Gefahr für Menschen und andere Arten

Riesenbärenklau und andere invasive Arten in Sachsen-Anhalt

Halle (Saale) - Eingeschleppte Pflanzen und Tiere wie der Riesenbärenklau sind in Sachsen-Anhalt auf dem Vormarsch.

Von Ralf Böhme 20.10.2017, 06:41

Eingeschleppte Pflanzen und Tiere sind in Sachsen-Anhalt auf dem Vormarsch. Das geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des CDU-Landtagsabgeordneten Guido Heuer hervor. Neun Arten sind danach schon sehr weit verbreitet.

In der „Schwarzen Liste“ der besonders unerwünschten, schädlichen und gefährlichen Tiere und Pflanzen rangieren der als „Stalins Rache“ berüchtigte Riesenbärenklau und das Drüsige Springkraut weit vorn. Zu den Eindringlingen gehören neben Waschbär und Nutria aber auch die Chinesische Wollhandkrabbe, der Kamberkrebs und der Blaubandbärbling.

Die Übersicht wird nach Auskunft der Landesregierung ständig überprüft und erweitert. Aktuell in der Diskussion ist die immer häufiger auftretende Nilgans, die möglicherweise bald zur Jagd freigegeben wird. Bei Nutria, Marderhund und Waschbär ist das bereits so geregelt.

Allein in der Jagdsaison 2016/2017 sind den Angaben zufolge 25 621 Waschbären zur Strecke gebracht worden. Das ist rund das Hundertfache gegenüber der Saison 2000/2001 mit 247 Tieren. Und die Landesregierung muss einräumen: „Eine komplette Entfernung der Arten ist angesichts des Ausbreitungsgrades nicht mehr möglich.“

Sachsen-Anhalt: So will das Umweltministerium gegen invasive Arten vorgehen

Sachsen-Anhalts Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) setzt in Absprache mit Bund und EU auf ein breit aufgestelltes Management invasiver Arten. Ganz amtlich heißt es: „Wichtig ist die ständige Kontrolle der Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen und gegebenenfalls ihre Wiederholung.“

Als invasiv werden Arten bezeichnet, die ursprünglich nicht in unseren Breiten leben, sich jedoch mittlerweile hier stark verbreitet haben. Schätzungen zufolge gibt es mehr als 12.000 gebietsfremde Arten in Europa, zehn bis 15 Prozent davon gelten als invasiv. Die Europäische Union hat im August 2016 erstmals 37 zu bekämpfende Tier- und Pflanzenarten benannt, die mit ihrer Ausbreitung Lebensräume, Arten oder Ökosysteme beeinträchtigen und daher der biologischen Vielfalt schaden können. Auf der Liste stehen unter anderem auch die Gelbwangen-Schmuckschildkröte und die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte.

Allein in Deutschland wurden bisher etwa 1.150 nicht-heimische Tier- und 12.000 Pflanzenarten registriert. Die meisten können sich zwar nicht fortpflanzen, aber über 600 eingeschleppte Pflanzen und über 260 Tiere haben sich fest etabliert. Ist ein geeigneter Lebensraum vorhanden, so die Einschätzung der meisten Wissenschaftler, helfen selbst radikale Ausrottungsaktionen nicht mehr.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind indes kaum zu unterschätzen. In Deutschland wurde eine Studie veröffentlicht, wonach zwanzig invasive Arten einen Schaden von 167 Millionen Euro im Jahr 2002 verursacht haben. Alleine der Riesenbärenklau , der viele andere Pflanzen verdrängt und ganze Ökosysteme verändern kann, verursacht 12,3 Millionen Euro Kosten. Dazu gehören zusätzliche Ausgaben im Gesundheitsbereich, Produktionsausfälle und -schäden, Minderung von Ernten, erhöhter Pestizideinsatz in Land- und Forstwirtschaft.

Ein besonders bekanntes Beispiel für invasive Tierarten ist der nordamerikanische Waschbär. Er wurde bereits 1927 als Pelztier nach Deutschland eingeführt und weitet sich seither in Europa aus. Der Waschbär ist ein Allesfresser und räubert auch gern Vogelnester. (mz)

Dazu sollen bis kommenden Februar die Ziele und Wege festgelegt werden, um wenigsten die Folgen des Vordringens neuer Arten beherrschbar zu halten. Das zugehörige Anhörungsverfahren, in dem Betroffene, Jagd- und Naturschutzverbände zu Wort kommen können, dauert bis zum 20. November.

Im aktuellen Haushaltsplan Sachsen-Anhalts sind zwar Mittel zur Eindämmung invasiver Arten vorgesehen. Dafür stehen in diesem Jahr allerdings nur 50 000 Euro bereit. Diese Summe soll sich 2018 verdoppeln. Ein beträchtlicher Teil des Geldes dient allerdings nicht dem Kampf gegen invasive Pflanzen, sondern dem gegen Tiere mithilfe von Kastenfallen.

Riesenbärenklau in Sachsen-Anhalt: Land will Konzept zur Gefahrenabwehr

Möglichst bald will das Land einen Überblick zum Riesenbärenklau erhalten. Als Koordinator dient dabei die Informationsstelle für Neophyten „Korina“ in Halle. Gefördert mit 680 000 Euro, wird dort ein Konzept der Gefahrenabwehr entwickelt. Das Doldengewächs, das ursprünglich im Kaukasus beheimatet ist, kann unter anderem gefährliche Verbrennungen verursachen. Eine Spur zum Ursprung dieser Staude in Sachsen-Anhalt führt nach Bernburg. (mz)