagen deutlich senken“, ist Splett überzeugt. Moderne Offshore-Windräder würden bereits über kleine Landeplattformen auf den Gondeln verfügen. Drohnen könnten schnell Ersatzteile zu den Anlagen liefern, falls sie defekt seien.

Hohe Reichweite ist für Windpark-Transporte nötig

Doch Tests auf hoher See sind kompliziert. Daher sollten die Hersteller auf dem Flughafen Cochstedt, wo das DLR sein „Nationales Erprobungszentrum für unbemannte Luftfahrtsysteme“ betreibt, zeigen, in welchem Umfang sie den Anforderungen bereits gerecht werden. Nach Angaben von DLR-Projektleiter Sebastian Cain gehe es nicht nur darum, eine Flugstrecke zurückzulegen. Bewertet würden unter anderem die Last, die Reichweite, die Geschwindigkeit, die Präzession, die Robustheit und die Automatisierung der Systeme. „Ziel muss es sein, dass die Windräder vollautomatisch beliefert werden“, so Cain. Das heißt, es gibt keinen Drohnen-Piloten. Der Flug wird vom Computer gesteuert, Kameras und Sensoren sind die Augen und die Ohren. Beim Wettbewerb mussten die Drohnen verschiedene Aufgaben lösen, wie das Transportieren und Absetzen der Last, die Kommunikation mit dem Windpark, um den Landeanflug auf eine Windenergieanlage zu beginnen, oder ein Flug außerhalb der Sichtweite.

Die Windparks liegen oft 30 Kilometer vor der Küste. Dort weht häufig ein steifer Wind, weshalb die Standorte zur Stromerzeugung besonders geeignet sind. Für die Belieferung aus der Luft stellt das aber eine besondere Herausforderung dar. Die Drohne STR-35 von Stromkind wird daher auch nicht von Akkus, sondern mit einem Verbrennungsmotor betrieben. „Wir erreichen so Reichweiten von bis zu 100 Kilometern und Einsatzzeiten von sechs Stunden“, erläutert Firmenchef Desch. Mit strombetriebenen Drohnen sei das nicht möglich. Die STR-35 verkauft das Unternehmen bisher unter anderem an Agrarunternehmen, die die Drohne in Weinbergen zum Versprühen von Pflanzenschutzmitteln nutzen. „Wir sehen aber auch viele Einsatzmöglichkeiten im Transportsektor“, so Desch. Als besonderen Vorteil des Systems sieht er, dass die Drohne Kisten vollautomatisch absetzen und auch wieder aufnehmen kann.

Die Übersicht zeigt, was die Drohnen im Wettbewerb machen mussten.
Die Übersicht zeigt, was die Drohnen im Wettbewerb machen mussten.
Foto: DLR

„Das unbemannte Fliegen ist eine Schlüsseltechnologie für die Luftfahrt der Zukunft ebenso wie die Windenergie für die Energiewende“, sagt DLR-Vorstandsvorsitzende Anke Kaysser-Pyzalla, die sich am Mittwoch auch die Tests anschaute. Durch den Ukraine-Krieg seien Drohnen aktuell vor allem als Waffen im Gespräch. Nach ihren Worten werden sie im Transportsektor aber einen viel breiteren Einsatz finden. Dazu will das DLR beitragen.

Viele Start-ups testen in Cochstedt

Seit dem Jahr 2021 betreibt das Forschungsinstitut in Cochstedt, etwa 30 Kilometer südlich von Magdeburg, bereits das Testzentrum. Laut Standortleiter Daniel Sülberg hat es im vergangenen Jahr etwa 150 Nutzungstage mit Flügen gegeben, etwa die Hälfte davon geht auf das Konto von Unternehmen aus der Industrie. „Viele Start-ups nutzen unsere Infrastruktur, um ihre Fluggeräte zu testen“, erläutert Sülberg.

Das DLR arbeitet aber auch intensiv daran, ein Luftraum-Management zu erstellen. Bisher müssen kommerzielle Drohnen-Flüge in Deutschland aufwändig bei den Behörden angemeldet und genehmigt werden. Die Technologie für die Drohnen ist inzwischen weit entwickelt, eine fehlende Regulierung des Luftraums verhindert aktuell noch einen breiten Einsatz.

Desch ist sich aber sicher, dass sich das ändert: „Drohnen werden Autos, Schiffe und Flugzeuge nicht ersetzen, um einzelne, kleine Güter zu transportieren, sind sie aber sehr effizient.“