Bürokratie am Radweg

Verkehrszeichen entfernt am neuen Radweg zwischen Gernrode und Ballenstedt: Gefahr für Radfahrer an Kreuzungen

Rieder - Die Stadtverwaltung Ballenstedt ist damit einer Aufforderung der Verkehrsbehörde des Landkreises nachgekommen, begründet Ordnungsamtsleiter Wilfried Dette auf Nachfrage der MZ das Vorgehen. Die vorhandene Beschilderung habe entfernt werden müssen, nachdem ein „berufener Radfahrer“, wie der Amtsleiter sagt, die Strecke abgefahren sei und dabei Mängel festgestellt habe.

Von Susanne Thon und Rita Kunze

„Theoretisch könnte ich jetzt hier mit dem Traktor langfahren“, sagt Heinz-Jörg Fleiter, „ist ja nicht als Radweg ausgeschildert. Aber das kann ja nicht im Sinne des Erfinders sein.“

Als der Essener vor kurzem einmal wieder zu Besuch in seinem Ferienhäuschen im Harz war - es steht unweit der alten Bahntrasse zwischen Gernrode und Ballenstedt, die jetzt Radweg ist und den er deshalb öfters quert - hat er etwas vermisst: die Verkehrszeichen.

Sowohl die Schilder, die den Radweg als solchen kennzeichneten, als auch die Vorfahrtsschilder fehlten seit ein paar Tagen - „hauptsächlich in Rieder“, erklärt er. Im Gespräch mit der MZ kritisiert er die unklare Verkehrssituation, die dadurch entstehe.

Radweg- und Vorfahrtsschilder sind seit kurzem verschwunden

Wenngleich man auch vorher, als die Radfahrer noch per Schild angehalten worden seien, den Autofahrern die Vorfahrt zu gewähren, nicht auf sein Recht beharren habe dürfen, sagt er und spricht von mehreren „Fast-Unfällen“, zu denen es in den Kreuzungsbereichen schon gekommen sei.

Fleiter erkundigte sich daraufhin in der Stadtverwaltung - und brachte immerhin in Erfahrung, dass sie hätten entfernt werden müssen. Die Stadtverwaltung Ballenstedt ist damit einer Aufforderung der Verkehrsbehörde des Landkreises nachgekommen, begründet Ordnungsamtsleiter Wilfried Dette auf Nachfrage der MZ das Vorgehen.

Die vorhandene Beschilderung habe entfernt werden müssen, nachdem ein „berufener Radfahrer“, wie der Amtsleiter sagt, die Strecke abgefahren sei und dabei Mängel festgestellt habe.

Im Zusammenhang mit dem Radwegbau habe der Planer auch einen Verkehrsplan erstellt, der der zuständigen Behörde vorgelegt worden sei, sagt Wilfried Dette.

Daraufhin seien die Verkehrsschilder aufgestellt worden. „Aber der Radler war der Meinung, es hätte anders gemacht werden können“, sagt der Amtsleiter. Beispielsweise sollten „so wenig Schilder wie möglich“ aufgestellt werden.

Ein „berufener Radfahrer“ sei die Strecke abgefahren und habe Mängel festgestellt

Es geht aber auch um die blau-weißen Vorschriftszeichen, die die Strecke als Geh- und Radweg ausweisen, der für motorisierte Fahrzeuge nicht genutzt werden darf. Die Stadt hatte Barrieren und Absperrgitter aufgestellt, um die Strecke für Radler und Fußgänger sicherer zu machen. „Aber mit einem Moped hätte man auch darauf fahren können“, gesteht der Amtsleiter ein.

Nun soll die Strecke von Ordnungsamt und Polizei in der kommenden Woche noch einmal befahren und entschieden werden, welche Schilder nötig sind, besonders bei den Vorfahrtsregelungen.

Beispielsweise dann, wenn sich der Radweg mit Straßen kreuzt, wie es in Rieder gleich dreimal der Fall ist. Dazu, heißt es im Ordnungsamt, soll unter anderem der bauliche Zustand der Straßen begutachtet werden. Da geht es ebenso um verkehrsreiche Straßen oder Feldwege, die hauptsächlich von landwirtschaftlichen Fahrzeugen genutzt werden. (mz)