Spenden reichen nicht

Tafeln in Sachsen-Anhalt: Spenden reichen nicht mehr für die 100 Ausgabestellen

Halle (Saale)/Quedlinburg - Sachsen-Anhalts Tafeln, die Lebensmittel an Bedürftige verteilen, hungern nach Spenden. Was Händler, Produzenten und Privatleute derzeitig geben, reicht nicht mehr aus, um täglich und überall an den 100 Ausgabestellen den Bedarf zu decken.

Von Ralf Böhme 22.08.2016, 06:13

Sachsen-Anhalts Tafeln, die Lebensmittel an Bedürftige verteilen, hungern nach Spenden. Was Händler, Produzenten und Privatleute derzeitig geben, reicht nicht mehr aus, um täglich und überall an den 100 Ausgabestellen den Bedarf zu decken.

„Es gibt leider sehr starke regionale Schwankungen“, beklagt Andreas Steppuhn, Landesvorsitzender der Tafeln. Mit einem neuen Logistik-Konzept will der Verband auf diesen Trend reagieren und hofft auf Großspenden aus dem gesamten Bundesgebiet.

Harzer Tafel in Quedlinburg erhält weniger Lebensmittel

Deutlich weniger Lebensmittel als früher erhält beispielsweise die Harzer Tafel in Quedlinburg. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) als Betreiber stellt mittlerweile ein Minus von fast 30 Prozent fest.

Statt ursprünglich 23 Tonnen pro Monat können gegenwärtig nur noch 16 Tonnen eingesammelt werden.

"Supermärkte gehen anders mit Lebensmitteln um"

Das ist die Erfahrung von Kristin Rost, der Leiterin für soziale Arbeit: „Viele Supermärkte gehen inzwischen ganz anders mit Lebensmitteln um, deren Mindesthaltbarkeit abläuft.“ Sie kalkulierten verständlicherweise scharf betriebswirtschaftlich.

Die betreffenden Waren würden nicht mehr gespendet, sondern immer häufiger als preisreduzierte Aktionsware verkauft. Die Folge: Die Tüten mit Lebensmitteln für Tafel-Kunden, die ihre Bedürftigkeit mit amtlichen Bescheiden nachweisen müssen, sind nicht mehr so voll wie früher.

Regionale Unterschiede bei Tafeln in Sachsen-Anhalt

Das Aufkommen der 32 Tafeln in Sachsen-Anhalt bewegt sich von monatlich vier Tonnen in Köthen (Anhalt-Bitterfeld) über zwölf Tonnen in Dessau bis zu 30 Tonnen in Naumburg (Burgenlandkreis).

Die regionalen Unterschiede erschweren laut Steppuhn die regelmäßige Versorgung der landesweit rund 35 000 Menschen, die am Rande des Existenzminimums leben und auf diese Unterstützung angewiesen sind. So erfolge die Ausgabe der Lebensmittel vielfach bereits nur noch nach Wartelisten, meistens im Abstand von zwei bis drei Wochen und häufig gegen ein geringes Entgelt.

Neues Logistikonzept für Tafeln in Sachsen-Anhalt

Nun soll ein neues Logistikkonzept helfen, die Situation zu verbessern. Geplant ist nicht nur eine engere Zusammenarbeit im Bund und in den Regionen, sondern auch die Partnerschaft mit einem bundesweit tätigen Spediteur aus Wanzleben (Börde).

Grundlage für die Planung ist dabei ein computergestütztes Informationssystem. Wenn Transport und Lagerung gut klappen, so die Erwartung des Landesverbandes, werden auch mehr der leistungsstarken Lebensmittel-Großhändler ihr Entgegenkommen signalisieren.

Tafeln wollen Plus bei Großspenden erzielen

Das Ziel der Tafeln ist es, künftig ein deutliches Plus bei den Großspenden aus dem gesamten Bundesgebiet zu erreichen. Abholung und Verteilung auf Zuruf - das kann funktionieren. Ein Probelauf mit 150 Paletten voll mit Lebensmitteln aus Süddeutschland ist bereits gelungen. Weitere Sendungen sind avisiert.

Neue Aktivitäten der Ehrenamtlichen vor Ort sind dennoch erforderlich. „Wir nehmen zwar, was wir kriegen können“, erklärt Simone Kowaczek, Leiterin der Bitterfelder Tafel. Doch mitunter fehlten die geeigneten Fahrzeuge für den Transport der Lebensmittel. (mz)