Schadens-Regulierer Schadens-Regulierer: Schnelle Hilfe im «Bermudadreieck»
Wolfen/Jeßnitz/MZ. - Gesine Keck aus Halle ist seit acht Tagenim Einsatz: Jeßnitz, Raguhn, Elster. Sie hatauch früher schon vereinzelt schwere Schadensfälleerlebt, aber das hier: "Wohnung für Wohnung,oft wie ausgebombt, Wahnsinn", sagt die 35-Jährige,die vor allem Hausrat-Schäden reguliert. Mitzwei Gutachtern für Gebäudeschäden aus Berlinfährt sie durch Jeßnitz. Bundeswehr karrtSperrmüll zusammen, leer glotzen Fensterhöhlenund Türöffnungen. Die Leute warten darauf,dass die kahlen Mauern trocknen - und dassihre Versicherung schnell hilft.
Gartenstraße 22, Familie Halang. Hierwar der Hof schulterhoch geflutet, der Kellervoll. An der Oberkante der Schwelle zum Wohnzimmerhörte das Wasser auf zu steigen. Glück imUnglück: Das Haus war in den 30er Jahren hochgebaut worden, die Heizung kam später in diealte Speisekammer statt in den Keller. Dennochist vieles zerstört: Boiler, Dielung, Kachelböden,Wandverkleidungen. Überall muss der Putz runter,Mauern ziehen Wasser, haben Risse. Die Expertennotieren, überschlagen, besprechen Richtwerte,runden auf. "Wir bezahlen die Schäden nachortsüblichen Preisen. Das ist so viel wieeine Firma kosten würde, die den Schaden behebt",sagt Gesine Keck und garantiert den Halangs:"Sie bekommen eine äquivalente Leistung, umdas Haus wieder herstellen zu können wie esvorher war."
Die Summen schwanken stark, mal sind es wenigeTausend Euro, mal 50000, aber nie mehr alsdie Versicherungssumme. "Manche Leute sinddrastisch unterversichert", erzählt ExpertinKeck. Einige der 80 Flutopfer, die sie bisherauszahlte, hatten kaum die Hälfte des verlorenenHausrates in der Schadensmeldung aufgelistet,da war die Vertragssumme schon erreicht. "Entsetzlich,aber das liegt nicht an uns", sagt die Allianz-Frau.
Nach einer Stunde heißt es auch für FamilieHalang: "Verrechnungsscheck oder Überweisung?"Dankbares Lächeln. Eine verschlammte FlascheSekt bekommt das Team mit auf den Weg. UndGeschichten, die man nie vergisst: Dass Sandraund Knut Halang am 17. August mitten in derHochwasser-Katastrophe geheiratet haben, dassdabei der vor einem halben Jahr bestellteTitanic-Song lief, dass am Hochzeitstag Sandsäckegeschleppt werden mussten, dass ein Nachbarseit der Flut wieder mit ihnen redet, dassKnut vom Arbeitgeber problemlos frei gestelltwurde, dass Bekannte mit Waschmaschine undTrockner aushalfen . . .
"Die Menschen sind dichter zusammengerückt",spürt Gesine Keck und freut sich sehr überdie Reaktion ihrer Kundschaft: "Alle sindfroh, dass sie in der Not so schnell finanziellenRückhalt erhalten." Dafür sind allein beider Allianz rund 800 Mitarbeiter und Helferin den Überflutungsgebieten im südlichen Sachsen-Anhaltim Einsatz. In den letzten Tagen wurden hier2500 Schadensfälle reguliert, rund 38 MillionenEuro ausgezahlt, sagt Ingo Hertel, Direktorder Filialdirektion Dessau. Möglichst schonbeim ersten Besuch bei den Opfern sollen dieSchäden bezahlt werden.
Mitunter kommen aber auch aus Versehen zweiverschiedene Allianz-Teams zu Besuch. EinFlutopfer hat still beide Schecks angenommen."Ein absoluter Einzelfall", so Hertel. Undvöllig aussichtslos: "Täglich gleichen wiralle Schadenszahlungen ab. Beide Schecks habenwir sofort gesperrt."