Corona-Teststation

In Hoym können sich Bürger jetzt kostenlos auf das Coronavirus testen lassen

Das Ungewöhnliche daran: Das Geld kommt dem Klein- und Wildtierhilfeverein Radisleben zugute.

Von Regine Lotzmann 18.01.2022, 16:20
 Wolfgang Hirsch (rechts) gehört zu den Ersten, die  getestet werden.
Wolfgang Hirsch (rechts) gehört zu den Ersten, die getestet werden. Foto: Regine Lotzmann

Hoym/MZ - „Das ist so toll, dass es das hier jetzt gibt“, spricht Wolfgang Hirsch von der neu eröffneten Corona-Teststation im Seeland. Der einzigen, die hier im Moment existiert. Hirsch will am Abend mit seinem Nachterstedter Posaunenchor proben - das geht immer nur mit offiziellem Test. Den können sich die Seeländer nun in Hoym holen - gleich gegenüber vom Edeka-Markt.

In einem der leeren Geschäfte haben sich Daniela Klocke und Michael Hartrott eingerichtet. Auf den Tischen liegen die Tests parat. Dazu Kurzzeitwecker und Formulare. Das Ungewöhnliche daran: Das Ehepaar leitet in Radisleben den Klein- und Wildtierhilfeverein und die Tierrettung. Das Geld, was die beiden für ihre Dienstleistung einnehmen, soll genau diesen Projekten zugute kommen.

Gute Bedingungen in Hoym

Es war ein Entschluss, der beiden Seiten helfen soll, meint das Paar. „Unser Verein bekommt keine öffentlichen Gelder oder Spenden, aber es werden jährlich immer mehr Tiere, die Hilfe brauchen“, sagt Daniela Klocke. Und auf der anderen Seite sind gerade in ländlichen Gegenden die Corona-Teststationen dünn gesät. „In Aschersleben gibt es welche und in Quedlinburg - aber in den ganzen Örtchen dazwischen? Nichts“, meint auch Michael Hartrott. Warum sich das Paar für Hoym entschieden hat? „Es liegt dazwischen und ist gut zu erreichen“, sagt der Radislebener. „Wir gehen selbst hier einkaufen und haben die leeren Läden gesehen“, fügt seine Frau hinzu. Mit dem Vermieter sei man sich schnell einig geworden.

Die Antigen-Schnelltests, die sie nun hier im Auftrag des Salzlandkreises durchführen, sind zertifiziert, vom Bundesministerium zugelassen und für die Bürger kostenlos. Werktags ist die Station von 9 bis 11 und 15 bis 19 Uhr geöffnet, feiertags und am Wochenende von 16 bis 19 Uhr.

„Das Schöne ist, dass es nicht termingebunden ist“, sagt eine junge Frau, die gerade auf ihr Testergebnis wartet. Wenn man arbeite und nicht wisse, wie man es schaffe, sei dieses Angebot besonders wichtig, gibt sie zu.

„Zudem kann auch ein mobiles Testteam angefordert werden“, fügt Daniela Klocke hinzu und nennt als Beispiel etwa Betriebe oder Familienfeiern, aber auch alte Leute, die nicht mobil sind und nicht aus ihrem Ort wegkommen.

Ungewöhnliche Symbiose

Dass die Verbindung Wildtierhilfe und Teststation tatsächlich ein bisschen ungewöhnlich ist, die beiden geben es zu. Aber sie seien bestens auf ihre Aufgabe vorbereitet. So habe es natürlich Schulungen gegeben, Absprachen mit dem Gesundheitsamt und die Hygienevorschriften werden aufs Strengste umgesetzt. So benutzt das Team etwa CE-zertifizierte Schutzkleidung. „Aber natürlich gehören auch Feingefühl und Menschenkenntnis dazu“, meint die 48-Jährige. Denn viele Menschen hätten Angst vor dieser Prozedur. Und diese Angst wollen sie den Leuten nehmen.

Dass von ihrer Arbeit auch noch ihr anderes Herzensprojekt profitiert, sei gleich ein doppelter Gewinn, finden die beiden. Auf ihrer Wildstation werden jährlich bis zu 400 Tiere gepflegt und medizinisch betreut. Opfer von Unfällen oder Windrädern, Bissverletzungen, verlassene Jungtiere. „Füchse, Marder, Eulen, Wildschweine, wir hatten schon alles. Das Ungewöhnlichste war mal ein Dachs“, erzählt die Radislebenerin.

Im Moment seien es 70 bis 80 Tiere, darunter an die 40 Igel. „Die Hälfte davon schläft, die andere hat das Gewicht noch nicht erreicht und muss künstlich wachgehalten werden.“ Ein angeschossener Kolkrabe ist ein Dauergast. „Und wir haben auch Gnadenhoftiere “, nennt Hartrott, der auch Ranger ist, als Beispiel Pferde, Ziegen und Hühner. Letztere stammen aus Legebatterien. „Für sie suchen wir Familien“, sagt der 45-Jährige und meint: „Es ist so schön, wenn man sieht, wie sie sich verändern, ihnen wieder Federn wachsen, weil sie Platz und vernünftiges Futter haben.“