1. MZ.de
  2. >
  3. Mitteldeutschland
  4. >
  5. Sachsen-Anhalt
  6. >
  7. Schulausfall für Lehrer-Präventionstag - Kritik von Eltern an Termin

Trotz 63 FerientagenExtra-Schulausfall für Lehrer-Präventionstag - Kritik vom Landeselternrat

Der Präventionstag für Lehrer in Sachsen-Anhalt soll an einem Schultag stattfinden. Der Landeselternrat hält das für mindestens unglücklich - weil Schule ausfällt und Eltern Urlaub nehmen müssen, während Lehrer 63 Tage Schulferien haben.

Von Julius Lukas Aktualisiert: 11.11.2022, 13:43
Heute keine Schule - das gilt auch am Präventionstag, an dem die Lehrer gesundheitsvorsorge betreiben sollen.
Heute keine Schule - das gilt auch am Präventionstag, an dem die Lehrer gesundheitsvorsorge betreiben sollen. (Foto: imago images/photothek)

Magdeburg/MZ - Der Landeselternrat Sachsen-Anhalt (LER) kritisiert das Bildungsministeriums Sachsen-Anhalt für den neu eingeführten Präventionstag. Dieser soll für die Lehrkräfte an einem Schultag stattfinden, an dem laut Elternrat weder Schule noch Betreuung geplant sei.

„Die Schulpflicht von Kindern und die Pflicht zur Beschulung durch den Staat sind ein hohes Gut, das nicht einfach geopfert werden darf“, erklären die Elternvertreter in einer Mitteilung. „In der Hoffnung, mit diesem Präventionstag die verfehlte Personalpolitik teilweise kompensieren zu können, wird den Kindern zu dem bereits ausfallenden Unterricht ein weiterer Tag vollständigen Unterrichtsausfalls zugemutet“, so Thomas Senger, stellvertretender LER-Vorsitzender.

Präventionstag für Lehrer - Warum nicht an einem Ferientag?

Nach Ansicht der Eltern gebe es einfache Alternativen - und die zielt vor allem auf die Schulferien, die auch für Lehrer gelten. Diese umfassten pro Schuljahr 63 Tage, wobei auch Lehrer nur einen Anspruch auf 30 Urlaubstage haben. In der Realität allerdings ist während der Ferienzeit kaum ein Lehrer im Einsatz.

„Mit diesem Runderlass verlangt das Bildungsministerium von den Eltern, für diesen Tag einen Urlaubstag einzusetzen, um ihre Kinder zu betreuen“, so die Elternvertreter. Bei mehreren Kindern an unterschiedlichen Schulen seien das jeweils ein Urlaubstag pro Kind. „Nicht selten haben Eltern jedoch nicht einmal die 30 Tage Urlaubsanspruch, die Lehrern zur Verfügung steht.“

Vier-Tage-Woche bis geänderte Öffnungszeiten: So ist die Situation für Schüler in Sachsen-Anhalt

Annette Kirstein, Vorstandsmitglied im Landeselternrat, kritisiert, die zusätzliche Belastung der Eltern, die jetzt bereits durch die „Kompensation des massiven Unterrichts- und Betreuungsausfalls an Sachsen-Anhalts Schulen“ hoch sei. „Es ist vollkommen unverständlich, warum der Präventionstag nicht an einem der 33 Arbeitstage in den Schulferien stattfinden kann, die Lehrer über Ihren Urlaubsanspruch hinaus zur Verfügung haben“, so Kirstein.

Elternrat kritisiert Präventionstag: „Betreuung muss gesichert werden“

Als Konsequenz fordert der Elternrat das Ministerium auf, den Präventionstag ab kommendem Jahr in die Schulferien zu legen. „Für das aktuelle Schuljahr muss unabhängig von einem Hortvertrag eine bedarfsgerechte Betreuung für die betreffende Unterrichtszeit sichergestellt werden“, so Matthias Rose, Vorsitzender des LER.

Auf Nachfrage versichert das Bildungsministerium, dass an einer Lösung für das Problem gearbeitet werde. Die Eltern seien in den Schulen frühzeitig in die Organisation des Präventionstages einbezogen. Bei der Betreuung der Schüler könnten zudem benachbarte Schulen um Abordnungen von pädagogischen Mitarbeitern gebeten werde. Allerdings: „Der Präventionstag wurde ins Leben gerufen, um die Belastung von Lehrkräften im Arbeitsalltag wertschätzend zu würdigen – daher auch die Umsetzung als zusätzlicher unterrichtsfreier Tag", so Ministeriumssprecher Elmar Emig.

Der Runderlasses zum „Präventionstag Arbeits- und Gesundheitsschutz für das Landespersonal an Schulen in öffentlicher Trägerschaft im Land Sachsen-Anhalt“ trat Ende September in Kraft. Bei der Ausgestaltung hatte es zuvor zwischen Bildungsministerium und Lehrerhauptpersonalrat (LHPR) Unstimmigkeiten gegeben. So war etwa umstritten, inwiefern das Thema des Präventionstages von jeder Schule explizit benannt werden soll. Der LHPR fürchtete, dass „bestimmte Themen in der Öffentlichkeit ein negatives Bild der Schule abzeichnen könnten.“

Für alle 871 Schulen in Sachsen-Anhalt steht ein Gesamtvolumen von bis zu 4.600 Stunden beim Anbieter Medical Airport Service bereit. Dort können Schulen Veranstaltungen buchen. Auch andere Drittanbieter sind wohl möglich, da schon absehbar ist, dass das Stundenkontingent nicht ausreichen wird.